Hanns Eisler. Mensch und Masse

Hanns Eisler. Mensch und Masse

In der Reihe "Musik des Aufbruchs" zeigt das Jüdische Museum Wien eine Ausstellung, die dem Komponisten Hanns Eisler gewidmet ist. Eislers Leben und Werk und sein besonderes Verhältnis zur Stadt Wien wird im Spannungsfeld der europäischen Zeitgeschichte beleuchtet. Der Komponist erlebte hier mehrere Epochen: Von den letzten Jahren des Kaiserreichs, dem Ersten Weltkrieg, dem roten Wien der 1920er Jahre über den Beginn des Austrofaschismus und folgender Exilzeit bis hin zu den Nachkriegsjahren begannen für Eisler mit jedem Aufenthalt auch neue Lebens- und Schaffensphasen – die Stadt wurde zum Dreh- und Angelpunkt in seiner Biographie. Der 1898 in Leipzig geborene Komponist verbrachte ab dem 4. Lebensjahr in Wien seine Jugend. Die Grundlagen zu allen wichtigen Aspekten seines Werkes wurde hier gelegt: Aus seiner Schulzeit auf dem k.u.k. Staatsgymnasium Nr. 2 sind erste Kompositionsversuche bekannt. Sein politisches Engagement begann als Mitglied des "Sprechklubs" der sozialistischen Mittelschüler; er beschäftigte sich schon als 14-Jähriger mit sozialistischer und anarchistischer Theorie. Nach dem Abbruch seines Studiums am Neuen Wiener Konservatorium begann er ein Privatstudium bei Arnold Schönberg. In dessen Kreis, teilweise auch als Schüler Anton Weberns, gehörte er zur Avantgarde der Musikszene. Seinen beruflichen Weg begann er als Notenkorrektor bei der Wiener Universal Edition, die ihm später einen 10-Jahresvertrag anbieten sollte. Einflüsse aus jener Zeit lassen sich bis in seine letzten Werke verfolgen. Somit wurde Wien zur Startposition seiner Karriere. 1925 ging Eisler zwar nach Berlin, hielt sich jedoch durch familiäre Bindungen noch häufig in seiner Heimatstadt auf. Daher kam es, dass er im Januar 1933 gerade in Wien weilte, als Hitler in Deutschland an die Macht kam. Seine enge Zusammenarbeit mit der kulturellen Linken, insbesondere Ernst Busch und Bert Brecht, sowie seine öffentlich bekannte kommunistische Gesinnung und seine jüdische Herkunft machten eine Rückkehr unmöglich. Die Heimatstadt wurde erster Ort seines langjährigen Exils. Nach Aufenthalten in verschiedenen europäischen Ländern gelang dem unter austrofaschistischer Regierung auch in Österreich nicht mehr erwerbsfähigen Eisler die Ausreise in die USA.

Dort und in Mexiko überlebte er die folgenden Jahre, die Nazizeit und den Zweiten Weltkrieg. Gleich vielen seiner Zeitgenossen verdiente Eisler seinen Lebensunterhalt im Exil mit "angewandter Musi", wie er es ausdrückte, schrieb für Bühne und Film und beschäftigte sich eingehend mit der Ästhetik dieser Gattungen. 1948 kehrte der auch in den USA inzwischen politisch verfolgte Kommunist ins Nachkriegs-Wien zurück. Auch jetzt schrieb er für das Theater. Sein Einsatz für den Frieden und seine künstlerische wie politische Orientierung führten jedoch konsequent zu einer Rückkehr in den Ostteil der Stadt Berlin. Hier etablierte er seinen endgültigen Wohnsitz, behielt aber bis zu seinem Lebensende den österreichischen Pass samt österreichischem Wohnsitz, was ihm ermöglichte, "Weltbürger" zu bleiben, neben Berlin und Moskau auch in Paris und Wien zu arbeiten. 1960 erlitt er in Wien einen Herzinfarkt, an dessen Spätfolgen er 1962 in Berlin verstarb.

KuratorInnen: Michael Haas, Wiebke Krohn