Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge

Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge

Im Rahmen einer kleinen Sonderausstellung wird eine hebräische Handschrift aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte einer Wiener jüdischen Familie darstellt: „Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge“.

Diese Handschrift hat eine bewegte Geschichte: Im Frühjahr 1998 erwarb das Jüdische Museum Franken in Fürth eine hebräische Handschrift, die 1632 in Wien entstand. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Memorbuch, das bis 1670 in Wien in Verwendung war und dann nach Fürth in Bayern gelangte. Nach mehr als 300 Jahren wird dieses Buch nun für wenige Wochen wieder in Wien zu sehen sein. Memorbücher enthalten neben Gebeten die Namen der Opfer von Pogromen oder verstorbener, durch besondere Verdienste geschätzter Gemeindemitglieder. Nach Verfolgungen konnten die Ermordeten oft nicht bestattet, die Gräber der Angehörigen nicht mehr besucht werden. Die Worte der Memorbücher blieben dann die einzige Möglichkeit, die Erinnerung an die Verstorbenen zu bewahren. Memorbücher werden damit zum Ersatz für reale Orte des Gedenkens und schaffen einen imaginären Gedächtnisraum.

In Wien ordnete 1624 Kaiser Ferdinand II. die Errichtung eines Ghettos, der „Judenstadt im Unteren Werd“, an. Das »Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge« wurde wenige Jahre später für eine der Synagogen dieses Ghettos angelegt. Es enthält die vom Vorlesepult (Almemor) aus gesprochenen Gebete sowie fortlaufende Einträge zum Gedenken an verstorbene Gemeindemitglieder. Als 1670 Kaiser Leopold I. die Vertreibung der Juden aus Wien verfügte, gelangte die Handschrift mit einer der vertriebenen Familien, den Fränkels, nach Fürth in Bayern. Der vor 1670 in Wien geborenen Bärmann Fränkel, der in Schnaittach und Fürth als ansbachischer Landesrabbiner amtierte, stiftete 1708 die Fürther Klaus-Synagoge, in der die Einträge des Memorbuchs bis 1932 weitergeführt wurden. Seit dem Novemberpogrom 1938, als auch die Klaus-Synagoge zerstört wurde, galt es als verschollen. 1998 tauchte es im lokalen Altwarenhandel wieder auf und konnte vom Jüdischen Museum Franken in Fürth erworben werden. Eine Installation, in deren Zentrum die originale Handschrift steht, ermöglicht einen Einblick in die 365-jährige Geschichte dieses Buches und macht es als imaginären Gedächtnisraum jüdischen Lebens in Wien und Fürth erfahrbar. Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Franken.

Kurator: Bernhard Purin