Ausstellungen 2004

«Übersicht

Continental Britons - Musik des Aufbruchs. Hans Gál und Egon Wellesz

25. Februar - 2. Mai 2004

Als erste einer Reihe von Musikausstellungen unter dem gemeinsamen Titel „Musik des Aufbruchs“, die sich vertriebene bzw. verdrängte österreichischen Komponisten widmen wird, präsentiert das Museum die ie Wiener Komponisten Hans Gál (1890-1987) und Egon Wellesz (1885-1974).
Beide gehörten in der Zwischenkriegszeit zu den Stars der deutschsprachigen Musikszene. Ihre Werke wurden in allen bedeutenden Konzertsälen und Opernbühnen Österreichs und Deutschlands von den bekanntesten Interpreten ihrer Zeit gespielt. Nach ihrer Vertreibung aus Wien 1938 flüchteten beide nach Großbritannien, wo sie nach Kriegsbeginn als feindliche Ausländer interniert wurden. Sie blieben in ihrer neuen Heimat, wurden dort an Universitäten berufen und komponierten bis ins hohe Alter. An ihrem Beispiel lässt sich die ganze Vielfalt der Musikstadt Wien erfassen - aber auch ihre Verluste als Folgen von Krieg und Antisemitismus aufzeigen. Denn Gál und Wellesz wurden im Österreich der Nachkriegszeit zwar mit hohen Auszeichnungen bedacht, doch ihre Musik wurde kaum gespielt: Gerade in der Musikszene konnten sich viele Größen der Nazi-Zeit unbeschadet in die Zeit nach 1945 retten.
Zwar wurde Gál unmittelbar nach dem Krieg eine Stellung in Wien angeboten, doch er hat sie aus verschiedenen Gründen abgelehnt. Wellesz hingegen wäre sehr gerne zu seiner Professur an der Universität Wien zurück gekehrt, doch die war von Erich Schenk besetzt. Dieser war nach 1938 wesentlich an der „Arisierung“ der Bibliothek von Guido Adler beteiligt. Wellesz andererseits hatte sich 1947 bemüht, seine „arisierte“ Josef Hoffmann-Villa am Kaasgraben 38 restituiert zu erhalten - doch das Gericht anerkannte den Sachbestand des „Zwangsverkaufes“ nicht.
In der Ausstellung werden neben Partituren, Handschriften und persönlichen Dokumente auch zahlreiche Fotografien historischer Aufführungen gezeigt. Die Objekte kommen großteils aus dem in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrten Egon Wellesz-Fond und aus dem erstmals erschlossenen Nachlass von Hans Gál, der sich in Privatbesitz befindet. Musikbeispiele und Ausschnitte aus Interviews werden über einen Audio-Guide eingespielt.

Kuratoren: Michael Haas, Marcus G. Patka

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Alma Rosé. Vom Konzertsaal nach Auschwitz

2. April - 31. Oktober 2004

Aus Anlass des 60. Todestages von Alma Rosé widmet das Jüdische Museum der exemplarischen Tragik dieser jüdischen Künstlerkarriere eine Gedächtnisausstellung. An ihrer Wiege stand der Genius Gustav Mahler, an ihrer Bahre der SS-Arzt Mengele.
Alma Rosé wuchs im bedeutendsten Musik-Salon Wiens auf. Der Vater, Arnold Rosé, über ein halbes Jahrhundert lang Konzertmeister der Philharmoniker und Gründer eines weltberühmten Streichquartetts. Die Mutter, Justine, die Schwester von Gustav Mahler. Das Haus Rosé war der Treffpunkt der musikalischen Elite in der Musikmetropole Wien. Von Kindheit an nahm Alma Rosé Violinunterricht bei ihrem Vater, einem strengen und fordernden Lehrer. Bei ihrem Debüt als Virtuosin trat die 20-jährige 1926 an der Seite ihres berühmten Vaters mit Bachs Doppelkonzert in d-Moll auf. Bald entkam die junge Geigerin jedoch dem Schatten ihres väterlichen Vorbilds und fand ihre eigene musikalische Bestimmung. Mit den „Wiener Walzermädeln“ gründete sie eine extravagante Damenkapelle, die mit einem beschwingten Programm Tourneetriumphe in ganz Europa feierte. In ihrem weißen Sportwagen flitzte Alma durch Wien, eine strahlende Erscheinung auf dem gesellschaftlichen Parkett.
Der „Anschluss“ von 1938 unterbrach jäh die hoffnungsvolle Karriere. Die Rosés flüchteten nach London, Alma sorgte auf Konzertreisen in Holland für den Unterhalt der Familie, wo sie von der deutschen Invasion überrascht wurde. Sie musste in den Untergrund abtauchen und brachte sich recht und schlecht mit Auftritten bei privaten Soireen durch. Auf der Flucht in die Schweiz fiel sie den Nazis in die Hände und wurde nach Auschwitz deportiert. Im Frauenlager von Birkenau begann Almas letzte Karriere. Aus musikalischen Laien formierte sie ein Orchester, das morgens und abends den Arbeitssklavinnen beim Marsch durch das Lagertor aufspielen musste und rettete so vielen Mitgliedern der Kapelle das Leben. Alma Rosé selbst starb am 5. April 1944 an den Folgen einer Vergiftung. Am letzten Tag ihres Lebens wurde sie noch vom „Todesengel von Auschwitz“, Josef Mengele, observiert.

Kurator: Joachim Riedl

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Wien, Stadt der Juden? Die Welt der Tante Jolesch

19. Mai - 31. Oktober 2004

Diese kulturhistorische Dokumentation setzt sich mit dem breit gefächerten Spektrum des Wiener Judentums während der Zwischenkriegszeit auseinander. „Das Wiener Judentum … ist ein Stück von Wien“, schrieb der Kulturhistoriker Hans Tietze 1933: „Es hat teil an aller Problematik des Wienerischen, mit dessen Saft sich der seine so lange vermischt hat.“ In der Zeit der Ersten Republik (1918 - 1938) lebten mehr als 200.000 Juden in Wien (knapp 11 Prozent der Gesamtbevölkerung). Es war nach Warschau die größte jüdische Gemeinde Europas und sie bildete ein bedeutendes Segment der Bevölkerung. Sie nahm an allen Aspekten des öffentlichen Lebens teil und prägte sie auch häufig. Keineswegs eine homogene Gruppe, waren die Wiener Juden ebenso in soziale und politische Gruppierungen zersplittert wie die restliche Bevölkerung.
In der Ausstellung wird das breit gefächerte Spektrum des Wiener Judentums zur Zeit seiner letzten Blüte in 21 Stationen vorgestellt. So entsteht ein Panoramabild, das von den Elendsquartieren der strenggläubigen Schtetl-Juden, die aus Galizien geflohen waren, über die Cafés der Bohemiens und die Versammlungssäle der geistigen Elite bis in die Büros der Stadtverwaltung des Roten Wien und in die Salons des aufgeklärten Bürgertums reicht. Jede der 21 Stationen wird von einem Meilenstein markiert, einem signifikanten Ereignis, um das herum das thematische Feld ausgelotet wird (z.B.: die Eröffnung des Kindergartens Goethe-Hof für die pädagogischen Reformbestrebungen der Epoche oder die Gründung des Zsolnay-Verlages für das literarische Leben). Wesentlicher Aspekt der Ausstellung ist es, die Geschichte des Wiener Judentums aus der Perspektive dieser Epoche zu erzählen, einer Zeit, die, noch bevor sich der Todesschatten der Schoa über die Stadt legte, von einer Auf- und Umbruchstimmung beflügelt war, in der utopische Gedanken wucherten, um die Reform von Kultur und Gesellschaft gerungen wurde und Juden wie Nichtjuden in einem brodelnden sozialen Klima um die Anerkennung ihrer jeweiligen Rollen kämpften.

In Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen.
Diese Ausstellung kam mit besonderer Unterstützung der Stadt Wien zustande.

Kurator: Joachim Riedl

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Children - Kinder - Kinderlach. Fotografien von Roy Mittelman

9. Juni - 12. September 2004 (verlängert bis 14. November 2004)

Im Simon Wiesenthal-Raum werden Fotografien von Roy Mittelman gezeigt, der seit mehr als zwanzig Jahren jüdische Kinder fotografiert. Still und zurückhaltend hat er sie beim Lernen, beim Gebet, bei einem Schläfchen zwischendurch, und vor allem beim Spielen beobachtet. Kinder in Buenos Aires, Casablanca, Tallinn, Budapest und an vielen anderen Orten, die der Fotograf, oft im Auftrag humanitärer Organisationen, besucht hat. Seine Bilder sind, weit über alles Dokumentarische hinaus, eindringliche, knappe Erzählungen vom Kind-Sein.
Mittelman über seine Arbeit: „Der Fotograf muss ein guter Zuhörer sein, ein Zuhörer mit dem Auge.“ Über die verschiedenen Orte seiner Arbeit geben die nachfolgenden Zitate Aufschluss: „Ich verbinde drei ganz unterschiedliche Erinnerungen mit dem Fotografieren jüdischer Kinder:
1. Marokko - In Marokko ist es das ständige Gefühl, zu spät gekommen zu sein. Beim Gang durch das Gelände der alten Jüdischen Schule in Casablanca hört man geradezu den Widerhall der Kinder, die hier vor zehn und mehr Jahren gespielt haben. Wo wohl die jungen Dayans, Benichous und Toledanos heute sind?
2. GUS - In der ehemaligen Sowjetunion ist es das Empfinden einer umgekehrten Erneuerung. Häufig ist es die junge Generation, die ihren Großeltern jüdisches Leben nahe bringt. Wie oft habe ich in der Ukraine Geschichten von Schulkindern gehört, die ihren Eltern die Pessachlieder vorsangen, die diese niemals gelernt hatten?
3. Osteuropa - In Osteuropa ist es das wiederauflebende Selbstbewusstsein. In einem Städtchen zwei Stunden außerhalb von Warschau ein ungewöhnliches Sommercamp: Zur einen Hälfte sind die Teilnehmer fünfzehn und jünger - zur anderen Hälfte sind sie Überlebende des Holocaust. Man kann nur vermuten, was die Holocaust-Generation fühlt, während sie den Kindern beim Spielen zusieht.“
Roy Mittelman, geboren 1955 in New York City, lebt dort als freischaffender Fotograf und unterrichtet am City College of New York. Er ist Gewinner des Rockower Award for Best Magazine Fotografy in the Jewish Media. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzelausstellungen gezeigt und vielfach publiziert u.a. im Museum of the Diaspora/Tel Aviv, in der Nikon Gallery/Wien, in der Galerie Fayla/ Brüssel, im Yeshiva University Museum/New York, in der Galerie Goltz/München, in der PSVMK Galeria/Györ, im Klutznick Museum/Washington D.C., im Balassa Balint Museum/Esztergom und in der Galerie Carneri/Graz einen Namen. Ein Fotoband mit Roy Mittelmans Straßenszenen und Porträts erschien unter dem Titel „Bilder Einer Inneren Galerie“ 1993 in Graz.

Kurator: Reinhard Geir

Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien

Theodor Herzl. 100. Todestag

17. Juni - 30. September 2004

1860: 2. 5. Theodor Herzl wird in Budapest geboren.
1866-1870: Besuch der Pester Normalhauptschule.
1870-1875: Besuch der Pester Städtischen Oberrealschule
1875-1878: Besuch des evangelischen Gymnasiums Budapest.
Ab 1877: anonyme Kritiken für den Pester Lloyd.
1878: Tod der Schwester Pauline. Umzug nach Wien
Beginn Jurastudium an der Universität Wien.
1881: Eintritt in die Burschenschaft Albia.
1883: Austritt aus der Burschenschaft wegen antisemitischer Reden.
1884: 16. Mai Promotionsprüfung.
1885: Tätigkeit an Gerichten in Wien und Salzburg.
Aufnahme der Tätigkeit als freier Schriftsteller.
1886 bis 1889: Vierzehntägig Beiträge im Berliner Tageblatt unter dem Titel „Reise der Woche“.
1887: Feuilletonredakteur bei der Wiener Allgemeinen Zeitung.
1889: 25. 6. Heirat mit Julie Naschauer.
1890: 29. 3. Geburt der Tochter Pauline.
1891: 10.6. Geburt des Sohnes Hans. Korrespondent der Neuen Freien Presse in Paris. November: Nachzug der Familie.
1892: Erste Auseinandersetzung mit jüdischer Problematik: Artikel „Französische Antisemiten“.
1893: 20.5. Geburt der Tochter Margarethe („Trude“).
1894: „Das Neue Ghetto“, Auseinandersetzung mit Antisemitismus im Theater.
1895: Herzl wird Zeuge der Dreyfus-Affäre, Begründung des politischen zionistischen Engagements. Erste Kontakte mit Jüdischen Organisationen wie der Jewish Colonization Association. Skizzen zu „Der Judenstaat“ als Fundraising-Adresse an die Rothschilds.
Juli: Rückkehr der Familie nach Wien. Feuilletonredakteur der Neuen Freien Presse.
1896: Publikation „Der Judenstaat“, durch rasch folgende Übersetzungen entstehen Kontakte zur Vereinigung der Howewe Zion und zum badischen Hof.
1897: 6.3. Vorkonferenz zum 1. Zionistenkongress.
4.6. Gründung „Die Welt“ als Forum zionistischer Texte.
29.-31.8. 1. Zionistenkongress, Wahl zum Kongresspräsidenten.
1898: Palästinareise und Audienz beim dt. Kaiser zwecks Protektionsgesuchs.
1901: Audienz beim Sultan.
1902: Tod des Vaters Jakob. Kontakte zur britischen Regierung. „Altneuland“.
1903: Auseinandersetzung mit Ugandaplänen, Kontakte mit der russ. Regierung.
1904: Audienzen beim Papst und beim ital. König,
Spannungen mit der Bewegung.
3.7. Herzl stirbt in Edlach an Herzerkrankung und Lungenentzündung.

Kurator: Marcus G. Patka

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Abgestempelt? Abgestempelt! Jüdische Persönlichkeiten auf österreichischen Briefmarken

22. September - 26. Oktober 2004

Anlässlich des 100. Todestages Theodor Herzls im Juli 2004 erscheint bei der Österreichischen Post eine Briefmarke mit Herzls Porträt. Diese Marke ist allerdings nicht das einzige Porträt eines jüdischen Österreichers auf österreichischen Briefmarken - zahlreiche Politiker, Ärzte, Künstler und Wissenschaftler finden sich auf Marken der letzten Jahrzehnte. Die Namen reichen von Sigmund Freud über Ludwig Wittgenstein, Karl Kraus, Arthur Schnitzler, Emmerich Kálmán, Arnold Schönberg, Lise Meitner, Victor Adler bis hin zu Hans Kelsen und Billy Wilder. Die Kleinausstellung im Auditorium des Jüdischen Museums zeigte in Zusammenarbeit mit der Österr. Post AG einen Querschnitt durch das österreichische Geistesleben.
Im Rahmen der Ausstellung werden nunmehr etwas mehr als 40 Persönlichkeiten auf Briefmarken in einer Kleinausstellung im Auditorium des Museums präsentiert. Dabei sind in vielen Fällen nicht nur die Endentwürfe sondern auch die Vorstudien und Details zu den einzelnen Briefmarken zu sehen. Abgerundet wird die Ausstellung durch Kurzbiografien der auf den Briefmarken abgebildeten Persönlichkeiten.

In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Post AG.

KuratorInnen: Erich Haas, Silvia Klampferer, Herma Heiss, Katharina Wessely, Andreas Sperlich

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Colors of War. Der Kriegerkult

22. September - 26. Oktober 2004 (verlängert bis 12. Dezember 2004)

Gleich an zwei Orten präsentiert der österreichisch-israelische Künstler Oz Almog seine neueste Kunstinstallation “Colors of War”: Während im Hofmobiliendepot „Camouflage“ gezeigt wird (bereits ab 15. 9.), präsentiert das Jüdische Museum „A Warrior Cult/Der Kriegerkult“. Der Hintergrund für Oz Almogs neuestes Projekt: Zur Steigerung von Stolz und Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer militärischen Einheit tragen Soldaten heute oft so genannte Oberarmabzeichen auf ihrer Uniform, die die Zugehörigkeit zu ihrer Einheit demonstrieren. Manchmal erfreuen sich diese Abzeichen so großer Beliebtheit, dass auch Fahrzeuge und anderes Kriegsgerät und sogar Gebäude damit verziert werden.
Oz Almog, früher selbst Soldat in einer Spezialeinheit der israelischen Marine, hat mehr als 1000 dieser Abzeichen zusammengetragen und als Ölbilder reproduziert, wobei der spezifische Charakter jedes Abzeichens im „fremden“ Medium der Malerei beibehalten wurde. Der Begriff „Kriegerkult“ steht daher, für die symbolische Bedeutung, die der Elitesoldat - der Krieger - mit sich trägt. Dies kann sich im angstbehafteten öffentlichen Bild vom Soldaten als Bedrohung wie auch als Beschützer ebenso ausdrücken wie in der Kultur der „Härte“, die Eliteeinheiten intern pflegen, oder in der Furcht, die sie ihren Gegnern einzuflößen versuchen. In der Ausstellung werden alle drei Aspekte angesprochen, vor allem aber jener, der das Verhältnis des Soldaten zu seinem eigenen „Kriegerkult“ thematisiert, da er am engsten mit der Produktion der Abzeichen selbst verbunden ist.
Das Bemerkenswerte an diesen Oberarmabzeichen ist ihre Vielfalt. Während fast alle größeren Truppenteile über offizielle Abzeichen verfügen, lassen kleinere Einheiten (vor allem Eliteeinheiten) gelegentlich auch eigene, inoffizielle Abzeichen anfertigen. Diese sind zwar oft respektlos, häufig „politisch inkorrekt“ und manchmal vulgär, spiegeln jedoch jene Realität, mit der diese Einheiten im Einsatz konfrontiert sind, wesentlich besser wieder. Die hier präsentierten Beispiele umfassen die gesamte stilistische Bandbreite der Oberarmabzeichen: von traditionellen britischen Marineabzeichen mit lateinischen Wahlsprüchen im Stile alter Adelswappen bis zu den Abzeichen von Aufklärungskommandos der amerikanischen Marines aus der Vietnam-Zeit, deren derbe Sprüche häufig falsch geschrieben waren, weil die vietnamesischen Schneider nicht Englisch konnten.

In Zusammenarbeit mit dem Hofmobiliendepot.

Kurator: Oz Almog

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Hofmobiliendepot
Andreasgasse 7
1070 Wien

Die Liebens. 150 Jahre Geschichte einer Wiener Familie

11. November 2004 - 3. April 2005

Kaufleute, Bankiers, Salondamen, Wissenschaftler, Erfinder und Künstler: Die Liebens gehörten zu den bedeutenden Wiener großbürgerlichen Familien, die über mehrere Generationen das Leben der Stadt prägten. Während die Vorväter auf Grund des beschränkten Wohnrechts für Juden um die Toleranz in Wien ansuchen mussten, zählten die Kinder und Kindeskinder zur gesellschaftlichen Elite des Landes. Der von der Familie gestiftete Ignaz L. Lieben-Preis galt von 1863 bis 1937 als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Naturwissenschaftler in Österreich. Ignaz Liebens Sohn Adolf war einer der ersten österreichischen Juden, der nach der bürgerlichen Gleichstellung der Juden im Jahr 1867 zum Professor für Chemie an der Universität Wien ernannt wurde. Ignaz’ Enkel, Robert von Lieben, ging als Pionier in die Radiogeschichte ein. Marie-Louise von Motesiczky, eine Urenkelin von Ignaz L. Lieben, machte Karriere als Malerin und gilt heute als eine der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Jäh unterbrochen wurde die ruhmreiche Familiengeschichte durch die Ereignisse des Jahres 1938. Sie brachten Verfolgung, Flucht und Exil auch für jene Familienmitglieder, die längst getauft waren.
Diese Ausstellung beleuchtet das Schicksal der Liebens im Spiegel der österreichischen Geschichte von der Zeit des Vormärz bis zur Gegenwart. Der Lieben-Preis wird ab 2004 wieder verliehen, dank der großzügigen Unterstützung des amerikanischen Chemikers und Unternehmers Alfred Bader. Mit den Liebens verbindet ihn nicht Verwandtschaft, sehr wohl aber ein gemeinsames Schicksal. Auch Alfred Bader wurde 1938 von den Nazis aus Österreich vertrieben.

Ab 9. November 2004 zeigte die Universität Wien eine Wanderausstellung zum Ignaz L. Lieben-Preis. Die Ausstellung ist den 55 bisherigen Lieben-Preisträgern, dem Empfänger des diesjährigen Preises und den Finanziers der beiden Stiftungen gewidmet. Am 9. und 10. November 2004 fand außerdem im Festsaal der Universität Wien ein Symposium anlässlich der Wiedererrichtung der Ignaz L. Lieben-Stiftung mit dem Titel „Mäzenatentum und naturwissenschaftliche Forschung in Österreich“ statt.

Kuratorinnen: Gabriele Kohlbauer-Fritz, Evi Fuks

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Alexander Rodtschenko. Moskau

11. November - 12. Dezember 2004 (verlängert bis 30. Jänner 2005)

Im Rahmen des Monats der Fotografie wird einer der wichtigsten Vertreter russischer Fotokunst, Alexander Rodtschenko, präsentiert. 1932 beauftragte der Verlag „Isogis“, Herausgeber der Fotobildbände und der berühmten Zeitschrift „Die UdSSR auf der Baustelle“, den Künstler, Designer und Fotografen Alexander Rodtschenko mit Aufnahmen von Moskau.
1932 erschienenen, war es eine der ersten autorisierten Fotoserien in der Geschichte der sowjetischen Fotografie. Aufnahmen von Denkmälern bzw. Ansichtskarten gab es bereits seit Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Rodtschenko zeigte dabei sein Moskau, in dem es für ihn wichtige Dinge gab, wie z.B. die Fabriksküche, das Telefonhäuschen oder das Elektrizitätswerk, eine Sportparade, einen Postwagen, Straßenhändler oder die Garage des Architekten Melnikow. In seiner Eigenschaft als Künstler, Designer und Fotograf bemerkte er die Veränderungen des Stadtbilds, verstand sie und erkannte deren Wert.
Rodtschenko hatte die Stadt bereits früher fotografiert: Die ersten perspektivisch verkürzten Aufnahmen entstanden 1925, als er mit einer „West Pocket Kodak“ vom Balkon und vom Dach seines Hauses auf der Mjasnitzkaja-Straße fotografierte. Während seiner Arbeit als Künstler für die Aufbauten zum Film „Moskau im Oktober“ (1927) wählte er sehr sorgfältig für Freiluftaufnahmen geeignete, ausdrucksvolle Plätze in der Stadt aus und als Fotoreporter der Zeitschriften „Dajosch!“, „Smena“ sowie der Zeitung „Wetschernjaja Moskwa“ machte er Fotoreportagen über Neubauten.
Heute sind die Fotografien und Ansichtskarten Rodtschenkos zu Raritäten geworden, nicht einmal in Archiven kann man sie mehr finden. Deshalb kam es zu der Idee, sein Projekt dem heutigen Betrachter zugänglich zu machen als Geschichte einer alten, sich vor allen Augen verändernden Stadt und als Geschichte der russischen Fotografie. „Alexander Rodtschenko - Moskau“ stammt aus der Sammlung des Museums „Moskauer Haus der Fotografie“.

Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Haus der Fotografie.

KuratorInnen: Olga Sviblova, Alexander Lavrentiev

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Ceija Stojka. Leben!

2. Dezember 2004 - 6. März 2005

Mit einer Auswahl von Bildern von Ceija Stojka widmet das Jüdische Museum Wien erstmals eine Ausstellung einer Angehörigen einer österreichischen Volksgruppe, deren Schicksal, Kultur und Tradition bisher zumeist im Verborgenen geblieben sind.
Ceija Stojka wurde am 23. Mai 1933 in einem Gasthaus in Kraubarth in der Steiermark als fünftes von sechs Kindern geboren. Vater und Mutter waren fahrende Rom-Lowara aus dem Burgenland. 1941, im Alter von acht Jahren, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte und wurde am 15. April 1945 in Bergen-Belsen von der britischen Armee befreit. Von ihrer über 200 Personen zählenden Großfamilie überlebten neben ihr nur die Mutter und vier ihrer Geschwister. Nach 1945 nahmen sie ihr ursprüngliches Leben wieder auf, unbeachtet und am Rande der Gesellschaft, in einem Land, wo ihre Volksgruppe von Bevölkerung und Behörden weiterhin diskriminiert wurde. 1988 trat Ceija Stoijka mit ihrem Buch „Wir leben im Verborgenen“ als erste Romni an die österreichische Öffentlichkeit und berichtete über ihr Schicksal, ihr Überleben und den Mord an den österreichischen Roma und Sinti im Holocaust. Damit gab sie den Anstoß für eine Roma-Bewegung, die erstmals ihr Schicksal, aber auch ihre Geschichte und Kultur einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte. In dieser Zeit begann Ceija Stojka auch das Liedgut der Rom-Lowara zu präsentieren und zu malen. In ihren Bildern verarbeitet sie die auf ihr lastende Vergangenheit, das Leiden und Sterben in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus. Dennoch ist ihre Arbeit nicht nur vom Entsetzen über die Grausamkeit der Menschen und von der Trauer um die Ermordeten geprägt, sondern strahlt auch Kraft und Lebensfreude aus, voller Erinnerungen an das freie Sein auf Wanderschaft, das ungebundene Herumreisen und die Schönheiten der Natur und des Lebens. Es sind Bilder, die eine brutale, traurige, aber auch eine herrliche, wunderbare Welt zeigen, die die Kraft einer Frau atmen, die trotz aller Schicksalsschläge Mut zur eigenen Tradition und zum Leben hat. In den wenigen Jahren ihrer künstlerischen Tätigkeit erschuf die Autodidaktin ein erstaunlich reifes Werk, das sich zunehmend auch der Abstraktion zuwendet und eine tiefe Ursprünglichkeit und Ehrlichkeit aufweist.

Kurator: Gerhard Milchram

Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien

Franz Schreker. Grenzgänge, Grenzklänge

15. Dezember 2004 - 24. April 2005

Als zweite Ausstellung der Reihe „Musik des Aufbruchs“ präsentiert das Museum eine umfassende Dokumentation über Leben und Werk eines Komponisten, der in letzter Zeit eine wahre Renaissance erlebt: Franz Schreker.
Schreker (1878-1934) war mit Werken wie Der ferne Klang, Die Gezeichneten, Der Schatzgräber und Irrelohe einer der bedeutendsten Opernkomponisten seiner Generation. Seine betörende Klangwelt eröffnete Perspektiven, die erst Jahrzehnte später, etwa in der Musik Witold Lutosławskis oder György Ligetis weiterentwickelt wurden. Schrekers gewagte Operndramaturgie nimmt die Bildsprache des Films vorweg. Der in Monaco geborene Sohn eines jüdischen Hoffotografen aus Böhmen und einer Mutter aus einer Adelsfamilie begann seine Laufbahn als Schüler von Robert Fuchs und Arnold Rosé in Wien und war Dirigent der Uraufführung von Arnold Schönbergs Gurreliedern. Zu Schrekers Schülern gehörten die Komponisten Ernst Krenek, Karol Rathaus und Alois Hába sowie die Dirigenten Jascha Horenstein, Josef Rosenstock und Hans Schmidt-Isserstedt. 1920 wurde er zum Direktor der Berliner Musikhochschule ernannt, 1933 entfernten ihn die Nationalsozialisten aus allen Ämtern und verboten die Aufführung seiner Werke - er starb kurz darauf an einem Schlaganfall.
Die Ausstellung bietet einen Blick in die Musik- und Operngeschichte am Scheideweg zwischen Jugendstil in Wien und Neuer Sachlichkeit in Berlin, zwischen Romantik und Moderne - in die Kulturgeschichte einer bewegten Epoche. Erstmals gezeigt werden große Teile seines Nachlasses wie Partituren, Handschriften, persönliche Dokumente und Fotos historischer Aufführungen. Ein kostenloser Audioguide macht den Rundgang auch zum akustischen Erlebnis.

Kuratoren: Michael Haas, Christopher Hailey

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien