Ausstellungen 1997

«Übersicht

Neuland. Israelische Künstler österreichischer Herkunft

14. März - 4. Mai 1997

Im Zentrum der Ausstellung stehen das persönliche Schicksal und der künstlerische Werdegang von rund 100 Frauen und Männern, die heute im Kultur- und Geistesleben Israels eine bedeutende Rolle spielen. Sie wurden zum Teil aus Österreich vertrieben, ein Teil verließ bereits vor dem Jahr 1938 das Land um in Eretz Israel eine neue Existenz aufzubauen. Ihre Arbeit leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Literatur, Musik, Fotografie, Malerei, Architektur und der Medienlandschaft des Staates Israel.
Die Fotografin und Filmemacherin Alisa Douer ist den Schicksalen dieser österreichischen Emigranten im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojekts der Exilbibliothek im Literaturhaus nachgegangen und hat die Künstler interviewt und porträtiert. Die Ergebnisse ihrer Recherchen, die Biografien und die von ihr fotografierten Porträts der Künstler bilden die erste Ebene der Ausstellung. Für die Ausstellung im Jüdischen Museum wurden die Künstler aufgefordert, ein Objekt zur Verfügung zu stellen, das typisch für ihr Schaffen oder ihr persönliches Schicksal ist. Diese Objekte - Bilder, Skulpturen, Manuskripte, Gegenstände aus dem Privatleben - bilden die zweite Ebene der Schau, die in Deutsch, Englisch und Iwrit gestaltet ist. Insgesamt werden mehr als 100 Kulturschaffende vorgestellt, wobei sich der Bogen von Malern wie Shmuel Katz oder Yosl Bergner über Musiker wie Menahem Breuer oder Edith Kraus bis hin zu Schriftstellern und Journalisten wie Jeshajahu Ben Porat, Amos Elon, Teddy Kollek, Alice Schwarz-Gardos oder Ari Rath spannt. Die Schau entstand mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums, des Außenministeriums und wurde von der Firma Mobil Oil Austria gesponsert. Die Exilbibliothek im Literaturhaus Wien stellte zahlreiche Dokumente und Leihgaben zur Verfügung.

Kuratorinnen: Gabriele Kohlbauer-Fritz, Alisa Douer

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

„Du sollst es deinem Sohn erzählen“. Ausstellung zum Thema Pesach

18. April - 11. Mai 1997

Anläßlich des bevorstehenden Pesach-Festes wird das Jüdische Museum Wien eine kleine Spezialausstellung mit dem Titel „Du sollst es deinem Sohn erzählen“ zeigen, die sich mit Inhalt und Tradition des jüdischen Pesach-Festes auseinandersetzt. Inhaltlich steht im Mittelpunkt der Ausstellung das „es“ im Titel, nämlich das Pesach-Wunder, die Befreiung aus der altägyptischen Knechtschaft, der Durchzug durch das Rote Meer und die Gesetzgebung am Sinai. Formal steht im Mittelpunkt der Ausstellung das „erzählen“ aus dem Titel, das heißt das Tradieren des Pesach-Wunders von Generation zu Generation.
Das Pesach-Festes erinnert an das fundamentalste Ereignis der Geschichte des Volkes Israel, an den Auszug aus Ägypten, der im 2. Buch Mose (Exodus) geschildert wird. Das ins Frühjahr fallende Pesach-Fest dauert in der Diaspora acht Tage lang, von denen die mittleren vier Halbfeiertage sind. Es beginnt am Abend des 14. Nissan und endet am 22. Nissan.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Emil Orlik. Prag • Wien • Berlin (1870 - 1932)

