Peter Altenberg. Extracte des Lebens
22. Jänner - 27. April 2003
Altenberg war der Inbegriff eines Poeten. Von vielen Zeitgenossen bewundert und belächelt zugleich: ein verträumter Flaneur und eine legendäre Kaffeehausfigur, ein Bewunderer schöner Frauen und unberührter Naturlandschaften, ein Meister des Aphorismus und anderer literarischer Kleinformen, ein Natur-Apostel und Gesundheitsprediger und trotzdem dem Alkohol nicht abgeneigt. Zugleich ein sehr visueller Mensch und Künstler, der das Potential der Fotografie als neue Kunstform früh erkannte und förderte. Die von Altenberg mit eingeklebten und beschrifteten Postkarten zusammengestellten Alben gelten als Vorläufer der Collage. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in Hotels und Lokalen, ständig in Geldnot bekam er immer wieder Zuwendungen von Freunden und zelebrierte dieses „Schnorrertum“ bis zur Vollendung.
Sein Leben als Bohemien brachte ihm bald den Ruf als „Narr von Wien“ ein, weil er Droschkenkutscher, Stubenmädchen und andere Menschen aus dem Volk mit großer Hochachtung behandelte. Legendär war aber auch seine Launenhaftigkeit - so schnell, wie er sich mit seinen besten Freunden, Mäzenen und Schriftsteller-Kollegen zerstritt, so schnell versöhnte er sich auch wieder. Dokumentiert wird somit auch das wechselnde Verhältnis zu seinen wichtigsten Freunden und Künstler-Kollegen wie Arthur Schnitzler, Adolf Loos, Karl Kraus, Hermann Bahr, Alban Berg, Gustav Klimt, Frank Wedekind oder Josef Hofmann und vielen anderen.
KuratorInnen: Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos, Marcus G. Patka
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Karl Duldig (1902-1986). Plastiken und Zeichnungen
12. Februar - 4. Mai 2003
Karl Dudlig, ein österreichischer Künstler, der durch die Nationalsozialisten vertrieben wurde und in der australischen Emigration in Vergessenheit geriet, wurde 1902 in Przemysl geboren. Der Sohn wohlhabender galizischer Juden kam 1914 mit seinen Eltern nach Wien, wo er seine künstlerische Ausbildung als Schüler von Anton Hanak und die ersten Jahre als freischaffender Bildhauer erlebte. Das weitere Werk Karl Duldigs ist unter Bedingungen mehrfacher Vertreibung und damit verbundener Neuanfänge entstanden: Die Flucht vor den Nationalsozialisten 1938 über die Schweiz in die ehemalige englische Kronkolonie Singapur und die Deportation von dort nach Australien mit anschließender Internierung brachten für Karl Duldig persönliche und künstlerische Erfahrungen mit sich, die den Biografien anderer jüdischer Exilkünstler gleichen.
Karl Duldigs Ausbildung und erste Schaffensjahre als freier Bildhauer bis 1938 fallen in eine Periode, die in der europäischen Kunstgeschichte noch immer unzureichend erforscht ist. Die Plastik der Zwischenkriegszeit ist besonders in der österreichischen Kunstgeschichte eindeutig unterrepräsentiert. Karl Duldig, einem der wichtigsten Vertreter der Bildhauerschulen Anton Hanaks und Josef Müllners wird hier einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Duldig gehörte zusammen mit seiner Frau zu jenen Künstlerpersönlichkeiten, die der Plastik in Australien im Allgemeinen zu ihrem Publikum und damit zum Durchbruch verhalfen. Duldig war nicht nur treibende Kraft in der Victorian Sculpture Society (später: Association of Sculptors of Victoria), sondern er trug auch durch seinen Unterricht im Sekundarschulbereich wesentlich zu einer Erhöhung der Akzeptanz gegenüber der vor allem europäischen Moderne bei. Die Ausstellung umfasst Werke aus allen Schaffensperioden und setzt im Wesentlichen drei Schwerpunkte: Die Hanak-Schule und die Wiener Jahre, das Intermezzo in Singapore und schließlich Duldigs Schaffen in Australien. Sie präsentiert fast ausschließlich Werke aus den in Privateigentum befindlichen Beständen des The Duldig Studio - Museum and Arts Resource Centre in Melbourne. Gezeigt werden vorwiegend Werke der Kleinplastik aus Stein, Bronze und Ton sowie ausgewählte Beispiele von Duldigs Graphik. Ergänzt wird die Schau durch Originalfotos und -dokumente.
Unter der Federführung des Jüdischen Museums Wien wird die Ausstellung nach Wien im Internationalen Kulturzentrum (ICC) in Krakau und schließlich im Victorian College of the Arts in Melbourne gezeigt.
