Synagoge

Die Geschichte der Wiener Jüdischen Gemeinde

Vom 12. bis zum 19. Jh. war Juden die Niederlassung in Wien nur mit Erlaubnis der Landesfürsten möglich. Sie waren über die Jahrhunderte einem Wechsel zwischen Tolerierung, Vertreibung und Vernichtung ausgesetzt.

Nachweisbar siedelten sich die ersten Juden Ende des 12. Jh. an. Der erste bekannte aus dieser Zeit war Schlom, den Herzog Leopold V. 1194 zum Münzmeister ernannte. 1238 stellte Kaiser Friedrich II. den Juden in Wien ein Privileg aus, das sie unter kaiserlichen Schutz stellte, 1244 wurde es von Friedrich dem Streitbaren erneuert. Ab 1282, mit Errichtung der habsburgischen Herrschaft, vergrößerte sich die jüdische Gemeinde kontinuierlich bis zum Schicksalsjahr 1406, als ein Brand die Judenstadt verwüstete. 1421 wurden die in Wien lebenden Juden, insbesondere die wohlhabenderen, zwecks Erpressung gefangen genommen und schließlich auf der Erdberger Lände verbrannt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde nur einzelnen Juden vorrübergehend der Aufenthalt gestattet. 1670 unter Leopold I. wurde erneut die jüdische Bevölkerung aus angeblich theologischen Gründen, die mit Spionagevorwürfen zugunsten der Türken einhergingen, vertrieben.

Um die Kosten der Türkenkriege und andere kostspielige Projekte zu finanzieren, ließ der Kaiser vereinzelt zahlungskräftige Juden in die Stadt. Der erste war Samuel Oppenheimer. Mit ihm begann die Ära der sogenannten Wiener Hofjuden. 1782 erließ Kaiser Joseph II. das Toleranzpatent, das den Juden die freie Religionsausübung erlaubte, aber sonst keine wesentlichen Veränderungen brachte. 1823 wurde ihnen der Neubau einer Synagoge, der heutige Stadttempel, bewilligt. Seine Einweihung fand 1826 statt.

In der Revolution von 1848 kämpften Juden, Christen, Arbeiter, Studenten und Bürgerliche gemeinsam für die Freiheit und Gleichberechtigung aller Österreicher. Die Revolution scheiterte und die Rechte der Juden waren teilweise so eingeschränkt wie davor. Vier Jahre später, 1852, durften die Juden Wiens dann doch die jüdische Gemeinde als Kultusgemeinde gründen, 1858 wurde der Leopoldstädter Tempel, Wiens größte Synagoge, fertiggestellt. Ab Mitte des 19. Jh. setzte eine starke Immigrationsbewegung aus den östlichen Gebieten der Monarchie ein, gleichzeitig stiegen Antisemitismus und rassistische Vorurteile stark an.

Durch den „Anschluss“ an Nazi-Deutschland 1938 verloren die ca. 180.000 Wiener Juden jegliche persönliche Rechte und ihre Lebensgrundlage. 120.000 gelang es zu fliehen, 65.000 wurden ermordet. Nur wenige haben als „U-Boote“ in Wien überlebt.  Viele derjenigen, die noch flüchten konnten, ertrugen das Exil nicht, starben an Enttäuschung oder setzten ihrem Leben ein Ende.

Nach 1945 war es für die wiedergegründete Kultusgemeinde schwer vorstellbar, dass sich in Wien wieder eine florierende Gemeinde entwickeln würde, denn nur wenige Vertriebene kehrten hierher zurück. Doch es kam anders: Durch Zuzug aus Osteuropa entwickelte sich ein neues Gemeindeleben, Schulen und andere wichtige religöse und soziale Einrichtungen wurden und werden nach wie vor gegründet.

Sabine Frank

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