16. Mai - 13. Juli 1997

Die Schau bietet eine umfassende Retrospektive des Werks dieses bedeutenden altösterreichischen Vertreters des Jugendstils. Der Maler, Grafiker und Kunstgewerbler Emil Orlik wurde 1870 in Prag als Sohn eines jüdischen Schneiders geboren, studierte in München und nahm schon früh Kontakte mit Wien auf, wo er bereits 1899 Mitglied der Secession wurde. Er befreundete sich hier mit Klimt, Josef Hoffmann und anderen bedeutenden Künstlern der Jahrhundertwende und lernte in Wien die Familie des Bankiers und Großindustriellen Max von Gomperz kennen, die zu seinem wichtigsten Förderer werden sollte.
Emil Orlik machte sich als Grafiker des Jugendstils, aber auch als Porträtmaler einen Namen. Zahlreiche Reisen führten ihn zur Jahrhundertwende nach Holland, Belgien, England und Schottland und auch nach Paris. Stilistisch entscheidend für seine künstlerische Entwicklung waren seine Japanreisen, deren erste er um 1900 machte. Auf dieser Reise erlernte Orlik die Technik des Farbholzschnitts, die er in seiner Arbeit in den folgenden Jahren meisterhaft einzusetzen verstand. Eine zweite lange Reise im Jahr 1911 brachte ihn sowohl nach Japan als auch nach China, Indien und Ägypten. Diese Reisen fanden einen starken Niederschlag im Œuvre Orliks - seinen Reiseimpressionen ist ein eigener Teil der Ausstellung gewidmet. Diese Blätter und auch Exlibris und Illustrationen zählen zu den gefragtesten Werken der Gebrauchsgrafik unseres Jahrhunderts.
Die Ausstellung im Jüdischen Museum bietet einen repräsentativen Querschnitt aller Schaffensperioden Emil Orliks und zeigt den Lebensweg des Künstlers im Zusammenhang mit seinen bedeutendsten Förderern, der Familie Gomperz. Rund 30 Gemälde, über 350 Grafiken und Teile des umfassenden Briefwechsels von Orlik mit Marie von Gomperz sind zu sehen. Die Zitate aus dem Briefwechsel wurden als Grundlage für das Ausstellungsprojekt herangezogen. Sie bieten einen guten Einblick in die Fördertätigkeit der großbürgerlich-jüdischen Familie Gomperz.

Kurator: Otmar Rychlik

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Oskar Marmorek. Architekt und Zionist (1863 - 1909)

11. Juni - 14. September 1997

Diese Dokumentation setzt sich mit Leben und Werk des Jugendstilarchitekten Oskar Marmorek (1863-1909) auseinander, der als Zionist ein Weggefährte Theodor Herzls war. 1863 in Galizien geboren, studierte Marmorek in Wien Architektur und war in der Folge als Gestalter federführend an den großen Wiener Ausstellungen vor der Jahrhundertwende beteiligt. Er zeichnet als Architekt für zahlreiche Miethäuser und Villen des Großbürgertums in Wien und Budapest verantwortlich: Seine bekanntesten Bauten in Wien sind der „Rüdiger-Hof“ in Margareten (5. Wiener Gemeindebezirk) und der „Nestroy-Hof“ in der Leopoldstadt (2. Bezirk). Marmorek entwickelte mit seiner Architektur eine eigene, sehr persönliche Formensprache, die von Otto Wagner, einem der bekanntesten Wiener Architekten der Jahrhundertwende, sehr geschätzt wurde.
Von den spektakulären Ausstellungsprojekten Marmoreks, wie etwa „Venedig in Wien“, sind heute nur mehr Fotografien und Zeichnungen erhalten, da diese nur temporären Charakter hatten. Diese Großausstellungen konnte Marmorek nur bis zum Ende der liberalen Ära verwirklichen, da er unter Bürgermeister Karl Lueger keine Aufträge mehr erhielt. Die historischen Aufnahmen in der Marmorek-Ausstellung dokumentieren in eindrucksvoller Weise, mit wieviel Phantasie Marmorek seine Projekte verwirklichte.
1896, nach Erscheinen von Theodor Herzls „Der Judenstaat“, schloß sich Oskar Marmorek der zionistischen Bewegung an und wurde einer ihrer bedeutendsten Aktivisten. Als enger Mitarbeiter und Vertrauter Theodor Herzls verfaßte er zahlreiche politische Schriften und referierte auch auf den Zionistenkongressen. Seine Ideen für Bauten in Palästina wurden nie verwirklicht - zwischen seinem Freitod im Jahre 1909 und der Gründung des Staates Israel verstrich eine zu lange Zeit. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien wird beide Seiten des Lebens und des Werks von Oskar Marmorek zeigen: Zum einen dokumentiert sie seine Arbeit als Architekt anhand von Fotos, Architekturzeichnungen und Bauplänen, zum anderen stellt sie ihn als Mitstreiter Theodor Herzls und als Theoretiker der zionistischen Bewegung vor, der als Mensch tragisch endete.

Kurator: Markus Kristan

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Masken. Versuch über die Schoa

25. Juli - 26. Oktober 1997

„Masken“ ist keine historische Ausstellung zum Thema nationalsozialistischer Vernichtungspolitik. Sie ist auch keine Dokumentation programmierter und organisierter Massentötungen. Vielmehr zeigt sie die Reduktion des Individuums auf ein Materialobjekt. Sie stellt die Frage nach der Würde des Menschen und der Relativität ethischer Normen. Sie ist der Versuch, das zu thematisieren, was die Schoa letztlich war: Mord.
Neben historischen Dokumenten und Filmen werden im Rahmen der Ausstellung in einer Rauminstallation 29 Totenmasken von ermordeten KZ-Häftlingen gezeigt. Diese Masken wurden 1942 auf Anfrage der Anthropologischen Abteilung des Wiener Naturhistorischen Museums im Anatomischen Institut in Posen angefertigt und im selben Jahr dem Museum geliefert. Sie wurden Anfang der 90er Jahre vom Naturhistorischen Museum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) übergeben. Seither sind die Masken Bestandteil der Sammlung der IKG im Jüdischen Museum Wien. Das Museum bezweckt mit der Präsentation dieser Masken keineswegs die Zurschaustellung ermordeter Opfer, vielmehr ist es das zentrale Anliegen der Ausstellungsmacher, die Besucher mit ihrem Umgang sowohl mit dem Thema, als auch mit den „Objekten“ zu konfrontieren.
Ausgehend vom Ausstellungskonzept gestaltete die österreichische Künstlerin Valie Export im urbanen Raum an vier ausgewählten Standorten im Wiener Stadtzentrum (vor dem Maria-Theresien-Denkmal, auf dem Michaelerplatz, auf dem Graben und in der Dorotheergasse vor dem Museum) vier Stelen, die auf die installationsartige Ausstellung des Museums hinweisen. Valie Export gestaltete auch das Plakat der Ausstellung, das diese Stelen motivisch zitiert.

KuratorInnen: Felicitas Heimann-Jelinek, Hannes Sulzenbacher

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Kringel • Schlingel • Borgia. Peter Hammerschlag 1902-1942

