Das erste Jüdische Museum in Wien

Das Wiener Jüdische Museum, nach zweijährigen Vorarbeiten im Jahr 1895 gegründet, war weltweit das erste seiner Art. Es konzentrierte sich auf die Kultur und Geschichte der Juden in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, insbesondere auf Wien und Galizien. In seiner Sammlung von zionistischen Objekten aus Palästina spiegelte sich auch die politische Diskussion über den Zionismus dieser Zeit. Das Museum wurde direkt nach dem „Anschluss“ von den Nazis geschlossen. Im letzten Jahr seines Bestehens befanden sich 6474 Objekte in seinem Bestand. 1939 wurden diese in das Museum für Völkerkunde und andere Institutionen übertragen. Für die antisemitische Propagandaausstellung “Das körperliche und seelische Erscheinungsbild der Juden” wurden Teile der Sammlung von der anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums verwendet.
Zu Beginn der 1950er Jahre wurde der Großteil der Bestände an die IKG Wien restituiert, Etliches aber auch erst in den 1990er Jahren. Und schließlich blieb Vieles verschollen - ob mutwillig zerstört, gestohlen oder auf Grund der Zeitumstände verloren, ist nicht mehr rekonstruierbar. Als der restituierte Bestand 1992 dem neu gegründeten Jüdischen Museum der Stadt Wien von der Kultusgemeinde als Dauerleihgabe überantwortet wurde, war dieser auf 3517 Objekte reduziert. Die noch erhaltenen Objekte bilden einen einzigartigen Bestand innerhalb der jüdischen Museen der Welt. Ihre Präsentation ist nicht nur ein seltenes materielles Zeugnis des jüdischen Alltags und jüdischer Tradition, sondern auch ein sichtbarer Beweis für die aktive Bewahrung und Weitergabe dieser Kultur.
Das heutige Jüdische Museum Wien
Am 7. März 1990 wurde die erste Ausstellung des neuen Jüdischen Museums im Provisorium in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse eröffnet. Ein grundlegender Bestand war die von der Stadt Wien damals neu erworbene Judaika-Sammlung Max Berger. 1992 wurde der heutige Museumsstandort im Palais Eskeles in der Dorotheergasse 11 fixiert. Nach der Adaptierung des historischen Hauses fand 1993 die Neueröffnung statt. Seit 1994 ist die im Gebäude der Israelitischen Kultusgemeinde untergebrachte Bibliothek öffentlich zugänglich. 1995-96 wurde das Palais durch einen Umbau an die Erfordernisse eines modernen Museumsbetriebs angepasst. Seit 1998 ist auch das Archiv mit seiner stetig wachsenden Sammlung von Materialien zur Geschichte des jüdischen Wien öffentlich zugänglich. Am 25. Oktober 2000 wurde zusammen mit der Enthüllung des auf Anregung von Simon Wiesenthal errichteten Mahnmals für die 65.000 ermordeten österreichischen Juden der britischen Künstlerin Rachel Whiteread auf dem Judenplatz als Dependance das Museum Judenplatz eröffnet.
Nach der Wiedereröffnung
Im Dezember 2010 wurde im Museum Judenplatz eine neue Dauerausstellung eröffnet, die ebenerdigen Räume wurden für einen permanenten Wechselausstellungsbetrieb adaptiert. Von Jänner bis Oktober 2011 wurde das Haus in der Dorotheergasse 11 einer grundlegenden Funktionssanierung unterzogen. Einige der beim Umbau 1895 geschlossenen Durchbrüche im Foyer wurden wieder geöffnet, wodurch dieses wesentlich luftiger und heller erscheint.
Die Lifte und die Klimaanlage sind auf dem neuesten Stand der Technik, das Auditorium befindet sich jetzt im 2. Stock des Hauses. Im nunmehrigen Atrium befindet sich eine provisorische Dauerausstellung, die ein Jahr danach durch eine endgültige ersetzt wird. Das Schaudepot im 3. Stock wurde um einige Vitrinen und durch audiovisuelle Medien ergänzt.
Direktorinnen und Direktoren seit 1990:
1990 Gründungsgeschäftsführer Mag. Christian Cap
1991-1992 Daniella Luxembourg, künstlerische Leitung
1991-2010 Dipl.-Ing. Georg Haber, Kaufmännischer Geschäftsführer
1991-1998 Dr. Karl Albrecht-Weinberger, Projektkoordinator
1993-1998 Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor
1998- 2010 Dr. Karl Albrecht-Weinberger, Direktor
seit Juli 2010 Dr. Danielle Spera, Direktorin






