Ausstellungen 2000

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möcht’ ich ein Österreicher sein. Judaica aus der Sammlung Eisenberger

9. Februar - 30. April 2000

Die heute bedeutendste Privatsammlung von Judaica aus der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde vom Sammlerehepaar Vera und Jenö Eisenberger zusammengetragen. Sie bildet ein Kernstück der Sammlung, die österreichische Kunst ebenso beinhaltet wie zeitgenössische Kunst aus Israel. Das Jüdische Museum Wien nimmt den Beginn des neuen, zehnten Ausstellungsjahres zum Anlass für eine Präsentation herausragender Stücke aus der Judaica-Sammlung und einer Auswahl zeitgenössischer israelischer Kunst
„Wir sammeln Österreich“ ist die Maxime, nach der das Ehepaar Eisenberger seine Kunstsammlung zusammengestellt hat. Der Antrieb dazu war die Liebe zu ihrer Wahlheimat mit einem starken Rückgriff auf die Zeit der k.u.k.-Monarchie. Die Eisenbergers waren dabei immer bestrebt, auch außerhalb des Sammler-Mainstreams tätig zu werden bzw. unerschlossene Felder zu entdecken. So entstand nicht nur eine beachtliche Sammlung bildender Kunst, sondern auch von Kunsthandwerk und Gebrauchsgegenständen aus Silber wie Samoware oder Schnupftabak- und Zuckerdosen.
Historische Judaica wurden in Österreich bis vor wenigen Jahren nur von wenigen Einzelpersonen geschätzt und erworben. Heute gilt dieser Teil der Sammlung Eisenbergers als einer der bedeutendsten in privater Hand. Dabei war und ist niemals der materielle Wert der einzelnen Gegenstände vorrangig, sondern nur der ästhetische oder der historische Reiz, der darüber entscheidet. Jenö Eisenberger vergleicht sich als Sammler durchaus mit einem Künstler: für beide stehen Kreativität und Individualität an erster Stelle. Bei den Judaica kommt das Bewusstsein für die jüdische Geschichte hinzu, die es zu tradieren gilt. Da das Judentum ein integrativer Bestandteil österreichischer Kultur ist, verbinden sich in den Judaica jüdische und österreichische Kultur.
Die Konstante innerhalb der Sammlung Eisenberger ist somit eng mit der österreichisch-ungarischen Familiengeschichte verbunden. Immer wieder erinnert Jenö Eisenberger an den gesellschaftlichen Aufschwung, den das Judentum im Vielvölkerstaat unter der Regentschaft von Kaiser Franz Joseph vollbringen konnte. Zu den wenigen erhalten gebliebenen jüdischen Zeugnissen zählen heute die rituellen Gegenstände, die den Nationalsozialismus überdauert haben. Bei internationalen Auktionen tauchen immer wieder kostbare Stücke auf, die mitunter einer mühevollen Restauration bedürfen, um im alten Glanz zu erstrahlen.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Chaim Soutine. Ein französischer Expressionist

8. März - 4. Juni 2000

Chaim Soutine zählt neben Marc Chagall und Amedeo Modigliani, mit dem er eng befreundet war, zu den bedeutendsten Vertretern der Ecole de Paris. 1893 in Smilowitschi, Litauen, geboren, ließ er die beißende Armut des Stetls zurück, um ab 1913 in Paris Malerei zu studieren. Zehn Jahre später gelang der künstlerische Durchbruch, als der amerikanische Millionär und Sammler Albert Barnes das Atelier des bis dahin völlig unbekannten Soutine leer kaufte und den Maler zum Tagesgespräch machte.
Auf Anraten seines Galeristen Leopold Zborowski hielt sich Soutine 1919 bis 1922 in Ceret auf, wo in der kleinen Pyrenäenortschaft eine in der Kunst des 20. Jahrhunderts einzigartige Landschaftsserie voller Expressivität und wilder Farben entstand. Ab Mitte der zwanziger Jahre malte Soutine die berühmten Bilder geschlachteter Ochsen, die unter der Wucht der Pinselhiebe noch einmal aufzuzucken scheinen. Einzelausstellungen ab 1927 in Frankreich und in der Folge besonders in den USA machten Soutine international bekannt. Nach der Besetzung Frankreichs durch Hitlerdeutschland wurde Soutine als Jude verfolgt, musste sich verstecken und starb unter dramatischen Umständen nach einer zu spät erfolgten Magenoperation 1943.
In Österreich ist Soutine kaum bekannt. Er ist hierzulande in keiner Sammlung vertreten und war in Wien noch nie Gegenstand einer Ausstellung. Grund genug für das Jüdische Museum Wien, dieses Versäumnis nachzuholen und Soutine anlässlich des 10jährigen Gründungsjubiläums des Museums mit einer umfassenden Präsentation zu würdigen. Mehr als vierzig herausragende Arbeiten aus allen für Soutine zentralen Schaffensgebieten (Landschaft, Stilleben, Porträt) werden vorgestellt. Ihnen gegenübergestellt sind einige Arbeiten des österreichischen Malers Jean Egger (1897-1934), ein Zeitgenosse Soutines, der stilistisch eng mit dem Franzosen verwandt ist. Der umstrittene Aktionist Hermann Nitsch ist mit einigen Ochsenbildern vertreten, die Soutine als frühe Referenzfigur ausweisen.

Kurator: Tobias G. Natter

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Style and Humor. Lucie & Paul Peter Porges

31. Mai - 17. September 2000

Lucie und Paul Peter Porges kamen in den Jahren 1926/27 im Sanatorium Lucina in Wien-Favoriten zur Welt gekommen. Mit zwölf Jahren flüchteten sie aus Österreich. 1945, nach einer mehrjährigen Verfolgungsjagd durch Europa, lernten sie sich auf der Kunstakademie in Genf kennen.
Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien zeigt die Werke von der Modedesignerin Lucie Porges und vom Cartoonisten Paul Peter Porges. Und sie erzählt von zwei Flüchtlingen und Kosmopoliten zwischen der Wiener Vorstadt und der New Yorker Upper West Side.
Paul Peter Porges begann in den frühen 50er Jahren in New York für die Saturday Evening Post zu zeichnen und avancierte dort bald zum meistgedruckten Künstler. Einige Jahre später schaffte er die Aufnahme in den Olymp der amerikanischen Cartoonisten, in den New Yorker. Als einziger der dort vertretenen Künstler erlaubte sich Porges einen Spagat, der es ihm ermöglichte, sowohl seinem sophisticated mind zu frönen als auch seine kindliche Liebe zum Zeichnen auszuleben. Neben dem intellektuellen New Yorker belieferte er auch über 25 Jahre lang das jugendliche Mad Magazine, das auf der ganzen Welt mehrere Generationen von Teenagern begleitet hat.
Lucie Porges lernte die Haute Couture bei mehreren Pariser Couturiers in den Nachkriegsjahren. 1951 fing sie an, bei Pauline Trigère, New Yorks einzigem französischen Modehaus zu entwerfen. „Trigère ist eine Wegbereiterin in der Modebranche, die europäisches Flair und europäische Kunstfertigkeit auf den New Yorker Markt gebracht hat“ (Lifestyles). Lucie Porges avancierte bei Trigère zum Artist in Residence. Sie war die Zeichnerin und Entwerferin. Lucie Porges: „Ich fühlte mich wie eine Künstlerin in einem Gastatelier. Ich hatte nicht die finanziellen Sorgen einer Geschäftsführung.“ Bernadine Morris, Modejournalistin der New York Times, erinnert sich: „Sie waren ein Team. Die Spezialität von Pauline Trigère waren üppig-luxuriöse Abendkleider. Lucie konzentrierte sich eher auf Kleidung für untertags mit einem ungezwungenen, jüngeren Flair.“

KuratorInnen: Werner Hanak, Petra Bacher, Gerhard Treml

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Ein gutes und süßes Jahr. Ausstellung zum Thema Rosch ha-Schanah

27. September - 29. Oktober 2000

Das Neujahrsfest, oder „Tag der Weltschöpfung“ genannt, ist ein rein religiöses Fest am 1. Tischri, in dem Gott als Behüter und als Richter der Welt gefeiert wird. Es ist kein Fest, das auf einen historischen Ursprung zurückzuführen ist. Dieses Fest wird gefeiert, um die Heiligkeit, das Spirituelle, die Gewissenserforschung sowie die Moral jedes einzelnen zu fördern, zu erkunden und zu erfragen. Diese Zeremonie wird von allen Juden zwei Tage lang zelebriert, von orthodoxen Juden über konservative Glaubensmitglieder, bis hin zu den Reformjuden, welche jedoch nur einen Tag feiern. Die nun folgende zehntägige Phase der Reue, Einkehr und Selbstbesinnung findet ihren Höhepunkt am Versöhnungstag Jom Kippur.
Rosch ha-Schanah beginnt mit dem Kol-Nidre-Gebet am Anfang des Abendgottesdienstes am Vorabend in der Synagoge. Während dessen bereiten die Frauen zu Hause ein besonderes Abendessen vor. An diesem Tag ist in der Vorstellung der Juden die Welt erschaffen worden. Sie haben Ehrfurcht vor Gott, dem Schöpfer, sie beten am Rosch ha-Schanah in ganz besonders ergebener Weise zu ihm. „Heilig, heilig, heilig ist der Schöpfer aller Kreatur…“ Das ist der Anfangsvers des Hauptgebetes an diesem Abend. Mit dem Beginn des neuen Jahres spricht man über Wünsche und Träume, die sich erfüllen sollen. Nach dem Gottesdienst gehen die Gemeindemitglieder nach Hause und feiern im familiären Kreise ein Festmahl, bei dem ganz bestimmte Sitten und Bräuche eingehalten werden. So zum Beispiel werden Apfelstückchen in Honig getaucht. Dies ist das Symbol für die erhoffte gute Zeit und die Süße des neuen Jahres. Die Challa, ein rundes Gebäck stellt die Verknüpfung von Zukunft und Vergangenheit dar und symbolisiert zugleich den Rhythmus eines Jahres als Kreislauf, in dem alles gelingen möge und in dem es an nichts fehlen soll. An Rosch ha-Schanah wird auch der Schofar, ein Widderhorn, geblasen. Es ist zum einen Ausdruck der Huldigung von Gottes Königtum, zum anderen wird mit diesem Brauch an die Zeit der Erzväter erinnert. Viele fromme Juden bleiben die Neujahrsnacht über wach.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Ludwig Hirschfeld-Mack. Bauhäusler und Visionär

14. Juni - 22. Oktober 2000

Ludwig Hirschfeld-Mack (1893-1965), dessen vielfältigem Werk diese erste Gesamtschau gewidmet ist, war einer der wichtigsten Vertreter der jüngeren Generation am Weimarer Bauhaus. Durch die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg geprägt, erweiterte er die Sozialutopie des Bauhauses zu seiner spiritualistisch-universalistischen Vision eines künftigen Weltfriedens. Er stand mit diesem Ansatz Bauhauskünstlern wie Wassily Kandinsky, Johannes Itten, Paul Klee und Lyonel Feininger nahe.
Hirschfeld-Mack war als Geselle der Kunstdruckerei des Bauhauses maßgeblich an dessen Grafik-Editionen beteiligt. Ein von ihm 1922/23 initiiertes Farbenseminar etablierte sich rasch als vielbeachtete Diskussionsrunde. Es fand seinen praktischen Niederschlag v.a. in den „Farbenlichtspielen“, die Hirschfeld-Mack als bedeutenden Avantgardisten des bewegten Bildes ausweisen. Eine Apparatur zur Aufführung der „Farbenlichtspiele“ wurde für die Ausstellung rekonstruiert.
Der Sohn eines jüdischen Lederwarenfabrikanten aus Frankfurt am Main musste 1936 nach England emigrieren. 1940 wurde er als „feindlicher Ausländer“ nach Australien deportiert. Aus der Internierung entlassen, entwickelte er sich zu einem der einflußreichsten Kunstpädagogen Australiens. Von ihm für die pädagogische Arbeit entworfene Musikinstrumente finden in unserem breitgefächerten museumspädagogischen Programm Verwendung.

Eine Gemeinschaftsproduktion des Museums für Moderne Kunst Bozen (Museion), des Jüdischen Museums Wien und des Jüdischen Museums Frankfurt.

Kurator: Peter Stasny

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

„… und Rachel war schön.“ Abel Pann’s Bilder zur Bibel

27. September - 3. Dezember 2000

Einem Wegbereiter der zionistisch-israelischen Kunst ist diese Werkschau gewidmet: Abel Pann. Der heute außerhalb Israels weitgehend in Vergessenheit geratene Künstler wurde 1883 als Abba Pfeffermann in Kreslawska in Lettland als Sohn eines Rabbiners geboren. Der Vater zeigte sich den malerischen Ambitionen seines Sohnes gegenüber offen und ermöglichte ihm, beim berühmten jüdischen Künstler Yehuda Pen Unterricht zu nehmen. Seine weitere künstlerische Prägung erhielt er in Paris, wo er ab 1903 bei Adolphe William Bouguereau in der Académie Julian studierte. Erst betätigte er sich als Salonmaler, der sich mit kleinformatigen Ölbildern von „Belle Époque Damen“ einen Namen machte. Er arbeitete auch als Karikaturist für die satirischen Magazine „Mon Dimanche“ und „Le Rire“. 1913 unternahm er seine erste Palästinareise und unterrichtete in der „Bezalel“- Kunsthochschule. Dabei entstanden seine zeichnerischen Studien der „Jerusalemer Typen“ und der palästinensischen Landschaft. 1914 kehrte er nach Paris zurück, um seine endgültige Übersiedlung nach Jerusalem vorzubereiten. Der Beginn des Ersten Weltkriegs vereitelte diese Pläne.
Nachrichten über Pogrome an russischen Juden animierten ihn zu einem Zyklus über das Leiden der russischen Juden. Dieser Zyklus „Der Tränenkrug“ machte ihn in weiten Kreisen bekannt als Künstler mit außergewöhnlicher menschlicher Anteilnahme an Not und Elend des Volkes. Einige Blätter aus diesem Zyklus sind auch in der Ausstellung zu sehen. 1920 ließ er sich endgültig in Jerusalem nieder, wo er mit seinem Hauptwerk - der Illustration der Bibel - begann. In der technisch schwierig zu beherrschenden Pastellmalerei gestaltet er seine Illustrationen der biblischen Geschichten. Er betrachtet die biblischen Erzählungen realistisch, und die Menschen und Landschaften sind jene des Orients, so wie er sie in seiner Umgebung sehen konnte. Unverkennbar sind aber auch die Vorbilder der Schule Bouguereaus, der Salonmalerei und des Orientalismus des 19. Jahrhunderts. Der bürgerliche Blick auf den Orient, der von exotisch-erotischen Haremsvorstellungen geprägt war, schimmert immer wieder durch. Schwarze Locken, Mandelaugen und „Lippen wie Rosen“, das sind die Gemeinsamkeiten seiner Darstellungen von biblischen Frauen. Der Erfolg in Europa blieb ihm nicht versagt und Felix Salten widmete ihm 1925 anlässlich einer Einzelausstellung in der Wiener Secession eine hymnische Kritik.
In der Ausstellung werden herausragende Werke aus allen Schaffensperioden Abel Panns gezeigt und geben somit dem österreichischen Publikum die Möglichkeit, sich mit den Anfängen der israelischen Kunst auseinanderzusetzen.

Kuratoren: Oz Almog, Gerhard Milchram

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Zwischen Ost und West. Galizische Juden in Wien

7. November 2000 - 18. Februar 2001

Diese Schau setzt sich mit jenen Juden auseinander, die aus den nordöstlichen Gebieten der k.u.k. Monarchie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in die Reichs- und Residenzhauptstadt Wien strömten, weil sie sich hier bessere Lebensbedingungen und größere Chancen versprachen als in ihrer alten Heimat. Galizien hieß diese Region, aus der auch der bedeutende altösterreichische Dichter Joseph Roth stammt, der seinen Landsleuten in seinem Werk „Juden auf Wanderschaft“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Heute gehört der westliche Teil des einstigen Galiziens zu Polen, der östliche zur Ukraine.
Mehr als 10 Prozent der Bevölkerung Galiziens waren Juden, die unter den österreichischen Herrschern Maria Theresia und Joseph II. zahlreiche Beschränkungen erdulden mussten. Erst 1867 erfolgte ihre rechtliche Emanzipation, was jedoch nicht viel an der bedrückenden wirtschaftlichen Situation eines Großteils der galizischen Juden änderte. In der Folge wanderten viele galizische Juden in den Westen nach Wien, Berlin, Paris und nach Amerika aus. Die Vorstellung von Wien war für viele galizische Juden von irrealen Erwartungen erfüllt. Wien galt ihnen als Tor zur Welt, die sich von dem von Diskriminierungen und Armut geprägten Alltag in Galizien abhob, und wo sich all ihre Wünsche von einem besseren und gerechteren Leben erfüllen sollten.
Die Ostjuden wurden von den Wienern jedoch keineswegs mit offenen Armen aufgenommen. Durch ihre jiddische Sprache, die man in Wien abfällig „Jargon“ nannte, und ihre nach außen getragene Religiosität, vor allem ihre Tracht - Kaftan und Schläfenlocken -, waren sie für die Antisemiten ein Stein des Anstoßes, aber auch viele alteingesessene Wiener Juden fühlten sich durch ihre Glaubensgenossen aus dem Osten in ihren Assimilationsbestrebungen bedroht. Im Gegensatz zum Negativstereotyp des Ostjuden konstruierten einige jüdische Intellektuelle ein positives Klischeebild von den Ostjuden als Träger jüdischer Authentizität. Auch der heutige Blick auf die „versunkene Welt des Ostjudentums“ ist oft von einer nostalgischen Sichtweise geprägt, die auf eine Romantisierung ostjüdischer Kultur hinausläuft.
In der Ausstellung werden die mannigfaltigen Beziehungen zwischen Galizien und Wien dargestellt, in denen sich der grundsätzliche Konflikt zwischen Ost- und Westjudentum spiegelt. Bilder und Gegenbilder und Mythen über den jeweils „anderen“ werden einander gegenübergestellt. Gezeigt werden die verschiedenen religiösen, kulturellen und politischen Strömungen, die das galizische Judentum geprägt haben: der Chassidismus, die Haskala, der jüdische Nationalismus, der Zionismus, die jüdische Arbeiterbewegung, die Loyalität gegenüber der österreichisch-ungarischen Monarchie, die jiddische Kulturbewegung, aber auch die Affinität zur deutschen und polnischen Kultur. Glanzstück der Ausstellung ist neben dem Gemälde Samuel Hirszenbergs „Die schwarze Standarte“ - das Gemälde aus dem Jewish Museum New York ist das Plakat- und Foldersujet - ein besonders kostbarer Toravorhang aus dem Privatbethaus des Sadagorer Rebben in Wien, den dieser aus Galizien nach Wien mitgebracht hatte und der 1938 von den Nazis konfisziert worden war. Weiters sind auch einige Stücke aus dem alten Wiener Jüdischen Museum zu sehen, das 1938 von den Nazis geschlossen wurde.

Kuratorin: Gabriele Kohlbauer-Fritz

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Die Welt der Ili Kronstein. Eine Entdeckung

13. Dezember 2000 - 25. März 2001

Die Künstlerin Ili Kronstein teilte das Schicksal vieler österreichischer Kulturschaffender jüdischer Herkunft, die 1938 nach wochenlanger Gestapo-Haft aus Wien nach Liechtenstein flüchtete und durch die nationalsozialistische Verfolgung in Vergessenheit geriet. Sie war in Begleitung ihrer beiden Töchter, als sie nach Vaduz reiste, wo ihr Ehemann in weiser Voraussicht schon vor 1938 eine Apotheke gegründet hatte. Die 1897 geborene Itten-Schülerin, die in der Wiener Innenstadt ein Atelier besessen hatte, blieb aber nur kurz, denn sie tat einen für eine Emigrantin ungewöhnlichen Schritt, indem sie ihren Mann und ihre Töchter zurückließ und sich in kargen Verhältnissen in einem Dorf in der Nähe von Nizza niederließ, um ihre künstlerische Entwicklung voranzutreiben.
Diese Trennung von ihrer Familie wurde von ihr bewusst gesetzt und leitete eine Phase intensiven künstlerischen Schaffens ein, die von 1939 bis 1942 dauern sollte. Erst als 1942 eine nicht zu identifizierende Krankheit ihren Körper zu lähmen begann und sie nicht mehr malen konnte, ging sie zurück zu ihrer Familie nach Vaduz. Ili Kronstein starb sechs Jahre später, in denen sie ihren Körper nicht mehr bewegen konnte, im Geist aber hellwach war, in der Nähe von Zürich an Multipler Sklerose. Von Ili Kronsteins Werk ging viel in den Jahren der Flucht verloren. Einen Nachlass von etwa 120 Zeichnungen und Pastellen rettete ihre Tochter Nora Kronstein von Liechtenstein über England nach Israel. 1997 schenkte Nora Kronstein zusammen mit ihrer Schwester Gerda Lerner den Nachlass dem Wiener Jüdischen Museum.
Dies gab auch den Anstoß zu einer Ausstellung, in der die vier intensiven Schaffensjahre Ili Kronsteins im Mittelpunkt stehen. Gezeigt werden etwa 70 Zeichnungen und Pastelle, begleitet von einer Dokumentation über das hervorragende pädagogische Werk der Künstlerin. Ihr Mal- und Zeichenkurs, den sie in der Tradition ihres Lehrers Johannes Itten gestaltete, wird in einer Audio-Installation in die Ausstellung integriert.

KuratorInnen: Werner Hanak, Elke Doppler

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Vater des Lichts. Bilderzyklus von Eva Flatscher

21. Dezember 2000 - 31. Jänner 2001

Der präsentierte Bilderzyklus zeigt in abstrakter Bildsprache den historischen Inhalt der Makkabäer-Aufstände, die ja symbolhaft für den geistigen und physischen Kampf als Ganzes stehen (Gott und Nation sind eins).
Es geht um Fremdherrschaft, Unterdrückung, Entweihung und schließlich um den Reinigungsprozess. Vorallem aber um das Licht: Gott Vater ist das Licht in der Fülle seiner Bedeutung.
Wesentliche Elemente der gezeigten Arbeiten sind die geistigen Gesetzmäßigkeiten, die sowohl für das Judentum als auch für das Christentum gelten. Also deren Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.
Natürlich unterstreicht der Bilderzyklus die farbliche Vielfältigkeit der Harmonien, vollzieht musikalische Gefühlsäußerungen nach.
Der Bilderzyklus bestehend aus 20 Werken von Eva Flatscher zu dem Jazzoratorium EVERSMILING LIBERTY von Jens Johansen und Erling Kulberg, frei nach Georg Friedrich Händel.

Gestaltung: Eva Flatscher

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien