Salomon Sulzer. Kantor • Komponist • Reformer

Salomon Sulzer. Kantor • Komponist • Reformer

Salomon Sulzer (1804-1890) stammte aus Hohenems in Vorarlberg und wurde nach Gründung des Wiener Stadttempels 1826 der erste Oberkantor dieses Tempels, ein Amt, das er bis 1881 inne hatte. Sulzer ließ sich von den traditionellen religiösen Melodien und kantoralen Grundlagen beeinflussen, hat die synagogale Tonkunst aber eine neue, an die Zeit angepasste Form gegeben, ohne den jüdischen Charakter der preiszugeben. Mit Isak Noa Mannheimer gilt er somit als Begründer einer modernen Liturgie des jüdischen Gottesdienstes, die als „Wiener Nussach“ in die Welt hinausging und noch heute, vor allem in Nordamerika, für eine religiös-liberale Ausprägung des Judentums steht.

Sein kompositorisches Hauptwerk, das auch seinen Ruf als Reformator des Synagogengesangs begründete, ist aber die Sammlung „Schir Zion“ („Gesang Zions“, 2 Bände, 1840/65). Es ist die früheste Sammlung, die den liturgischen Jahreskreis detailliert musikalisch beschreibt, und enthält zum überwiegenden Teil selbst komponierte Werke. Der 1. Band enthält neben 122 Werken Sulzers auch einige von Joseph Fischhof, außerdem aber über 30 Werke christlicher Komponisten wie Franz Schubert, Ignaz von Seyfried, Joseph Drechsler, Franz Volkert, Wenzel Wilhelm Würfel. Die neuen Kompositionen wurden erstmals mit vierstimmiger Chorbegleitung geschrieben und beeinflussen bis heute den Gebetsstil in vielen Synagogen. Der erste Teil der Ausstellung zeigt anhand von Tonbeispielen und Originalexponaten den Kantor, Komponisten und Reformer im Spiegel seines Werkes. Im zweiten Teil wird am Beispiel der jüdischen Gemeinde von Hohenems der Zusammenhang von sich ändernden Bedingungen jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert und der Liturgiereform beleuchtet.

Dieser Ausstellungsteil verweist auch auf das Jüdische Museum Hohenems, das im April 1991 - nur wenige Schritte von Salomon Sulzers Geburtshaus entfernt - eröffnet wird.

Kurator: Bernhard Purin