Vorschau 2009 & 2010
Eugenie Schwarzwald
Wohltun und Sichwohltun
24. November 2010 bis März 2011Die aus Galizien stammende Eugenie Schwarzwald (1872 - 1940) gehörte zu den faszinierendsten Frauen ihrer Generation. Sie setzte ihre gewinnende Persönlichkeit und ihre unerschöpflichen Energien für Reformpädagogik, insbesondere Mädchenschulen, sowie für Sozialarbeit wie Gemeinschaftsküchen und Ferienkolonien ein. Gleichzeitig trat "Fraudoktor" als Journalistin hervor und führte den in vielerlei Hinsicht progressivsten Wiener Salon ihrer Zeit. Als Erste in Österreich gründete sie eine koedukative Volksschule, der lebensnahe Unterricht verlief repressionsfrei. Schwarzwald wollte eine "Schule der Freude" leiten, "Langeweile ist Gift" war ihr Motto. Durch ihre Kontakte zu Künstlern und Vordenkern der Moderne engagierte sie hierfür auch Adolf Loos, Hans Kelsen, Helmuth James von Moltke, Arnold Schönberg und Oskar Kokoschka. Die Schulaufsichtsbehörde befand jedoch, dass "Genies im Lehrplan nicht vorgesehen sind". Zu ihren Schülerinnen zählten berühmte Frauen wie Alice Herdan-Zuckmayer, Elisabeth Neumann-Viertel, Hilde Spiel, Helene Weigel-Brecht und Emmy Wellesz. Erst nach 1918 wurden viele ihrer Initiativen in der Schulreform des Wiener Stadtrats Otto Glöckel übernommen. Nicht nur in Wien, auch in ihrer Villa am Grundlsee verkehrten bis 1938 Schriftsteller wie Thomas Mann, Jakob Wassermann, Sinclair Lewis mit seiner Frau Dorothy Thompson, Egon Friedell, Franz Theodor Csokor oder Musiker wie Josef Matthias Hauer, Rudolf Serkin und Egon Wellesz. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biografie, dessen Mitarbeiterin Deborah Holmes derzeit an einer umfassenden Biografie von Eugenie Schwarzwald arbeitet.
