Berühmte Tenöre
11. Jänner - 8. Februar 1993
Das Thema dieser Ausstellung sind die berühmten Tenöre der 30er Jahre. Viele Abgötter von damals - oft jüdischer Herkunft - sind noch heute Tenorlieblingen beim Opernpublikum wie Jan Kiepura, Leo Slezak, Joseph Schmidt, Richard Tauber und viele andere.
Die Ausstellung beinhaltet von über 70 Tenören Autographen, Autogramme, Opernprogramme, Karikaturen, unveröffentlichte Schellacktestpressungen und Biographien.
Außerdem wird eine Videoaufzeichnung mit historischem Opern- und Operettenausschnitten mit Joseph Schmidt, Richard Tauber, Beniamino Gigli, Jan Kiepura und Giacomo Lauri-Volpi gezeigt.
Gleichzeitig ist eine Ausstellungs-CD mit den besten Aufnahmen und Raritäten der großen Künstler im Handel erschienen. Das Vorwort wurde von Paul Steinhauer,. Marcel Prawy und Hubert Deutsch verfasst.
In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundestheaterverband.
Kurator: Paul Steinhauer
Gobelinsaal der Wiener Staatsoper
Opernring 2
1010 Wien
… Unsere schwarze Rose. Elisabeth Bergner
21. Jänner - 21. März 1993
Elisabeth Bergner (1897 Drohobycz; Galizien - 1986 London) erhielt ihre Ausbildung an privaten Schauspielschulen sowie am Konservatorium in Wien. Sie debütierte 1915 am Theater in Innsbruck, später folgten Auftritte in Zürich, Wien, München und Berlin. In Wien arbeitete sie auch als Modell für den Maler Wilhelm Lehmbruck, der sich unglücklich in sie verliebte. Ihre erste Filmrolle erhielt sie 1922 („Der Evangelimann“). Der große Durchbruch gelang ihr unter Max Reinhardt mit dem Shakespeare-Stück „Wie es euch gefällt“ am Deutschen Theater; sie wurde eine der berühmtesten und umschwärmtesten Schauspielerinnen ihrer Generation. Der Bergner-Typus - ihre knabenhafte, androgyne Erscheinung - wurde Kulturgeschichte.
Ab 1924 arbeitete sie ausschließlich mit dem Regisseur Paul Czinner zusammen, der auch privat ihr Partner wurde. Als Juden flohen sie nach der so genannten Machtergreifung der Nationalsozialisten zuerst nach Wien und dann nach London, wo sie auch heirateten. Sowohl der Umstieg von der Stummfilmzeit zum Tonfilm als auch die sprachliche Anpassung an ihre neue Wirkungsstätte schaffte sie mühelos. Bereits im Jahr 1934 spielte sie „Katharina die Große“ unter der Regie ihres Mannes. Der Film wurde allerdings in Deutschland verboten. 1935 erhielt sie für ihre Rolle in „Verlass mich niemals wieder“ ihre einzige Oscar-Nominierung.
1940 emigrierten Bergner und Czinner nach Hollywood, doch Bergners einziger Hollywood-Film „Paris Calling“ (1941) war kein großer Erfolg. Sie verlegte den Schwerpunkt ihrer Arbeit wieder auf die Bühne und es gelang ihr als einer von ganz wenigen, ihre Karriere fortzusetzen. Diesen Erfolg verbuchte sie als ihren persönlichen Triumph gegen die Naziherrschaft.
Nach dem Ende des Krieges arbeitete sie in New York, bis sie 1950 nach England und 1954 nach Deutschland zurückkehrte, wo sie als Theater- und Filmschauspielerin erfolgreich wirkte.
1962 wurde ihr der Schiller-Preis der Stadt Mannheim und 1982 in Venedig der Eleonore-Duse-Pokal verliehen.
Ihr Regiedebüt gab sie 1970, 1973 zog sie sich ins Privatleben zurück. Hinter dem Star steht eine sehr ernst arbeitende, intellektuell hochbegabte, verletzliche Frau. Ihre Freunde waren der Lyriker Albert Ehrenstein, die Lyrikerin Else Lasker-Schüler, die Bildhauer Georg Ehrlich und Wilhelm Lehmbruck, die Dramatiker G. B. Shaw und James Barrie, der Psychologe Jacob Levy Moreno, die Schriftstellerin Ruth Berlau, der Physiker Albert Einstein. Mit Bertolt Brecht, der sie als erfolgreichste Vertreterin des „Herrschenden Theaters“ bezeichnete, bemühte sie sich - trotz unüberbrückbarer weltanschaulicher Differenzen - wiederholt um eine Zusammenarbeit.
In Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum der Stadt Wien.
Historisches Museum der Stadt Wien
Karlsplatz
1040 Wien
100.000 Steine. Jüdische Friedhöfe in Wien
10. Februar - 9. Mai 1993
Fast genau einhunderttausend jüdische Grabsteine gibt es in Wien. Der älteste in Wien nachweisbare jüdische Friedhof befand sich im so genannten Greut vor dem Kärntnertor (heute Wien 1, Opernring 10). Nach der großen Zäsur der Wiener G’serah im Jahre 1421 (Vertreibung der Wiener Juden) wurde der Friedhof demoliert und zerstört. Grabsteine wurden zu Baumaterial umfunktioniert und vor allem in Häusern in Wien-Gumpendorf verbaut.
Der älteste in Wien existierende jüdische Friedhof ist der Alte Judenfriedhof in der Roßau (9., Seegasse 10). Er wurde bereits vor dem Jahr 1540 bis 1783 belegt. Nach der Vertreibung der Juden 1670/71 wurde gegen die Zahlung der Summe von 4000 Gulden der Erhalt des Friedhofs vertraglich auf ewige Zeiten gesichert. Der Währinger Israelitische Friedhof wurde im Zeitraum 1784-1789 belegt. Hier fanden berühmte Personen wie Fanny von Arnstein, Bernhard von Eskeles, Moritz Hartmann, Isak Noa Mannheimer u.a. vorerst ihre letzte Ruhestätte.
1885 wurde der Döblinger Friedhof errichtet, der sich zu einem Nobelfriedhof entwickelte und auf dem eine so genannte rituell unzulässige israelitische Abteilung existiert. Dennoch ließen sich hier vor allem begüterte jüdische Familien Grüfte errichten. Hier war auch Theodor Herzl bis zu seiner Überführung nach Israel im Jahre 1948 bestattet.
Der Floridsdorfer Minjan-Verein, der im Jahre 1905 in die Wiener Kulturgemeinde eingegliedert wurde, errichtete 1877 einen eigenen Friedhof (Erweiterung 1881). Dieser kleine jüdische Friedhof ist nur von lokaler Bedeutung.
Die ersten institutionellen Gespräche zwischen der Israelitischen Kulturgemeinde und der Stadt Wien über den anzulegenden Wiener Zentralfriedhof fanden im Jahr 1868 statt. Nach vielen internen und externen Kämpfen kam es 1877 zur Unterzeichnung eines Pachtvertrages, der die Existenz der in der Folgezeit mehrfach erweiterten Israelitischen Abteilung auf Friedhofdauer vertraglich sichert. Am 5. März 1879 fanden die ersten Beerdigungen statt. Das mit Zukäufen ebenfalls mehrfach erweiterte Friedhofsareal des Neuen Israelitischen Friedhofs, Tor IV, wurde 1911 erworben.
Die Ausstellung zeigt die Wiener jüdischen Friedhöfe vor dem Hintergrund der Geschichte, dokumentiert die Arealentwicklungen und weist auf kunstgeschichtlich interessante Grabstellen und Bauten hin. Unter dem kulturhistorische Aspekt werden die Grabstellen bedeutender jüdischer Männer und Frauen und ihr entscheidender Beitrag zur Konstituierung und Entwicklung der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, zu Wissenschaft, Kunst und Kultur, Politik und Gesellschaft ausgestellt. Erstmals ausgestellt sind auch Dokumente zur Geschichte und Entwicklung der Wiener Chewra Kadischa (Beerdigungsbrüderschaft). Interessante Exponate zum Thema „Tod, Sterben, Begräbnis im Judentum“ und eine Einführung zur Symbolik auf jüdischen Grabsteinen runden die Ausstellung ab.
Kuratorin: Patricia Steines
Provisorium Seitenstettengasse
Seitenstettengasse 4
1010 Wien
Broncia Koller-Pinell. Eine Malerin im Glanz der Jahrhundertwende
18. Mai - 17. Oktober 1993
Nach der Jahrhundertwende trat Broncia Koller-Pinell (1863-1934) in regen Kontakt mit der Wiener Secessionskunst. Gustav Klimt galt ihr lange Zeit als zentrales Vorbild daneben nahm die Künstlerin vielfältige Anregungen auf und pflegte besonders mit Kollegen wie Josef Hoffmann, Kolo Moser, Anton Faistauer, Albert Paris Gütersloh und vielen anderen einen regen künstlerischen, aber auch persönlichen Austausch.
Ein Tagebuch der Silvia Koller, der Tochter von Koller-Pinell, das im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen in Privatbesitz auftauchte, lässtt erstmals aus nächster Nähe den engen Kontakt miterleben, der sich zwischen Egon Schiele und der Künstlerin in Schieles letztem Lebensjahr entwickelte.
Aus verschiedensten Gründen wurde das Werk der Broncia Koller-Pinell lange Zeit unterschätzt, der man einst vorwarf, es sei das einer Frau; wenige Jahre nach ihrem Tod 1934 wurde es als das einer Jüdin verfemt. Heute ist es der Vorwurf des Dilletantismus, der noch immer den Blick auf ihre Kunst verstellt. So schrieb Albert Paris Gütersloh: „Weil sie eine Frau und vermögend war, haben die männlichen und armen Maler sie nie recht gelten lassen wollen.“
Broncia Koller-Pinell war nicht nur eine Künstlerin, sie ist auch eine Repräsentantin jenes jüdisch-liberalen Großbürgertums, das als Mäzen, Sammler und Förderer entscheidenden Anteil hatte an der sprichwörtlichen Blüte von Kunst und Kultur in Wien um 1900. Hierher gehören besonders die Arbeiten von Josef Hoffmann, der die beiden Stadtwohnungen des Ehepaares Dr. Hugo und Broncia Koller-Pinell gestaltete, ebenso wie deren luxuriöses Landgut in Oberwaltersdorf in Niederösterreich.
Die Ausstellung will zusammenfassend zeigen, wie sehr Broncia Koller-Pinell die Wiener Kunst einerseits vor dem Hintergrund der Emanzipation der Frau als Künstlerin und andererseits vor dem vielschichtig verzahnten österreichisch-jüdischen Kulturleben vor 1938 um Wesentliches bereichert hat.
Kuratoren: Tobias G. Natter, Matthias Boeckl
Provisorium Seitenstettengasse
Seitenstettengasse 4
1010 Wien
Hier hat Teitelbaum gewohnt. Ein Gang durch das jüdische Wien in Zeit und Raum
18. November 1993 - 15. Mai 1994
Diese Eröffnungsausstellung des Museums zeigt die Geschichte des jüdischen Wien auf pointierte und komprimierte Weise: Ein begehbarer Stadtplan aus dem Jahre 1931 bildet den Ausgangspunkt für die Darstellung der verschiedensten Themenbereiche der jüdischen Kulturgeschichte Wiens. In diesen Stadtplan sind Teile historischer Stadtpläne eingeschnitten, die eine bestimmte historische Epoche und ein bestimmtes Thema präsentieren: Während der Gesamtplan auf den Schwerpunkt „Wien“ verweist, sind die gewählten Ausschnitte Träger für ein spezielles Thema aus der Geschichte und Kultur der Juden Wiens.
Ausgewählte Objekte - zum Teil aus dem reichen Sammlungsbestand des Museums - werden zur Illustration dieser Inhalte zusätzlich herangezogen. Erläuternde historische Texte stellen den Zusammenhang zwischen den Objekten und Themen her.
Bei der Präsentation wird keine historisch lückenlose Darstellung der Geschichte der Juden Wiens angestrebt, die vorgestellten Aspekte sollen vielmehr verdeutlichen, wie viele verschiedene Impulse für das Kultur- und Geistesleben Wiens von den Wiener Juden ausgegangen sind. Dabei wird auch deutlich, welches Potential Wien durch Vertreibung und Holocaust verloren ging. „Teitelbaum“ dient als exemplarisches Beispiel für diese Zusammenhänge: Im Wiener Adressbuch von 1938 waren unter diesem Namen sechzehn Adressen angeführt, im aktuellen Wiener Telefonbuch 1993/94 ist der Name Teitelbaum nicht zu finden …
Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Das Lied der Lieder. Bilder von Heinz Mack zu einer Textinterpretation des Hohelieds von Manfred Hausmann
18. November 1993 - 13. Februar 1994
Das „Hohelied“, das „Lied der Lieder“, ist ein Stück Weltliteratur. Die Sammlung populärer Liebes- und Hochzeitslyrik, die Aufnahme in die biblischen Schriften fand, ist Volkspoesie im besten Sinne. Das Hohelied ist keine einheitliche Dichtung, es sind Lieder, die zu verschiedenen Zeiten im Alten Israel entstanden sind, und bei der Hochzeitsfeier gesungen wurden. Die Themen sind Schmerz, Glück, Treue, Sehnsucht und tief empfundene Leidenschaft. Die Interpretation der Texte ist unterschiedlich und dem Wandel der Zeit unterworfen: Gingen frühe Deutungen von der Liebe Gottes aus, so stehen heute die menschlichen Liebesfreuden im Vordergrund. Ebenso zahlreich wie die Interpretationen sind auch die Übersetzungen und Nachdichtungen: Johann Wolfgang von Goethe, Max Brod, Martin Buber, Manfred Hausmann, …
Bei seiner visuellen Interpretation des Hohelieds ging der deutsche Maler und Bildhauer Heinz Mack von der Textbearbeitung des Dichters Manfred Hausmann (1898-1986) aus, einer von Vagabundenromantik und schwermütigem Naturerlebnis geprägten Dichtung. Mack, Mitbegründer der avantgardistischen Künstlergemeinschaft ZERO, folgt in seiner Malerei dem Sprachrhythmus und Sprachduktus Hausmanns, die er mit den Mitteln der abstrakten Darstellung optisch umzusetzen sucht. Seine Bilder beziehen sich auf einzelne Verse und Wortfolgen, die ihn inspirierten. Mack ist dabei bestrebt, dem Betrachter jene Gefühle und Eindrücke mit visuellen Mitteln näher zubringen, die der Dichter sprachlich nicht ausdrücken kann.
Kurator: Karl Albrecht-Weinberger
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Die Freudianer. Der 13. Internationale psychoanalytische Kongress Luzern 1934 in Fotografien von Nachum T. Gidal
18. November 1993 - 13. Februar 1994
Die Fotografien Nachum T. Gidals sind ein herausragendes Beispiel des Bildjournalismus der frühesten Jahre, als diese Sparte der Fotografie nach neuen Ausdrucksformen im Spannungsfeld von Porträt- und Kunstfotografie suchte. Gidals Bilder vom 13. Internationalen Psychoanalytischen Kongress, der vom 26. bis 31. August 1934 in Luzern stattfand, sind jedoch auch für den Zeithistoriker von größter Bedeutung, da der Kongress von zwei wesentlichen Ereignissen geprägt war: Zum einen fand er vor dem Hintergrund tiefgreifender wissenschaftlicher Differenzen innerhalb der psychoanalytischen Bewegung statt, zum anderen hatten ein Jahr zuvor die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht ergriffen, die der Psychoanalyse im allgemeinen und den jüdischen Vertretern im besonderen feindlich gegenüberstanden.
Das Wissen um diese historischen Hintergründe lässt die Fotografien Gidals in einem besonderen Licht erscheinen. Er zeigt uns eine friedliche akademische Welt gebildeter und kultivierter Menschen, die dem Betrachter von heute als führende Vertreter der Psychoanalyse bekannt sind, im wissenschaftlichen Diskurs: Anna Freud, Melanie Klein, Ernest Jones, Jekels (er gehörte zu Freuds samstäglicher Tarockrunde), Maurits Katan, Otto Fenichel, Karl Landauer, Max Eitingon… Und Gidal gelingt es, die Akteure mit seiner Kamera zu charakterisieren, ihre Verbindungen zueinander und die wissenschaftlichen wie menschlichen Gegensätze fühlbar zu machen.
Und dennoch - niemand würde aus den Fotos erahnen, dass in Berlin das Psychoanalytische Institut zwar noch existierte, aber bereits alle jüdischen Mitglieder von der wissenschaftlichen Arbeit ausgeschlossen waren. Niemand annehmen, dass im austrofaschistischen Österreich nur wenige Wochen zuvor Kanzler Dollfuß von den Nationalsozialisten ermordet wurde und die Psychoanalytiker nur mehr unter Polizeiaufsicht arbeiten konnten. Die Ausstellung stellt die Fotos in diesen historisch-politischen Zusammenhang und arbeitet anhand der Porträts der einzelnen Akteure einen wichtigen Abschnitt der Geschichte der Psychoanalyse aus politisch-historischer und aus wissenschaftsgeschichtlicher Sicht auf.
Kuratorin: Elisabeth Brainin
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Wien IX. Berggasse 19. Fotografien der Wohnung Sigmund Freuds von Edmund Engelman
18. November 1993 - 13. Februar 1994
Frühjahr 1938: Wenige Wochen nach der Annexion Österreichs durch Nazi-Deutschland und kurze Zeit bevor der über achtzigjährige Sigmund Freud in die Emigration flüchtet, betritt an einem „feuchten Morgen im Mai 1938“ ein junger Fotograf Wohnung und Praxis des Begründers der Psychoanalyse in der Berggasse 19 - Edmund Engelman. Der 1907 in Wien geborene Engelman arbeitet zwei Tage in der Berggasse und trifft auch auf Freud, der sich von ihm fotografieren lässt, auch Gattin Martha und Tochter Anna stimmen zu. Dazwischen hält Engelman seine Eindrücke in Wohnung und Praxis mit der Kamera fest: die mehr als 2.000 Objekte umfassende Antikensammlung, die Bibliothek, die zahlreichen Auszeichnungen, das Behandlungszimmer und die berühmte Couch. Er sollte der letzte sein, der Freuds Domizil in seiner ursprünglichen Form aufnehmen konnte, denn am 4. Juni 1938 verlässt Freud Wien. Sein Haushalt wird zerrissen: Zum Teil verkauft oder zurückgelassen, zum Teil in die Emigration mitgenommen, sollte es auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gelingen, die Teile wieder zusammenzuführen.
Engelmans Fotodokumentation ist einzigartig, denn sie vermittelt ein vollständiges Bild über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse Freuds, zeigt ihn zum letzten Mal in seiner vertrauten Umgebung, seiner Wohnung, deren Räume und Mobiliar zum Inbegriff europäischer Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts werden sollten. Engelman selbst emigrierte kurze Zeit nach Freud. Seine Fotos waren nach dem Zweiten Weltkrieg eine wertvolle Hilfe bei der Rekonstruktion des Freud´schen Haushalts in Wien. Es dauerte allerdings bis 1971, ehe im Beisein Anna Freuds das Sigmund-Freud-Museum eröffnet werden konnte.
KuratorInnen: Bernhard Purin, Inge Scholz-Strasser
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien






