Wilhelm Reich

Sex! Pol! Energy!


16.11.2007 - 09.03.2008
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Für seine Feinde war er ein geistiger Irrläufer, für seine Anhänger ein genialer wissenschaftlicher Neuerer. Als Vater der "sexuellen Revolution" genoss er bei den 68ern Kultstatus. Kaum ein Forscher und Denker polarisiert wie Wilhelm Reich, 1897 in Galizien geboren, 1957 in einem amerikanischen Gefängnis gestorben.

In den 1920er Jahren stieg Reich rasch zum schillernden Jungstar der Wiener Psychoanalyse auf. Seine Arbeiten zur "Funktion des Orgasmus" und zur "Charakteranalyse" machten Furore. Er versuchte eine Synthese aus Marxismus und Psychoanalyse, die er mit der "Sexpol", einer sexualpolitischen Plattform, verwirklichen wollte. Dem brillanten Querdenker schlug bald erbitterter Widerstand entgegen, der in Ausschlüssen aus der Sozialdemokratischen Partei und aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung gipfelte. Auch die KPD ging auf Distanz. Nach 1933 zunächst im dänischen und norwegischen Exil, seit Kriegsbeginn in den USA, erweiterte Reich sein Arbeitsgebiet um biologische, physikalische und kosmologische Fragestellungen. In zunehmender wissenschaftlicher und auch menschlicher Isolation entwickelte er die Theorie einer bislang unbekannten Energieform - dem Orgon - auf deren Grundlage er seine körperorientierte Vegetotherapie der 1930er Jahre zur Orgontherapie ausbaute.

Das Jüdische Museum Wien präsentiert die erste umfassende Ausstellung zu Leben und Werk Wilhelm Reichs. Dank einer Kooperation mit dem Wilhelm Reich Infant Trust in Rangeley, Maine, können bislang nur im dortigen Museum zugängliche Originalobjekte gezeigt werden, zusammen mit bis heuer gesperrten Teilen des Nachlasses.

Kurator:
Birgit Johler

Koordinator:
Reinhard Geir

Team:
Grafik: Richard Ferkl
Architektur: Alexander Kubik



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