26. September - 16. November 1997

Unter dem Titel „KRINGEL, SCHLINGEL, BORGIA - Peter Hammerschlag (1902 - 1942)“ präsentiert das Jüdische Museum eine Spezialausstellung, die sich mit einer der interessantesten Persönlichkeiten der Wiener Kleinkunstszene der Zwischenkriegszeit auseinandersetzt. Hammerschlag wurde als Hausautor und gewandter Conférencier an der von Stella Kadmon gegründeten Wiener Kleinkunstbühne „Der liebe Augustin“ bekannt, an der er 1931 bis 1935 die Programme mitgestaltete. Neben seiner Tätigkeit am Kabarett veröffentlichte er gelegentlich Texte im „Prager Tagblatt“, ein Kontakt, den ihm sein Freund und späterer Nachlaßverwalter Friedrich Torberg vermittelte. Darüber hinaus erschienen seine teilweise selbstillustrierten Texte ab Ende der zwanziger Jahre auch in Berliner Zeitungen und Zeitschriften wie dem „Querschnitt“ und der „Weltbühne“ und in einigen Wiener Zeitungen und Zeitschriften wie der „Neuen Freien Presse“, dem „Wiener Magazin“, der „Wiener Allgemeinen Zeitung“, dem „Neuen Wiener Tagblatt“, der „Muskete“ und dem „Kleinen Blatt“. Sie sollten seine einzigen Veröffentlichungen zu Lebzeiten bleiben, sieht man von vier vertonten Kinderliedern ab. Als Sohn eines anerkannten jüdischen Mediziners der Universität Wien wurde er 1942 von den Nazis deportiert und ermordet (seine Eltern kamen im selben Jahr in Theresienstadt ums Leben).
Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien zeigt weitgehend unbekannte Werkmanuskripte, Grafiken und Dokumente von Peter Hammerschlag. Sie ist das Ergebnis umfangreicher Forschungen von Monika Kiegler-Griensteidl und Volker Kaukoreit, die auch das Konzept zu dieser Präsentation erarbeiten, die vom Büro Exner gestaltet wurde. Der Großteil des Materials wird erstmals ausgestellt und zeigt nicht nur den sensiblen, originellen und kritischen Künstler Hammerschlag, sondern es gibt auch einen Einblick in die Lebensbedingungen der Zwischenkriegszeit im aufkommenden Faschismus dokumentieren. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass nur wenige Tage vor der Eröffnung der Ausstellung dem Literaturarchiv der Nationalbibliothek weitere Dokumente, Briefe an die Familie Torberg und Manuskripte angeboten wurden, von denen nunmehr einige in einer zusätzlichen Vitrine ausgestellt werden. Diese Objekte konnten im kleinen Ausstellungsführer und im Materialienband zur Ausstellung (verlegt bei bei Turia + Kant, Wien) nicht mehr berücksichtigt werden.

KuratorInnen: Monika Kiegler-Griensteidl, Volker Kaukoreit

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Max Liebermann. Werke 1900 - 1918

7. November 1997 - 18. Jänner 1998

Die Max Liebermann anläßlich seines 150. Geburtstags gewidmete umfangreiche Werkschau konzentriert sich auf die impressionistische Schaffensperiode des Künstlers. Die Bilder aus dieser Zeit greifen thematisch immer wieder die Darstellung der großbürgerlichen Lebenswelt nach der Jahrhundertwende auf: die sogenannte feine Gesellschaft und ihre Freizeitvergnügen wie Aufenthalte am Meer, Polo und Tennis, Szenen aus den Biergärten und Stadtcafés. Sie spiegeln das moderne Lebensgefühl einer glanzvollen Epoche des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruchs wider, an der das jüdische Großbürgertum maßgeblichen Anteil hatte. In dieser eigens für Wien konzipierten Ausstellung prägen diese Motive gemeinsam mit Porträts und herausragenden Beispielen aus dem grafischen Schaffen Liebermanns diese Präsentation der bedeutendsten Arbeiten aus der Zeit zwischen 1900 und 1918.
Max Liebermann besaß auch eine umfangreiche Sammlung französischer Impressionisten: Zahlreiche Bilder Manets, Werke von Degas, Cézanne, Renoir, Pissarro, Monet hingen in seinem Haus am Pariser Platz nächst dem Brandenburger Tor in Berlin und in seiner herrschaftlichen Villa am Wannsee. „Nicht besser, nicht schlechter, nur anders“, urteilte Max Liebermann einmal, als seine Bilder bei einer Ausstellung gemeinsam mit Werken französischer Impressionisten ausgestellt wurden. Diese Selbsteinschätzung ist der Ausgangspunkt für die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien, die sich auch mit dem Menschen Max Liebermann auseinandersetzt: In der Weimarer Republik als Künstler hoch angesehen, mit Ämtern und Ehrungen überhäuft, fand sich der Künstler am Ende seines Lebens nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten plötzlich als Ausgestoßener und Verfemter wieder. Liebermanns Werke wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ebenso in alle Welt zerstreut wie seine Sammlung französischer Impressionisten.
Eines der Ziele der Wiener Ausstellung war es, auch Liebermanns Sammlung französischer Impressionisten möglichst lückenlos zu dokumentieren: Dieses Vorhaben ist im Katalog, der bei Dumont erschienen ist, verwirklicht worden. In der Ausstellung des Jüdischen Museums selbst sind exemplarisch aus Liebermanns Sammlung zwei Arbeiten Manets - darunter das berühmte „Spargelbündel“ aus dem Kölner Wallraf-Richartz-Museum -, ein Renoir und ein Pissarro zu sehen. In der dialogischen Gegenüberstellung mit den französischen Impressionisten soll Liebermanns künstlerische Eigenart besonders deutlich werden.

