Papier ist doch weiß? Eine Spurensuche im Archiv des Jüdischen Museums

Papier ist doch weiß? Eine Spurensuche im Archiv des Jüdischen Museums

Im Rahmen dieser Sonderausstellung werden für die Geschichte Wiens und des Museums besonders interessante Beispiele aus Sammlungen, Stiftungen und Schenkungen präsentiert. Der reiche Archiv- und Sammlungsbestand des Jüdischen Museums baut auf der Sammlung des weltweit ersten jüdischen Museums auf, das 1895 in Wien gegründet und 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Heute vereint der Bestand zudem Archivalien aus der Israelitischen Kultusgemeinde, aus den Sammlungen Berger, Stern und Schlaff und aus den zahlreichen Neuerwerbungen. Die Objektauswahl erfolgt aus allen Sammlungsteilen und vereint Kunstwerke, illustrierte Handschriften, gezeichnete Landkarten, Dokumente, Plakate, Reportage- und Familienfotos.

Die Ausstellung führt hinter die Kulissen der beiden Wiener Jüdischen Museen. Sie dokumentiert den Personenkreis, der das alte Jüdische Museum ermöglichte und vergleicht die Neuerwerbungen aus beiden Gründungsphasen. Wer sich auf diese Reise durch die Geschichte einläßt, kann vieles entdecken, das bisher nur wenigen bekannt war, manchmal sogar sehr ungewöhnlich anmutet: Ein Gang durch die Ausstellungsräume bietet die Möglichkeit, sich wie in einem Archiv in Details zu verlieren und die Geschichte Wiens aus einer weitgehend unbekannten Perspektive zu betrachten. Viele der Exponate waren entweder noch nie ausgestellt, oder sie sind erstmals seit ihrer Beschlagnahme vor 60 Jahren zu sehen.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Geschichte des ersten Jüdischen Museums in Wien, in dem am 1. November 1895 der Grundstock für das Archiv des heutigen Museums angelegt wurde. Die Sammlung befand sich zunächst in der Rathausstraße 13 im 1. Wiener Bezirk und wechselte während der folgenden zwanzig Jahre dreimal ihren Standort. Über 800 Personen und Institutionen haben hier im Laufe von 45 Jahren mehrere tausend Objekte zusammengetragen. Wirft man einen Blick hinter die Dinge, auf die Stifterinnen und Stifter dieses Museums, trifft man auf eine vergangene Wiener und mitteleuropäische Lebenswelt. Was von der 1938 durch die Nationalsozialisten durchgeführten Beschlagnahme und der darauffolgenden Aufteilung unter Wiener Museen und Bibliotheken übriggeblieben ist, findet sich nunmehr wieder im musealen Rampenlicht.

Kurator: Werner Hanak