Kurator: Peter Stasny
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
quasi una fantasia. Juden und die Musikstadt Wien
14. Mai - 21. September 2003
Der Anteil der Juden am Wiener Musikleben, sei es als aktive Künstler oder als Publikum, ist ein wesentlicher Aspekt der Geschichte der Musikstadt Wien. Dies wird anhand einiger Zahlen deutlich: 1881 geht das Ringtheater in Flammen auf. Über 900 Menschen kommen ums Leben, fast die Hälfte von ihnen ist jüdischen Glaubens. Jüdisch sind 1895 auch fast ein Drittel der Studenten in manchen Konservatoriums-Klassen. Musik ist für die Kinder der Einwanderer zu der Sprache der Assimilation geworden. Bald prägen jüdische Komponisten, Interpreten und Mäzene die Musikkultur Wiens entscheidend mit. Manche wie Mahler und Schönberg stoßen die Tür in die Moderne auf, andere wie Kálmán oder Oscar Straus schreiben mit ihren Operetten den Mythos der Musikstadt fest.
Die Festwochenausstellung beleuchtet die eingangs skizzierten Entwicklungen, zeigt aber auch die Grenzen der Musik als Sprache der Assimilation auf. Sie dokumentiert die Vertreibung und Ermordung jüdischer Musiker zwischen 1938 und 1945, fragt nach deren Schaffen im Exil und fordert zu einem kritischen Rückblick auf die Musikstadt Wien seit 1945 heraus.
Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Musikprogramm an einigen prominenten Musikhäusern (Konzerthaus, Musikverein, Arnold Schönberg Center) und im Jüdischen Museum Wien selbst, wo die Ausstellung auch nach dem Ende der Festwochen bis 21. September 2003 fortgesetzt wird.
In Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen.
Kuratoren: Leon Botstein, Werner Hanak
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Osnat Kollek-Sachs. Art + Obsession
18. November 2003 - 10. Jänner 2004
Am 18.11.1993 eröffnete der damalige Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, gemeinsam mit Helmut Zilk, dem damaligen Wiener Bürgermeister, das Jüdische Museum im Palais Eskeles. Nach 10 Jahren bringt seine Tochter, die sich als expressionistische Künstlerin einen Namen gemacht hat, persönlich eingefangene Momente aus dem Leben ihrer Eltern in das Palais Eskeles. Daneben spiegeln ihre Landschaften und Charaktere Ausschnitte der israelischen Realität wieder.
Osnat Kollek-Sachs wurde 1960 in Jerusalem geboren. Nach ihrem Militärdienst studierte sie an der Hebrew University Kunstgeschichte. Nach dem Abschluss des Studiums (“cum laude”) hatte Osnat Kollek eine Galerie in der Altstadt von Jerusalem, ehe sie für 5 Jahre Kuratorin am Israel Museum wurde. Sie studierte Malerei bei den bekanntesten Künstlern Israels, mit Schwerpunkt auf Ölmalerei. Die Mutter zweier Kinder ist mit Dov Sachs verheiratet und präsentiert nunmehr nach mehreren Ausstellungen in Israel, Europa und den U.S.A. auch in Wien einige Werke ihres umfangreichen Schaffens.
Kuratorin: Evi Fuks
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Die Galerie Miethke. Eine Kunsthandlung im Zentrum der Moderne
19. November 2003 - 8. Februar 2004
Am 18. November feiert das Jüdische Museum den 10. Jahrestag der Eröffnung der Ausstellungsräume im Palais Eskeles. Dieses Jubiläum ist Anlass für diese Ausstellung, die sich mit einem wichtigen Kapitel der Geschichte des Hauses auseinander setzt, der Galerie Miethke.
Der 1834 in Potsdam geborene Hugo Hermann Werner Ottomar Miethke gründete 1861 die Buchhandlung samt Antiquariat „Miethke & Wawra“ und wurde sehr rasch der wichtigste Händler des Ringstraßenmalers Hans Makart und war auch im Handel mit Kunst Alter Meister sehr erfolgreich. 1895 krönte Miethke seinen Aufstieg mit dem Erwerb des Palais Eskeles, wo er im Erdgeschoß zeitgenössische Kunst und im ersten Stock Werke Alter Meister zeigte.
1904 verkaufte er die Galerie nach mehr als 40-jähriger Tätigkeit an den Juwelier und Klimt-Freund Paul Bacher. Unter der neuen künstlerischen Leitung von Carl Moll etablierte sich das Haus als Zentrum des internationalen Ausstellungswesens: Werke der französischen Moderne von Monet, Manet, Cézanne, Gauguin und van Gogh standen immer wieder im Mittelpunkt der Präsentationen der Galerie, Klimt wurde exklusiv von Miethke vertreten und Schiele erhielt hier seine erste Einzelausstellung. Auch die Wiener Werkstätte wurde hier erstmals in großem Umfang vorgestellt. So wurde Miethke zur führenden Avantgarde-Galerie der k.u.k. Monarchie.
1912 übernahm der aus Galizien stammende Kunsthistoriker Hugo Haberfeld die alleinige Leitung der Galerie. Seine Aktivitäten gipfelten 1914 in einer heute kaum mehr vorstellbaren Einzelausstellung Picassos, die wie viele andere Aktivitäten der Galerie Miethke heute fast völlig vergessen ist. 1938 musste Haberfeld als Jude Österreich verlassen und emigrierte nach Paris, wo sich seine Spuren verlieren.
Anhand von Dokumenten, historischen Fotos, Katalogen, Plakaten (z.B. das Plakat der Toulouse-Lautrec-Ausstellung bei Miethke aus dem Jahr 1909) und einigen herausragenden Gemälden, die seinerzeit von der Galerie präsentiert wurden - z.B. Renoirs „Nach dem Bade“, das sich heute in der Österreichischen Galerie Belvedere befindet, oder Schieles „Sonnenblume II“ aus dem Wien Museum Karlsplatz (vormals Historisches Museum der Stadt Wien) wird ein Eindruck der Höhepunkte des Ausstellungsgeschehens in der wohl bedeutendsten Wiener Avantgarde-Galerie des beginnenden 20. Jahrhunderts vermittelt.
Kurator: Tobias G. Natter
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Kosher Nostra. Jüdische Gangster in Amerika 1890 - 1980
3. Dezember 2003 - 25. April 2004
Die bereits dritte Kunstinstallation des österreichisch-israelischen Künstlers Oz Almog, die sich mit einem in Europa wenig beachteten, düsteren Kapitel amerikanisch-jüdischer Geschichte auseinandersetzt, behandelt die Entwicklungsgeschichte des organisierten Verbrechens in den Vereinigten Staaten, die einen relevanten jüdischen Anteil hatte. Der weit verbreitete Mythos einer Dominanz der italienischen Mafia in Amerika überlagerte vor allem für das europäische Publikum die Bedeutung der Gangster jüdischer Abstammung. Doch niemand, der sich an der Geschichte der amerikanischen Mafia versucht, kann Männer wie Meyer Lansky, Benjamin „Bugsy“ Siegel, Dutch Schultz oder Louis „Lepke“ Buchalter negieren, die neben den klassischen sizilianischen „Paten“ die Geschicke der Unterwelt bestimmten.
Oz Almog erweitert seine bisher geübte Disziplin des Porträtierens von Menschen in Bildern und Worten zum beeindruckenden dokumentarischen Konzentrat einer ganzen Epoche, das gleichermaßen faszinierend und abschreckend wirkt. Ohne romantisierende Neigung stellt sich der Künstler mit dem Scharfblick des Aufklärers diesem ungeliebten Teil jüdischer Historie und beleuchtet die Akteure in all ihren Widersprüchlichkeiten, wie etwa das strategische Genie Meyer Lansky, der sich neben seinen dunklen Geschäften als herkunftsbewusster Jude immer für Anliegen seines Volkes einsetzte.
Oz Almog zeichnet in dieser Geschichte mit gemalten Porträts und ausführlicher textlicher Begleitung nicht etwa das Bild eines „sauberen Krieges“, sondern bietet durch seine umfangreiche Fotodokumentation auch ein beklemmendes Bild vom Leben und Sterben in der Unterwelt. Mit seiner Kunstinstallation „der auch..??“ Chronik einer kulturellen Obsession (400 Porträts jüdischer Persönlichkeiten, 1999) gelang Oz Almog ein Mainstream-Hit, der vom Jüdischen Museum Wien ausgehend via Israel nach Deutschland, in die Schweiz, die Niederlande und Ungarn ging. Nach der zweiten Installation Dem Morgenrot entgegen - Helden der Sowjetunion, bei der Almog von seinem Prinzip abwich, Gemälde zu einer Kunstinstallation zu gestalten, legt er nunmehr wieder eine provokative Gemäldeinstallation über prominente amerikanische Gangster jüdischer Herkunft vor, die auch von einer historischen Dokumentation begleitet wird. Diese Dokumentation wurde mit Unterstützung von „Daily News, New York“ erstellt, die den Großteil des historischen Fotomaterials aus den Archiven der Zeitung zur Verfügung stellte.
Kuratoren: Oz Almog, Erich Metz
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien






