Sammlungen

Sammlung IKG

Die weitaus größte Sammlung des Museums ist die der Israelitischen Kultusgemeinde, die ihren Bestand 1992 dem Museum als Dauerleihgabe übergeben hat. Dabei handelt es sich allerdings nur zu einem Teil um eine Sammlung im klassisch musealen Sinne, nämlich um den Restbestand des weltweit ersten Jüdischen Museums, das 1895 in Wien gegründet worden war. Als es 1938 von der Gestapo beschlagnahmt wurde, wies sein Inventar 6474 Objekte auf, die ins Völkerkundemuseum und in andere Institutionen überführt wurden. Zu Beginn der 50er Jahre wurde der Großteil der Bestände an die IKG Wien restituiert, Etliches aber auch erst in den 90er Jahren. Heute können wir 3517 Objekte des ersten Museums in unseren Beständen identifizieren, das heißt, dass mehr als die Hälfte dieser raren Sammlung verschollen ist - ob mutwillig zerstört, gestohlen oder auf Grund der Zeitumstände verloren, ist nicht mehr rekonstruierbar.

Der zweite Teil des IKG-Bestandes ist viel mehr als Einsammlung denn als Sammlung zu verstehen, handelt es sich dabei doch um die Inventare der Wiener Synagogen und Bethäuser soweit sie nach dem Novemberpogrom 1938 noch vorhanden waren. Dabei handelt es sich um Kultobjekte, die den ehemals zahlreichen Wiener Synagogen und Bethäusern "zur Ehre der Tora" gestiftet, teils dem Andenken an verstorbene Verwandte der Stifter, teils auch anläßlich der Einweihung neuer Gotteshäuser und privater freudiger Ereignisse gewidmet waren. Sie standen als Kultgeräte in Verwendung und waren in einen konkreten Lebenszusammenhang eingebunden, aus dem sie 1938 buchstäblich herausgerissen wurden. Daher sind sie nicht nur Zeugen der glanzvollen Geschichte der jüdischen Gemeinde Wiens, sondern sind, indem sie heute in einen musealen Zusammenhang gezwungen sind, auch Zeugen ihrer Vernichtung - stumme Zeugen, die beredtes Zeugnis ablegen. Darüber hinaus wurden synagogale Objekte aus den zwangsweise aufgelösten Gemeinden in den Bundesländern in die IKG gebracht, damit diese sie treuhänderisch verwalte. Und schließlich gaben viele Privatpersonen liturgische Objekte wie auch persönliche Memorabilien vor ihrer Deportation in der Kultusgemeinde ab. Dieser Ein-sammlungsbestand, der aus annähernd 3000 Gegenständen besteht, gemahnt nicht nur das Publikum sondern auch die MuseumsmitarbeiterInnen daran, was diese Objekte jenseits aller Ästhetik und jenseits aller historischen Sensation auch sind: Dokumente von Zerstörung und Entmenschung.

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Tora-Aufsätze, Wien um 1920, Silber, verbrannt; Jüdisches Museum Wien, Slg. IKG, Inv. Nr. 205