Kurator: Tobias G. Natter

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Maße der Zeit. Kunstinstallation mit Dokumentation zum jüdischen Kalender

29. Dezember 1997 - 28. Jänner 1998

Die jüdischen Feiertage sind einerseits biblisch mit den Daten des Kalenders, andererseits mit jahreszeitlich-agrarischen Gegebenheiten verbunden. Solange der Neumond noch nicht sicher astronomisch berechnet werden konnte, versammelte sich der Ältestenrat, beziehungsweise seine Nachfolgeinstitution, das Synhedrium, am 30. jedes Monats am Morgen und der erste Tag des folgenden Monates festgelegt: War die Mondsichel noch nicht gesichtet worden, so wurde der neue Monatsbeginn auf den Folgetag, also dem 31., verschoben. Signalfeuer und reitende Boten kündigten den Beginn des neuen Monats auch außerhalb Jerusalems an. Der Kalender schuf so eine gewisse Einheit zwischen Israel und der Diaspora. Da man damit rechnen musste, die Diaspora-Gemeinden nicht innerhalb eines Tages informieren zu können, wurde für diese festgesetzt, dass jeder 30. Monatstag Rosch Chodesch, also Neumond sei, so dass in den Fällen, da erst der 31. der erste Tag des neuen Monats ist, Rosch Chodesch zwei Tage gefeiert wurde. Das führte für die Diaspora auch zu einer Verdoppelung der übrigen Feiertage im Jahr (mit Ausnahme von Jom Kippur), so dass man außerhalb Israels bis heute jeweils einen zweiten „Sicherheitstag“ mitfeiert. Die weitere Zerstreuung der jüdischen Gemeinden erschwerte die Nachrichtenverbreitung jedoch dermaßen, dass die Einführung eines feststehenden Kalenders unumgänglich wurde. Schaffung und Publizierung eines festen jüdischen Kalenders war dem Patriarchen Hillel II. im Jahr 358/59 u.Z. zu verdanken.
Der jüdische Kalender ist solilunar, das heißt, seine Monate sind nach dem Mond, sein Jahr ist nach der Sonne ausgerichtet. Er stellt also eine Mischung aus Sonnen- und Mondkalender dar. Aufgrund von Bestimmungen der Tora, zum Beispiel jener, dass Pesach in den Frühling fallen muss, verbindet der jüdische Kalender den Mondkalender mit dem Sonnenjahr ebenfalls durch einen Einschub, der jedoch aufgrund der hohen Differenz aus einem ganzen Monat besteht. Jedes zweite bis vierte Jahr wird zum Schaltjahr, indem nach dem Monat Adar ein weiterer, Adar II, eingefügt wird.
Das Kalenderjahr mit seinen vier Jahreszeiten, seinen zwölf Monaten und Gestirnen in Form der Tierkreiszeichen ist nicht nur Basis für den jüdischen Festkalender, seine religiöse Wichtigkeit ist auch an der häufigen Darstellung der Jahreszeiten und des Zodiak, zum Beispiel in Bodenmosaiken spätantiker Synagogen im palästinischen Raum ersichtlich. Auch heute wird jeden Monat nach der Monderneuerung in den Synagogen ein Mondsegen gesprochen.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien