Sammlungen
Sammlung Schlaff
Einer der zur Recherche und wissenschaftlichen Forschung meist nachgefragten Bestände im Jüdischen Museum Wien ist die sogenannte Sammlung Martin Schlaff. Der Bestand umfasst mehr als 1000 Objekte und eine noch viel größere Anzahl an Büchern und Broschüren, die in die Bibliothek des Hauses eingegliedert wurden. Rund 250 dreidimensionale Objekte und 500 Postkarten, sowie Druck- und Gebrauchsgrafik mit Bildern und Abbildern, die Juden typisieren und stereotypisieren und vom Sammler als antisemitisch eingestuft wurden, bilden den Kern der Sammlung und tatsächlich ist ein nicht zu vernachlässigender Teil der Sammlung als brutal-antisemitisch einzustufen. Eine Intention des Sammlers war es, eine Auseinandersetzung mit diesen Erzeugnissen der klischeehaften Produktion von Bildern über und von Juden zu ermöglichen. Erstmals geschah dies 1993 mit der Ausstellung „Die Macht der Bilder“ in der Volkshalle des Wiener Rathauses, in der sich die ganze Fülle antisemitischer Stereotypen bedrohlich dem Besucher entgegenstellte. Die Arbeit an und mit der Sammlung in den letzten Jahren hatte allerdings gezeigt, dass vieles nicht eindeutig zu klassifizieren ist. Für ein internationales Ausstellungsprojekt mit dem Jüdischen Museum Berlin und dem Spertus-Museum in Chicago stellten Felicitas Heimann-Jelinek und Hannes Sulzenbacher fest: „Oft ist die Qualifikation einer Figur als jüdisch durchaus fragwürdig. Und deshalb schließen sich als weitere Überlegungen an: Sollten diese Gegenstände wirklich alle antisemitischen Intentionen entsprungen sein? (...) Alleine der Umstand, dass eine Person als Jude dargestellt wird, deutet schon an, dass eine Typisierung angestrebt wird. Diese Typisierung kann antisemitisch motiviert sein, sie kann aber auch durch das Interesse an einer spezifischen Gruppe von Juden begründet sein.“1 Unser Umgang mit diesen Bildern von Juden ist geprägt vom Wissen über die nationalsozialistische Massenvernichtung und macht eine historische und zeitgeschichtliche Einordnung schwierig. Die Sammlung Schlaff ist Beispiel für die Vielschichtigkeit von Vorurteilen und Ressentiments von und über Juden und nicht zuletzt den vom Blick des Betrachters bedingten Umgang damit.
1) Felicitas Heimann-Jelinek, Hannes Sulzenbacher: Einleitung. In: typisch! Klischees von Juden und Anderen. Hrsg. vom Jüdischen Museum Berlin und dem Jüdischen Museum Wien. Berlin 2008. S. 10.
