Ausstellungen 2002

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Prinzessin Schabbat. Ausstellung zum Thema Schabbat

15. Februar - 26. Mai 2002

Schabbat ist der in der breiten Öffentlichkeit wohl bekannteste Feiertag des Judentums: Der Schabbat ist der wöchentliche Festtag, an dem der Mensch in Analogie zum Ruhetag Gottes nach dem Schöpfungsakt keinerlei Arbeit verrichten soll. Das Jüdische Museum widmet nach Ausstellungen zu Pesach, Chanukka, Sukkot und Rosch ha-Schana nunmehr dem Schabbat eine umfassende Präsentation, in deren Mittelpunkt sechs Ritualgegenstände von herausragender künstlerischer und historischer Bedeutung stehen: Sechs Bsamim-Türme, die ursprünglich in Schwäbisch Gmünd in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hergestellt wurden und von denen es weltweit nur acht Stück gibt. Die ausgestellten stammen aus Sammlungen von höchstem Rang (Gross Family Collection, Tel Aviv; Mainfränkisches Museum Würzburg; The Jewish Museum London; Museé National du Moyen Age, Paris; Jüdisches Museum Frankfurt; Det Mosaiske Troessamfund Kopenhagen).
Neben den Bsamim-Türmen sind natürlich auch all jene Ritualgegenstände zu sehen, die zu Schabbat, insbesondere zum Kiddusch und zur Hawdala, verwendet werden. Sie stammen aus dem eigenen Bestand, darunter ein großer Teil aus der Sammlung des alten Jüdischen Museums in Wien. Auch das Jüdische Museum Wien ist im Besitz eines herausragenden Bsamim-Turms: Er stammt aus Nürnberg, aus der gleichen Zeit wie jene aus Schwäbisch Gmünd und war bereits in der Sammlung des alten Jüdischen Museums.
Heinrich Heine hat dem Schabbat mit seinem Gedicht „Prinzessin Sabbath“ ein unvergleichliches Denkmal in der deutschsprachigen Literatur gesetzt. Diese Dichtung bildet den Rahmen der Ausstellung, in der man Liturgisches zum Schabbat zu hören, Kultisches zu sehen und Erklärendes zu lesen findet. Die Ausstellung ist als Rundgang durch den Wochenzyklus angelegt, um das „ewig Zyklische“ anzudeuten, dem die Woche mit ihrem immer wiederkehrenden Schabbat folgt. Sie beginnt mit der Schöpfung, also den sechs Tagen des Werkens, um dann den Schabbat, den Tag der Betrachtung dieses Werkens, also der Ruhe, genauer zu beleuchten.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

About the Dignity of Man. Ernst Eisenmayer. Leben und Werk

12. März - 16. Juni 2002

Eisenmayers Schicksal ist exemplarisch für das vieler österreichischer Juden: 1920 in Wien geboren und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, konnte er kaum die Mittelschule beenden, als die Nazis die Macht in Österreich übernahmen. Nach einem missglückten Fluchtversuch nach Frankreich wurde er festgenommen und in das KZ Dachau deportiert. Mit Hilfe von Freunden gelang es ihm, in letzter Minute ein Visum für England zu erhalten und 1939 zu emigrieren. Während des Krieges arbeitete er als Werkzeugmacher in einer Metallfabrik und konnte sich nur in seiner Freizeit mit Malerei beschäftigen. Im Exil in London lernte er auch Oskar Kokoschka kennen, von dem er wichtige Impulse für seine weitere künstlerische Entwicklung erhielt. 1946/47 studierte Eisenmayer an der Camberwell School of Art bei Victor Passmore.
Seine frühe Bilder sind geprägt von seinem Leben im Londoner Exil: Industrielandschaften aus dem London der vierziger und fünfziger Jahre, Straßenszenen, die Londoner Vorstädte und auch einige Selbstporträts. Der Öffentlichkeit präsentierte er sich erstmals 1944 in einer Gemeinschaftsausstellung über österreichische Kunst im Exil in den Räumen der “Austrian Women’s Voluntary Workers.“ 1945 organisierte Eisenmayer eine weitere Ausstellung österreichischer Künstler, an der auch Oskar Kokoschka teilnahm. Zu seinen Freunden im Umkreis der “Young Austria“ gehörten u. a. die Künstler Georg Eisler, Ernst Deutsch und Heinz Inländer sowie der Schriftsteller Erich Fried, mit dem er in Wien gemeinsam das Wasa-Gymnasium besucht hatte und mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.
Beschäftigte sich Eisenmayer zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn hauptsächlich mit Aquarellen und Ölmalerei, wandte er sich später auch der Bildhauerei zu. Er fertigte Skulpturen aus Stahl, aus Bronze sowie aus Stein. In den frühen 60er Jahren hatte er auch seine ersten großen Einzelausstellungen in Großbritannien und in den USA. 1967 fand eine Ausstellung in der Secession in Wien und 1969 in der Galerie Welz in Salzburg statt. Von 1975 bis 1988 lebte Ernst Eisenmayer bei Carrara in Italien, wo er vor allem mit Marmor arbeitete. 1988 übersiedelte er nach Amsterdam und seit 1996 lebt er wieder in Wien.
Der Mensch und sein Schicksal stehen bei Ernst Eisenmayer im Mittelpunkt. Seine Bilder und Skulpturen sind bewusste Auseinandersetzung mit Themen wie Gewalt, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Die Ausstellung zeigt eine breite Auswahl an Skulpturen, Ölbildern und Zeichnungen aus dem sehr vielschichtigen Werk des Künstlers.

Kuratorin: Gabiele Kohlbauer-Fritz

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Dem Morgenrot entgegen. Helden der Sowjetunion

12. März - 16. Juni 2002

Diese jüngste Arbeit des österreichisch-israelischen Künstlers ist ganz im Stile seiner letzen beiden Installationen („der auch..??“ und „Wiener en face“) gehalten, nur dass Almog diesmal nicht selbst die Porträts gemalt hat sondern historische Dokumente jüdischer Helden der Sowjetunion inszeniert.
Almog setzt sich in seiner Installation mit der Tatsache auseinander, dass im Zweiten Weltkrieg rund 1,5 Millionen Juden bei den Streitkräften der Sowjetunion und den Alliierten an der sowjetisch-deutschen Front, in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent, zur See und in der Luft gegen das nationalsozialistische Deutschland und seine Verbündeten kämpften. Allein in den Reihen der Roten Armee kämpften 500.000 Juden, 200.000 von ihnen ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld. In den Gefechten gegen die Wehrmacht bewiesen Tausende sowjetische Soldaten jüdischer Herkunft ihren Mut. 160.000 wurden für ihre Taten mit Orden und Medaillen ausgezeichnet. Über 150 von ihnen erhielten die höchste Auszeichnung - ihnen wurde der Goldene Stern und der Ehrentitel „Held der Sowjetunion“ verliehen. In den Kriegsjahren und nach dem Krieg kursierte unter den Antisemiten in der Sowjetunion das Gerücht, die Juden hätten nicht an der Front gekämpft, sondern im Hinterland das Kriegsende abgewartet. Die ca. 150 für diese Ausstellung ausgewählten Kurzbiografien beweisen das Gegenteil.
Der Künstler und Kurator Oz Almog gestaltet aus dem ihm zur Verfügung gestellten, spärlichen Material eine bizarre Installation voll Pathos, untermalt von dramatischer Beleuchtung und für Heldendenkmäler typischem Blumenschmuck. So entsteht ein dem Geist der damaligen Zeit entsprechendes visuelles und akustisches Panorama, eine Art “Hall of Fame”. Jüdische Helden einmal anders.

Kurator: Oz Almog

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Judaica 2002 Wien. Ausstellung des Ergebnisses des 2001 durchgeführten Wettbewerbes

20. März - 26. Mai 2002

Um die jüdischen religiösen „Gebote mit Schönheit zu umgeben„ wird seit der Antike jüdisches Kultgerät aus mehr oder weniger wertvollen Materialien nach ästhetischen Kriterien gefertigt. Die verschiedenen Ritualgegenstände werden im synagogalen Bereich zum Schmuck der Tora, im häuslichen Bereich für die verschiedenen jahreszeitfestlichen sowie individual-lebenszyklischen Anlässe gebraucht. Insofern kann die Produktion von Judaica in Europa bis 1933/38 durchaus als wirtschaftlich nicht unwesentlicher Faktor angesehen werden. Aufgrund der historischen Situation ist die Herstellung von Judaica für den europäischen Markt heute hauptsächlich auf die USA und Israel beschränkt. Eine Wiederaufnahme der Tradition der Judaica-Herstellung in Europa, die hier und da durchaus zu gewärtigen ist, braucht insbesondere in Deutschland und Österreich viel Unterstützung, viel Verständnis und viel Eigeninitiative.
Daher schrieb das Jüdische Museum 2001 einen Wettbewerb für Judaica aus, um die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema und Herstellung von jüdischem Kultgerät in Österreich wiederzubeleben. Thematisch wurde der Wettbewerb insofern eingeengt, da weniger Objekte für den synagogalen, sondern hauptsächlich für den häuslich-familiären Gebrauch zu entwerfen waren: Chanukka-Leuchter, Besamim-Büchsen, Seder-Teller und als einziges Objekt für den synagogalen Gebrauch Tora-Mäntel.
Um für die Studenten die Möglichkeit zu schaffen sich intensiv mit den Funktionen, Materialien und der Entwicklungsgeschichte dieser Gegenstände auseinander zusetzen, gab das Jüdische Museum den jungen KünstlerInnen eine intensive Einführung in die Thematik.
Die Jury des Wettbewerbs setzte sich aus Mitgliedern des Jüdischen Museums Wien und der Akademie der bildenden Künste zusammen. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von € 7994 (= ATS 110.000.-) an die jungen KünstlerInnen in den verschiedenen Kategorien vergeben. Insgesamt beteiligten sich 21 StudentInnen wobei der hohe Frauenanteil (15) auffällt.

Die ausgestellten Werke der Preisträger sind:
Chanukka-Leuchter: Elanit Leder
Tora-Mantel: Margot Pernerstorfer und Janis Tillinger
Besamim-Büchse: Judith Mues, Karin Altmann, Klaus Mayr
Gesamtkonzept: Conny Cossa

Gestaltung: Conny Cossa

Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien

Vom Großvater vertrieben, vom Enkel erforscht? Zivildienst in New York

5. Juni - 13. Oktober 2002

Diese Ausstellung ist eine Dokumentation außergewöhnlicher Begegnungen. Sie setzt sich anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Vereins Gedenkdienst# mit einer speziellen Facette dieses Projekts auseinander, die in Zusammenarbeit mit der am New Yorker Leo Baeck Institute beheimateten Austrian Heritage Collection abgewickelt wird: dem Zivildienst in New York.
Eine kleine Gruppe von jungen Österreichern, die in New York ihren Zivildienst als Gedenkdienst geleistet hatten, schlug dem Jüdischen Museum ein Ausstellungsprojekt vor, damit ihre Arbeit und die ihrer Nachfolger sowohl in Österreich als auch in New York publik gemacht und benützt wird. Es entstand ein Konzept, das in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist, denn zentrales Thema ist die Verständigung zwischen den Generationen angesichts der katastrophalen europäischen Geschichte des letzten Jahrhunderts. Im Rahmen der Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wie die junge Generation der 20- bis 30-jährigen Österreicher mit den nach 1938 aus Österreich vertriebenen Juden kommuniziert und ob diese Kommunikation erfolgreich ist. Auf einer weiteren Ebene wird in der Ausstellung auch gefragt, ob diese Form der historischen Auseinandersetzung heute zu einem Ersatz für die Kommunikation über die historischen Ereignisse mit den eigenen, nichtjüdischen Vorfahren geworden ist.
Einerseits wollen die Gedenkdienern helfen, die in Österreich verdrängte Geschichte der Vertreibung, Ermordung und Emigration der jüdischen Österreicher zu beleuchten, andererseits war es den ihnen in New York wichtig, eben nicht in einer Gedenkstätte in einem Konzentrationslager zu arbeiten, sondern in einer Stadt zu sein, in der sie lebenden Zeugen der Geschichte begegnen konnten.
So ist die Ausstellung nicht nur ein Projekt über alte bzw. ehemalige jüdische Österreicher, sondern auch über ihre Gesprächspartner, die jungen nichtjüdischen Österreicher. Sie wird vom Jüdischen Museum Wien in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, dem Nationalfonds der Republik Österreich und dem Verein Gedenkdienst organisiert. Nahezu zeitgleich wird in der Galerie des Leo Baeck Institutes ein zweiter, kleinerer Ausstellungsteil präsentiert. Die Besucherinnen und Besucher beider Ausstellungen haben die Möglichkeit, via neuer Medien auch miteinander in Kontakt zu treten, wodurch sich der Dialog in der Gegenwart fortsetzt.

Der Gedenkdienst ist eine anerkannte Ersatzform der allgemeinen Wehrpflicht in Österreich. Der Verein Gedenkdienst entsendet jährlich ca. 25 jugendliche Österreicher zu Holocaustgedenkstätten und damit verbundenen Institutionen (Holocaust Memorials and related institutions) in Europa, Amerika und Israel.

In Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York.

Kuratoren: Werner Hanak, Christian Prasser, Niko Wahl

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Ernst Epstein. Der Bauleiter des Looshauses als Architekt

30. Juni - 29. September 2002

Erstmals zeigt eine umfassende Dokumentation das Werk des heute vergessenen Architekten Ernst Epstein, der heute nur mehr einer interessierten Fachwelt zumeist nur als Bauleiter des Looshauses am Michaelerplatz ein Begriff ist. Zwischen 1906 und 1938 errichtete er in Wien rund 100 Bauten, von denen einige in der Nachfolge von Adolf Loos stehen. Zumeist waren es noble Wohn- und Geschäftshäuser sowie Villen und Industriebauten. Die beeindruckende Zahl von Bauwerken, die Zusammenarbeit mit Adolf Loos und die sich daraus in Epsteins architektonischem Werk ergebenden Folgewirkungen lenken die Aufmerksamkeit auf Leben und Werk Ernst Epsteins.
Der Verlust sämtlicher Unterlagen aus dem seinem Atelier sowie der Umstand, dass Epstein selbst nie publiziert hat, erschwert dieses Unterfangen allerdings. Speziell in den Beziehungen zu Adolf Loos und anderen Zeitgenossen lassen sich interessante Rückschlüsse auf die Tätigkeit Epsteins ziehen. Einen wichtigen Faktor bildet die Orientierung am Barock, am Klassizismus und an dessen Spielart, dem Biedermeier. Wichtig war für Epstein die Berücksichtigung bestimmter, grundlegender Gesetzmäßigkeiten wie Symmetrie, Rhythmus und Harmonie. Die Dekoration, einerlei welcher Stilrichtung sie folgte, wurde von ihm in eine logische Beziehung zur Grundstruktur der Bauwerke gesetzt. Die zum Großteil gut erhaltenen Bauwerke Ernst Epsteins, welche über ein Vierteljahrhundert Wiener Architekturgeschichte dokumentieren, belegen eindrucksvoll den ständigen Wandel vom Secessionismus zum Klassizismus, vom Barock zum Expressionismus und zur Neuen Sachlichkeit.
Durch die große Zahl seiner Bauten, rund 100, ist Epstein im Wiener Stadtbild stark präsent. All seine Bauten, die über ganz Wien verstreut stehen, und die bisher noch nie im Zusammenhang gesehen und vor allem verstanden wurden, ergeben ein gutes Bild des Baugeschehens in Wien zwischen 1906 und 1938, entstand doch der überwiegende Teil der Bauten auch in jener Zeit nach den Entwürfen von Baumeistern und nicht nach den Vorstellungen der heute als Idole angesehenen Architekten, wie Wagner, Hoffmann, Loos, Frank usw. Eine detaillierte Kenntnis über das Gesamtwerk eines guten Baumeisters wie Ernst Epstein nobilitiert die Leistungen der oben angesprochenen Architekten, deren Namen nahezu zu Synonymen für die Wiener Architektur um 1900 und der Zwischenkriegszeit wurden, und macht deren Meriten erst recht verständlich.

Kurator: Markus Kristan

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Die Welt der jüdischen Postkarten

30. Juni - 29. September 2002

Die Anfänge der Postkarte als einfach zu handhabendes, auch optische Anreize bietendes Kommunikationsmedium gehen auf den deutschen Generalpostmeister Heinrich von Stephan zurück, der 1865 seine Idee einer Briefform ohne Kuvert für kurze Nachrichten zur Postbeförderung vorstellte, aber vorerst keine Zustimmung fand. Einige Jahre später griff der Wiener Nationalökonom Emanuel Herrmann Stephans Erfindung auf und schuf die „Correspondenz-Karte“, die ab 1869 von der österreichischen Postverwaltung zum halben Briefporto befördert wurde. Ein Jahr später ließen auch die meisten deutschen Postverwaltungen Correspondenz-Karten zu und in den folgenden Jahren führten die meisten Staaten die Postkarte ein.
Die Postkarte erlebte in den beiden Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg ungeheuren Zuspruch und wurde bald zum beliebtesten Mittel schriftlicher Kommunikation über größere Distanzen. Als „jüdische Postkarten“ bezeichnen wir heute alle jene Karten, die Motive mit Bezug zum Judentum tragen. Zu den ersten Postkarten mit jüdischen Motiven zählen die um 1895 in Frankfurt am Main auf-gelegten Serien mit Reproduktionen nach Gemälden des Malers Moritz Daniel Oppenheim. Seine zwischen 1838 und 1882 entstandenen „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“ hielten eine zu Ende gehende Epoche des deutschen Judentums fest und ihre Betrachtung löste wohl nostalgische Gefühle in einer Zeit des Wandels aus. Während diese Postkarten vor allem die Interessen jüdischer Postkartensammler befriedigten, dienten die Glückwunschpostkarten zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrsfest, einem festen Zweck, nämlich den Segenswunsch „Mögest du eingeschrieben sein in ein gutes Jahr“ an Verwandte und Freunde in der Ferne zu übermitteln. Dazu zählen die Karten des Wiener Illustra¬tors Friedrich Kaskeline, aber auch Kunstpostkarten, die Gemälde zeitgenössischer jüdischer Maler wie Leopold Horowitz oder Stefan Bender reproduzieren und häufig den hebräischen Aufdruck „Le schan towa“ - „Ein gutes Jahr“ tragen.
Postkarten sind schwierige Ausstellungsexponate, weil sie nicht für Galeriewände gemacht sind, sondern eher der flüchtigen Betrachtung - am Ansichtskartenstand, bei der Durchsicht der Post oder als Wandschmuck in Küche oder Büro - dienen. Die Präsentation verzichtet deshalb auf das Ausstellen originaler Postkarten und bedient sich einer Betrachtungshilfe, die Erinnerungen an Ausflüge und Urlaubsreisen der 60er und 70er Jahre aufkommen lässt. Die kleinen, von einem Nürnberger Erzeuger seit vierzig Jahren hergestellten „Plastiskope“ in Form kleiner TV-Geräte laden den Museumsbesucher zum aktiven „Erarbeiten“ der Ausstellung ein und sollen - so hoffen wir - ein genaueres Betrachten ermöglichen

Eine Ausstellungen des Jüdischen Museums Franken in Fürth.

Kurator: Bernhard Purin

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Musik und Dichtung. Kostbarkeiten der Handschriftensammlung Stefan Zweig und Martin Bodmer

23. Oktober 2002 - 6. Jänner 2003

Ehe die wertvollen Handschriften, die zum Teil aus der Sammlung Stefan Zweigs stammten und heute in der bedeutenden Privatsammlung der Fondation Martin Bodmer in Cologny-Genève aufbewahrt werden in das neue Museum der Fondation in die Schweiz zurückkehren, hat nach Salzburg auch Wien die Gelegenheit, im Rahmen dieser Ausstellung Autographen von über 50 Persönlichkeiten der europäischen Musik- und Geistesgeschichte zu sehen. Für die Wiener Präsentation wurden zusätzlich einige Porträts und herausragende Hebraica hinzugefügt.
Die Autographen sind in folgende Bereiche gegliedert: Lieder (Ludwig van Beethoven, Alban Berg, Claude Debussy, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Arnold Schönberg, Robert Schumann, Franz Schubert, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Anton von Webern), Oper und Oratorium (Georges Bizet, Franz Liszt, Giacomo Puccini, Alessandro Scarlatti, Richard Strauss, Richard Wagner) sowie Drama, Lyrik und Prosa (Honoré de Balzac, Sigmund Freud, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin, Hugo von Hofmannsthal, Johann Nestroy, Friedrich Nietzsche, Romain Rolland, Friedrich von Schiller, Georg Trakl, Stefan Zweig). Eine besondere Rarität bildet auch ein kurzer Redetext Napoleons an seine Soldaten. Ein weiterer Ausstellungsbereich beinhaltet Porträts, die u.a. Johannes Brahms, Claude Debussy, Franz Grillparzer, Gustav Mahler, Jean Jacques Rousseau oder auch Hugo Wolf zeigen. Hinzu kommen noch ein kleiner Bereich mit Instrumentalmusik mit Werken von Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, Gaetano Donizetti und Gustav Mahler und ein weiterer, der ausschließlich Wolfgang Amadeus Mozart gewidmet ist.
Unter den hebräischen Handschriften, die zuvor nicht im Salzburger Museum Carolino Augusteum gezeigt wurden, findet sich eine Auswahl außergewöhnlicher Hebraica, die selbst erfahrene Judaisten in Erstaunen versetzen: Da findet sich eine Terrakotta-Schale mit jüdisch-magischer Schutz-Inschrift in Aramäisch-Syrisch, die um das Jahr 500 in Nippur angefertigt wurde. Außergewöhnlich ist auch eine Pesach Haggada, die um 1470 von Joel ben Simeon für eine deutschsprachige Gemeinde in Italien geschrieben und reich illustriert wurde. Hinzu kommen lateinische Handschriften auf Pergament mit Texten von Josephus Flavius aus dem 9. Jahrhundert sowie äußerst seltene Drucke des aus Cordoba stammenden Schriftgelehrten Moses Maimonides aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die Mischne Tora ist auf Arabisch in hebräischen Buchstaben mit lateinischer Übersetzung gedruckt.

KuratorInnen: Bibliotheca Bodmeriana, Carolino Augusteum Salzburg, Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Eine Nacht und ein Tag. Eine Ausstellung zum 9./10. November 1938 in Wien

10. November - 28. November 2002

„Diese Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen das Vergessen“, sagte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Ariel Muzicant, bei der Eröffnung.
Am 7. November 1938 beging der 17-jährige Herschel Grynspan aus Verzweiflung darüber, dass seine Eltern von der Gestapo aus Deutschland ausgewiesen und an die polnische Grenze gestellt worden waren, ein Attentat auf den Dritten Sekretär an der Deutschen Gesandtschaft in Paris, Ernst vom Rath. Dieser erlag seinen Schusswunden am 9. November, was Hitler wenig später erfuhr.
Goebbels nützte den Anlass, um bei einem Treffen der „alten Kämpfer“ in München am Abend desselben Tages „Sühne“ zu fordern. Innerhalb weniger Stunden inszenierte er in Deutschland und Österreich der Novemberpogrom, der unter der Bezeichnung „Reichskristallnacht“ in die Geschichte einging. Innerhalb von 24 Stunden wurden allein in Wien 42 Synagogen zerstört, 4000 Geschäfte jüdischer Inhaber geplündert und gesperrt, tausende Wohnungen beschlagnahmt und 6547 Juden inhaftiert, von denen 3700 ins Konzentrationslager Dachau verschickt wurden. Nicht nur politisch, auch stadtgeschichtlich, geistesgeschichtlich und individualgeschichtlich markieren diese 24 Stunden den Anfang vom Ende des jüdischen Wien.
Mit dieser Ausstellung präsentiert das Jüdische Museum das Protokoll dieser 24 Stunden in einer Installation, die auch die zerstörten materiellen Überreste Wiener jüdischen Kulturgutes beinhaltet.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien