Jüdisches Museum der Stadt Wien. Aus der Judaica-Sammlung Max Berger
8. März - 8. Oktober 1990
Der schöne Thoramantel aus dem Jahre 1906 trägt auf blauem Samt gestickt die hebräische Inschrift „Zu Ehren des Ewigen und seiner Thora, Heilige Gemeinde Wien im Jahre 666 der kleinen Zeitrechnung.“ Der Thoramantel dient zur Umhüllung der Thorarolle, das sind die auf Pergament geschriebenen fünf Bücher Mose und zugleich die heiligsten Gegenstände der jüdischen Religion. Diese Widmung und Selbstbezeichnung der „Heiligen Gemeinde Wien“ stehen als Zeugnis der Geschichte für die Jüdische Gemeinde in Wien.
Die Ausstellung wird mit Leihgaben der Judaica-Sammlung Max Berger, der bedeutendsten Privatsammlung jüdischer Kultobjekte in Österreich, gestaltet.
Anhand qualitätsvoller Kultgegenstände, Graphiken, Gemälde und Plastiken, Medaillen und Münzen, Handschriften sowie kunstgewerblicher Arbeiten jüdischer Meister soll ein Einblick in jüdisches Leben, in Religion und Kultur geboten werden. Zentrum der Darstellung ist Wien als vielfach bedeutende Stadt für das Judentum, wo verschiedene Riten und Gebräuche aufeinander trafen. Hier gab es Orthodoxe und Neologen, eine große aschkenasische (deutsche) und eine kleine sephardische (spanische bzw. türkische) Gemeinde; von hier aus ging Theodor Herzl seinen Weg und hier gibt es nach Morden und Austreiben durch die Nationalsozialisten wiederum eine kleine hoffnungsvolle Gemeinde.
Wien ist nicht nur die geliebte Heimatstadt eines Sammlers, Herrn KR Max Berger, sondern auch der Entstehungsort eines Großteils seiner Sammlungsgegenstände.
Ziel der Ausstellung und der begleitenden Dokumentation soll es sein, anhand der Sammlung Berger jüdische Religion und jüdische Kunst in Wien kennenzulernen, um unsere jüdischen Mitbürger zu verstehen und so durch die „Darstellung der Wahrheit der jüdischen Welt“ (Martin Buber) zur Überwindung des Antisemitismus beitragen zu können.
Kurator: Karl Albrecht-Weinberger
Provisorium Seitenstettengasse
Seitenstettengasse 4
1010 Wien
Unser einziger Weg ist Arbeit. Warteraum des Todes. Das Ghetto in Łódź 1940 - 1944
3. August - 7. Oktober 1990
Das Ghetto von Łódź mit seinen zunächst 160 000 Menschen stand im Schnittpunkt widersprüchlicher Interessen. Wie kaum an einem anderen Ort hat sich hier die nationalsozialistische Politik der Verfolgung und Vernichtung mit der Ausbeutung und Produktion für den Eroberungskrieg, der Bereicherung und Karriere Einzelner zu einem Teufelskreis verbunden, in dem jede rationale Gegenstrategie der Opfer sich schließlich gegen sie selber wenden sollte. Von der deutschen Ghettoverwaltung zu einem gigantischen Produktionsbetrieb ausgebaut, der Millionen von Ausrüstungsgegenständen für die Wehrmacht, Bekleidung für Josef Neckermann und Alsterhaus Hamburg, Schuhe für die Fränkischen Schuhfabriken, Bauplatten, Möbel und vieles andere mehr produzierte, diente es als „DezimierungsGhetto“ vor allem einem: der Vernichtung der europäischen Juden.
Fast zur Gänze von der Außenwelt abgeschnitten, war seine Versorgung vollkommen von den Deutschen abhängig. Das Ghetto war konfrontiert mit einer schrittweise eskalierenden Strategie der Verfolgung, die in einem Vernichtungsprogramm endete, das ohne Beispiel in der Geschichte ist.
Als das Ghetto 1940 in einem ehemaligen Elendsviertel von Łódź von den deutschen Behörden eingerichtet wurde, hatte man an eine „Übergangslösung“ gedacht. Aber auch nach den Deportationen von 70 000 Juden und 50 000 Sinti und Roma, die 1942 ermordet wurden, arbeiteten im Ghetto noch mehr als 80 000 Menschen, bedroht durch Hunger und Krankheiten, deutsche Willkür und Gewalt.
Im August 1944 wurde Łódź als letztes Ghetto in Polen liquidiert. Mehr als 60 000 Menschen wurden nach Auschwitz deportiert. Als die Rote Armee am 19. Jänner 1945 Łódź befreite, lebten nur noch 877 Juden im Ghetto - das sogenannte Aufräumkommando.
Die deutsche Ghettoverwaltung, ehrenwerte Beamte und Geschäftsleute im Dienste des Oberbürgermeisters der in „Litzmannstadt“ umbenannten Stadt sorgte vier Jahre lang für den ordentlichen Ablauf der „Vernichtung durch Arbeit“. Wie in anderen Ghettos setzte die deutsche Besatzungsmacht auch in Łódź einen „Judenrat“ ein, dem der „Älteste der Juden in Litzmannstadt Ghetto“, Mordechai Chaim Rumkowski (1877-1944), vorsaß.
Die im Ghetto Eingesperrten mussten für die Kosten ihres Lebensunterhalts selbst aufkommen. Während dies in den ersten Monaten zunächst durch den Zwangsverkauf und Raub der oftmals letzten Wertgegenstände der jüdischen Bevölkerung geschah, entstanden in den Jahren von 1940 bis 1944 im Ghetto insgesamt 86 Fabriken, die mit jüdischen Zwangsarbeitern für die Wehrmacht und private Unternehmen produzierten. Mit seiner umstrittenen Politik der bedingten Kooperation unter der Parole „Unser einziger Weg ist Arbeit“ versuchte Rumkowski, die eingesetzten jüdischen Arbeitskräfte für die deutschen Behörden unentbehrlich werden zu lassen. Trotz seiner Bemühungen herrschten im Ghetto jedoch Bedingungen, die während der vier Jahre und acht Monate seiner Existenz zum Tode von fast einem Viertel seiner Bewohner führten.
In Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus.
Künstlerhaus
Karlsplatz 5
1010 Wien
Kafkas Prag
18. Oktober - 31. Dezember 1990
Diese Ausstellung ist die erste ihrer Art im Beth Hatefuthsot und erzählt die Geschichte eines außergewöhnlichen Schriftstellers, der einen unvergesslichen Beitrag zur Weltliteratur geleistet hat. Kafkas Geschichte wird vor dem Hintergrund seiner Geburtsstadt Prag dargelegt, einem Treffpunkt östlicher und westlicher Kulturen. Das ist eine Stadt, in der alte jüdische Gemeinden umgeben von einem intellektuellen Klima blühten, die jüdische Denker und Künstler hervorbrachte, die auf unauslöschliche Weise das Zwanzigste Jahrhundert prägten.
Die von Fotografen Jan Parik vorbereitete und zusammengestellte Ausstellung unterteilt sich in folgende Abschnitte: Kindheit, Studienjahre, Erwachsenenalter und Letzte Jahre.
Pariks Kamera fängt die Landschaft ein, die Kafka umgeben hatte. Sie bietet dem Betrachter eine Ahnung jener einzigartigen Atmosphäre der Stadt Prag, der Kirchen, Türme, Brücken, Alleen - aber ebenso der endlosen Gänge der Amtsgebäude.
Neben diesen 100 außergewöhnlichen Fotos wird auch dokumentarisches Material aus verschiedenen Quellen gezeigt, unter anderem Erstausgaben und persönliche Erinnerungsstücke an Franz Kafka.
In Zusammenarbeit mit dem Beit Hatfutsot Museum.
Provisorium Seitenstettengasse
Seitenstettengasse 4
1010 Wien






