Zu Gast bei Beer-Hofmann. Eine Ausstellung über das jüdische Wien der Jahrhundertwende

Zu Gast bei Beer-Hofmann. Eine Ausstellung über das jüdische Wien der Jahrhundertwende

Der Ausstellung wurde eine Fiktion zugrunde gelegt: Richard Beer-Hofmann lädt zu einer Abendgesellschaft in sein Haus, jeder Gast bringt, wie es sich gehört, ein Geschenk mit. Die Idee kommt nicht von ungefähr, war die Villa der Familie Beer-Hofmann doch eines jener Zentren, in denen sich ein Teil der geistigen Elite jener Zeit zusammenfand. Um das unglaublich dichte kulturelle, für die Zeit so konstitutive Beziehungsgeflecht im Wien des ausgehenden 19. und des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts anzudeuten, wurden allerdings nicht nur historisch verbürgte Gäste des Hauses Beer-Hofmann für die Ausstellung gewählt, sondern auch solche, die Besucher bei Beer-Hofmann hätten sein können. Bei Annahme dieser Fiktion muss sich der Ausstellungsbesucher bis zu einem gewissen Grad auf die Gastsituation einlassen, damit er nicht nur voyeuristischer und konsumierender Betrachter des Besuches bei Beer-Hofmann, sondern selber Besucher im doppelten Sinne ist. Dafür muss er unterscheiden zwischen der Innenwelt Beer-Hofmanns, repräsentiert durch das großteils originale Ambiente, und der Außenwelt der Gäste, repräsentiert durch die Gastgeschenke. Wie Richard Beer-Hofmann sich über die Vielfalt und Pointiertheit dieser Geschenke seiner Besucher gefreut haben, erstaunt oder gar ärgerlich gewesen sein könnte, so soll auch der Besuchs-Besucher sich nicht nur an Ästhetik, Aura, Sinnlichkeit, hin und wieder auch Witz der Geschenke erfreuen, sondern sich mit ihnen auseinandersetzen - so wie Beer-Hofmann sich mit seiner Zeit, mit Freunden und Kollegen, mit Kunst, mit der Moderne, mit Nationalismus und Antisemitismus, mit Judentum und Zionismus, mit dem von ihm gelebten Wiener Fin de Siècle-Leben auseinandersetzen musste.

In Zusammenarbeit mit dem Joods Museum Amsterdam.

Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek