Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge
20. Jänner - 7. März 1999
Im Rahmen einer kleinen Sonderausstellung wird eine hebräische Handschrift aus dem 17. Jahrhundert gezeigt, die ein eindrucksvolles Zeugnis der Geschichte einer Wiener jüdischen Familie darstellt: „Buch der Erinnerung. Das Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge“.
Diese Handschrift hat eine bewegte Geschichte: Im Frühjahr 1998 erwarb das Jüdische Museum Franken in Fürth eine hebräische Handschrift, die 1632 in Wien entstand. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Memorbuch, das bis 1670 in Wien in Verwendung war und dann nach Fürth in Bayern gelangte. Nach mehr als 300 Jahren wird dieses Buch nun für wenige Wochen wieder in Wien zu sehen sein. Memorbücher enthalten neben Gebeten die Namen der Opfer von Pogromen oder verstorbener, durch besondere Verdienste geschätzter Gemeindemitglieder. Nach Verfolgungen konnten die Ermordeten oft nicht bestattet, die Gräber der Angehörigen nicht mehr besucht werden. Die Worte der Memorbücher blieben dann die einzige Möglichkeit, die Erinnerung an die Verstorbenen zu bewahren. Memorbücher werden damit zum Ersatz für reale Orte des Gedenkens und schaffen einen imaginären Gedächtnisraum.
In Wien ordnete 1624 Kaiser Ferdinand II. die Errichtung eines Ghettos, der „Judenstadt im Unteren Werd“, an. Das »Wiener Memorbuch der Fürther Klaus-Synagoge« wurde wenige Jahre später für eine der Synagogen dieses Ghettos angelegt. Es enthält die vom Vorlesepult (Almemor) aus gesprochenen Gebete sowie fortlaufende Einträge zum Gedenken an verstorbene Gemeindemitglieder. Als 1670 Kaiser Leopold I. die Vertreibung der Juden aus Wien verfügte, gelangte die Handschrift mit einer der vertriebenen Familien, den Fränkels, nach Fürth in Bayern. Der vor 1670 in Wien geborenen Bärmann Fränkel, der in Schnaittach und Fürth als ansbachischer Landesrabbiner amtierte, stiftete 1708 die Fürther Klaus-Synagoge, in der die Einträge des Memorbuchs bis 1932 weitergeführt wurden. Seit dem Novemberpogrom 1938, als auch die Klaus-Synagoge zerstört wurde, galt es als verschollen. 1998 tauchte es im lokalen Altwarenhandel wieder auf und konnte vom Jüdischen Museum Franken in Fürth erworben werden.
Eine Installation, in deren Zentrum die originale Handschrift steht, ermöglicht einen Einblick in die 365-jährige Geschichte dieses Buches und macht es als imaginären Gedächtnisraum jüdischen Lebens in Wien und Fürth erfahrbar.
Eine Ausstellung des Jüdischen Museums Franken.
Kurator: Bernhard Purin
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Zu Gast bei Beer-Hofmann. Eine Ausstellung über das jüdische Wien der Jahrhundertwende
10. Februar - 11. April 1999
Der Ausstellung wurde eine Fiktion zugrunde gelegt: Richard Beer-Hofmann lädt zu einer Abendgesellschaft in sein Haus, jeder Gast bringt, wie es sich gehört, ein Geschenk mit. Die Idee kommt nicht von ungefähr, war die Villa der Familie Beer-Hofmann doch eines jener Zentren, in denen sich ein Teil der geistigen Elite jener Zeit zusammenfand. Um das unglaublich dichte kulturelle, für die Zeit so konstitutive Beziehungsgeflecht im Wien des ausgehenden 19. und des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts anzudeuten, wurden allerdings nicht nur historisch verbürgte Gäste des Hauses Beer-Hofmann für die Ausstellung gewählt, sondern auch solche, die Besucher bei Beer-Hofmann hätten sein können. Bei Annahme dieser Fiktion muss sich der Ausstellungsbesucher bis zu einem gewissen Grad auf die Gastsituation einlassen, damit er nicht nur voyeuristischer und konsumierender Betrachter des Besuches bei Beer-Hofmann, sondern selber Besucher im doppelten Sinne ist. Dafür muss er unterscheiden zwischen der Innenwelt Beer-Hofmanns, repräsentiert durch das großteils originale Ambiente, und der Außenwelt der Gäste, repräsentiert durch die Gastgeschenke. Wie Richard Beer-Hofmann sich über die Vielfalt und Pointiertheit dieser Geschenke seiner Besucher gefreut haben, erstaunt oder gar ärgerlich gewesen sein könnte, so soll auch der Besuchs-Besucher sich nicht nur an Ästhetik, Aura, Sinnlichkeit, hin und wieder auch Witz der Geschenke erfreuen, sondern sich mit ihnen auseinandersetzen - so wie Beer-Hofmann sich mit seiner Zeit, mit Freunden und Kollegen, mit Kunst, mit der Moderne, mit Nationalismus und Antisemitismus, mit Judentum und Zionismus, mit dem von ihm gelebten Wiener Fin de Siècle-Leben auseinandersetzen musste.
In Zusammenarbeit mit dem Joods Museum Amsterdam.
Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Wiener Einstellungen. Fotografien von Lisl Ponger
16. März - 2. Mai 1999
Für diese Arbeit über Orte mit Bezug zum jüdischen Wien hat Lisl Ponger einen rein dokumentarischen Zugang gewählt. Grund dafür war nicht zuletzt, dass vom ehemaligen jüdischen Wien kaum etwas übrig geblieben ist. Einige verbliebene Zeugnisse der Vergangenheit - von wenigen, teils fragwürdigen Ausnahmen wie Gedenktafeln abgesehen - lassen sich nur mehr auf einer rein assoziativen Ebene erschließen. Letztlich dokumentieren Lisl Pongers Fotos, was nicht mehr da ist. Sie zeigen aber, was an diesen historisch bedeutsamen Orten heute vorhanden ist. Unterstützt wird die fotografische Zugangsweise durch eine Beschriftung mit erläuternden Texten. Was die Bilder an der Oberfläche zeigen, ist das heutige Wien. Was sie durch die Beschriftung, das Vorwissen oder auch nur die Ahnung vermitteln, ist das ehemalige jüdische Wien, z.B.: Wien 2, Zirkusgasse 2, Türkischer Tempel. Dem Foto zugeordnet ist eine zeitgenössische Beschreibung der ehemaligen Stätte. Die Diskrepanz zwischen dem Foto eines Neubaus oder eines inhaltlich keineswegs „jüdisch“ zu definierenden Gebäudes und einer Beschreibung, welche die eindeutig jüdische Vergangenheit beinhaltet, soll eine unangenehme Spannung in der Ausstellung erzeugen und die Interpretations-, wie auch die Assoziationsfähigkeit des Betrachters herausfordern.
Kuratorin: Lisl Ponger
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Georg Chaimowicz. Wege im Weg zum Bildlosen
21. April - 6. Juni 1999
Diese umfassende Retrospektive anläßlich des 70. Geburtstags von Georg Chaimowicz präsentiert rund 200 Arbeiten des Künstlers, der in seinem Schaffen unnachgiebig und unermüdlich faschistische Züge unter der neobiedermeierlichen Fassade der Gesellschaft bloßlegt. Dabei bleibt er weder in den engen Grenzen antifaschistischer Gebrauchsgrafik noch opfert er die künstlerische Form dem politischen Inhalt. Diese repräsentative Auswahl aus dem mehrere tausend Werke umfassenden Œuvre macht die Entwicklung des Künstlers deutlich.
Georg Chaimowicz kehrt 1949 nach zehnjährigem Exil in seine Heimatstadt zurück, deren Entwicklung er seit nunmehr 50 Jahren als kritischer, wacher Zeitgenosse beobachtet und kommentiert. Auf seinem Werdegang hat er sich nie auf ein bequemes „L´art pour l’art“ zurückgezogen, sondern stets die politische wie künstlerische Auseinandersetzung gesucht mit jenen gesellschaftlichen Realitäten, die seiner zutiefst humanen Weltsicht zuwiderlaufen. Für viele machte und macht dies Chaimowicz zum unbequemen Zeitgenossen, der seinen hartnäckigen, oft unpopulären Kampf gegen Inhumanität, Neonazismus und Antisemitismus mit einer Konsequenz führt, die ihn auch auf die Anklagebank brachte. Doch auch Verurteilungen hinderten ihn nie daran, gegen die Gefahren rechtsextremer und rassistischer Tendenzen aufzutreten - dies aus dem Bewußtsein heraus, dass Haß und Verfolgung bis in die Gegenwart verdeckt weiterschwelen und jederzeit zum Ausbruch kommen können.
Kurator: Reinhard Geir
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
„Was wir umbringen“. „Die Fackel“ von Karl Kraus
23. Juni - 1. November 1999
Eine der bewundertsten und umstrittensten Figuren der Literatur- und Pressegeschichte steht im Mittelpunkt einer umfangreichen Sonderausstellung: Karl Kraus. Seine Zeitschrift „Die Fackel“ gilt heute als singuläre Erscheinung: Der Monomane Karl Kraus (1874 - 1936) schrieb diese in unregelmäßiger Folge erscheinende Publikation ein Vierteljahrhundert lang praktisch im Alleingang. Seinen Anspruch formulierte Kraus bereits beim erstmaligen Erscheinen der »Fackel« im April 1899: „Das politische Programm dieser Zeitung scheint somit dürftig; kein tönendes ‘Was wir bringen’, aber ein ehrliches ‘Was wir umbringen’ hat sie sich als Leitwort gewählt“.
„Die Fackel“ war 1899 etwas völlig Neues in der Medienlandschaft der damaligen Zeit: eine mutige Zeitschrift, die die Dinge beim Namen nannte, provokant, aggressiv und satirisch Stellung bezog und die anderen Medien der damaligen Zeit erbarmungslos aufs Korn nahm. Im Mittelpunkt der Kritik fanden sich Journalisten und Schriftsteller, korrupte Beamte, der Adel, das reich gewordene Bürgertum, deren Machtstreben, Verlogenheit und Doppelzüngigkeit Kraus scharfsichtig beobachtete und anprangerte. Der zeitgenössische Erfolg der „Fackel“ lag nicht zuletzt in ihren Qualitäten als unabhängiges Oppositionsblatt. Vor den Augen des heutigen Lesers entsteht bei der Lektüre ein pointiertes Bild der österreichischen Gesellschaft von der Donaumonarchie über die Erste Republik bis zum Ständestaat.
In der Ausstellung werden die Biografie und die Arbeitsweise von Karl Kraus ebenso dargestellt, wie sein jüdisches und nichtjüdisches Umfeld sowie der komplizierte Herstellungsprozeß der „Fackel“. Zahlreiche der ausgestellten Dokumente, Originalhandschriften und persönlichen Erinnerungsstücke werden dank der großzügigen Leihgaben aus dem In- und Ausland erstmals gezeigt.
KuratorInnen: Heinz Lunzer, Victoria Lunzer-Talos, Marcus G. Patka
Palais Eskeles
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Ewiger Inhalt in neuer Form. Judaica aus der Kunstschule Bezalel
2. Juli - 5. September 1999
Design von Kultgegenständen wird in der Ausstellung präsentiert. Bezalel wurde 1906 vom Bildhauer Boris Schatz in Jerusalem gegründet. Die Kunstschule zählt bis heute zu den wichtigsten Kunst- und Designschulen Israels. Im Lauf ihres Bestehens machte sie verschiedene Entwicklungen durch: Die Künstler der Anfangszeit waren bestrebt, einen jüdischen nationalen Stil zu schaffen und das lokale Kunsthandwerk einzubinden. Als 1935 aus Deutschland emigrierte Bauhaus-Künstler die Leitung der Schule und der Meisterklassen übernahmen, traten ein funktionalistischer Stil und die Betonung internationaler Aspekte in Design und Kunst in den Vordergrund. Zwar wurden auch in dieser Zeit Judaica hergestellt, doch lag der Ausbildungsschwerpunkt auf der säkularen Kunst. In den letzten Jahrzehnten orientierte sich Bezalel an der europäischen und amerikanischen Moderne. Ab Mitte der achtziger Jahre gelang es den Lehrern von Bezalel, durch die Organisation von internationalen Projekten und Ausstellungen dem Design von Judaica in Bezalel wieder den gebührenden Stellenwert zu geben.
Die Ausstellung „Ewiger Inhalt in neuer Form“ im Jüdischen Museum präsentiert Judaica aus allen Epochen der Kunstschule Bezalel von den traditionellen Arbeiten „Alt-Bezalels“ bis zu den Arbeiten junger Nachwuchsdesigner. Einen Schwerpunkt bilden dabei Arbeiten, die sich jeweils mit spezifischen philosophischen und religiösen Aspekten jüdischer Riten und den damit verbundenen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten auseinandersetzen. Dabei handelt es sich um Ritualgegenstände für den synagogalen und häuslichen Gebrauch, die sowohl von Professoren als auch Studenten des Bezalel zu verschiedenen Epochen geschaffen wurden, darunter Arbeiten von so bekannten Künstlern wie Boris Schatz, Mordechai Ardon, Menachem Berman, Zelig Segal, Mosche Zabari und Arie Ofir, aber auch die Entwürfe von jungen Nachwuchsdesignern.
KuratorInnen: Muli Ben Sasson, Gabriele Kohlbauer-Fritz
Palais Eskeles
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Carl König 1841 - 1915. Ein neubarocker Großstadtarchitekt in Wien zur Zeit Otto Wagners
4. Juli - 12. September 1999
Mit Carl König wird ein Wiener Architekt vorgestellt, der weitgehend in Vergessenheit geraten ist, obwohl er als Antipode Otto Wagners zahlreiche Bauten in Wien errichtete, die bis zum heutigen Tage unverwechselbare Bestandteile des Stadtbilds der Donaumetropole sind. Bauten wie der Zierer-Hof am Neuen Markt oder das Palais Herberstein am Michaelerplatz sind Zeugnisse des von ihm propagierten Barockstils Wiener Prägung, der zum Vorbild für zahllose neobarocke Miethäuser in ganz Europa wurde. Die eindrucksvollsten heute noch erhaltenen Monumentalbauten sind die Börse für landwirtschaftliche Produkte in der Taborstraße, der Erweiterungsbau der Technischen Hochschule am Karlsplatz und das Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz. Der kurz vor der Jahrhundertwende errichtete Philipp-Hof am Albertinaplatz wurde in den letzten Kriegstagen zerstört (heute steht auf dem Platz das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus). Carl König wirkte auch als Lehrer, der einige der bedeutendsten Vertreter der österreichischen Architektur des 20. Jahrhunderts wie Josef Frank, Clemens Holzmeister, Friedrich Kiesler und Oskar Strnad ausbildete.
Die Ausstellung im Jüdischen Museum ist die erste umfassende Werkdokumentation dieses bedeutenden Wiener Baukünstlers. Sie präsentiert Fotografien, Baupläne und Dokumente zum Leben Carl Königs.
Kurator: Markus Kristan
Palais Eskeles
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1010 Wien
der auch..?? Oz Almogs bunter Index Judaeorum - eine Chronik kultureller Obsession
22. September - 31. Oktober 1999
Unter diesem Titel zeigt das Jüdische Museum Wien eine Kunstinstallation des israelisch-österreichischen Künstlers Oz Almog. Er malte in der Zeit vom Mai 1998 bis in die Sommermonate dieses Jahres mehr als 400 Ölporträts von Jüdinnen und Juden, die auf die eine oder andere Weise Berühmtheit erlangten. In ihrer Gesamtheit ergeben diese Gesichter eine Kunstinstallation, eine Hommage des Künstlers auf der Suche nach seinem kulturellen Netzwerk. Aus dem Personenmosaik entsteht ein skurriles Weltbild von Wegen und Abwegen menschlichen Strebens, eine Auseinandersetzung mit Menschen, die Geschichte machten.
Die porträtierten Persönlichkeiten wurden nach dem eigenen Ermessen des Künstlers aus unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen ausgewählt: Künstler, Musiker und Schriftsteller der europäischen Moderne, Vertreter aus Wissenschaft und Forschung beziehungsweise Nobelpreisträger, biblische, mythische und historische Figuren und Personen, Politiker und Soldaten, Künstler aus der Unterhaltungsbranche, Heilige, Freaks, Gangster und Massenmörder. In alphabetischer Reihenfolge finden sich Helden und Antihelden, deren gemeinsame Konstante ihre jüdische Herkunft ist. Der Atomphysiker Albert Einstein steht neben dem Philosophen Baruch Spinoza, das Sexsymbol Hedy Lamarr neben dem Dichter Heinrich Heine, der CNN-Talkmaster Larry King neben dem Schachweltmeister Gary Kasparov, der Regisseur Stanley Kubrick neben dem Massenmörder David Berkowitz, der Mafiapate Meir Lansky neben dem Rockpoeten Bob Dylan, etc. Hinzu kommen lokale Berühmtheiten wie u.a. Karl Farkas, Vicky Baum, Emmerich Kálmán und David Schwarz.
Kurator: Oz Almog
Palais Eskeles
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1010 Wien
Von Samoa zum Isonzo. Die Fotografin und Reisejournalistin Alice Schalek
9. November 1999 - 30. Jänner 2000
Die Ausstellung beschäftigt sich mit einer Frau, die den meisten bisher lediglich aus Karl Kraus‘ ”Die letzten Tagen der Menschheit” bekannt ist. Kraus erlebte sie primär als sensationsgeile Kriegsberichterstatterin und zeichnete „die Schalek” als Negativbild des Journalisten schlechthin. Ein vor wenigen Jahren von der Nationalbibliothek angekaufter Fotonachlass erschließt einen völlig anderen Zugang zu ihr: Dieser zeigt sie als „Berufstouristin” und interessierte Beobachterin fremder Länder und Kulturen, was in ihren überlieferten Reiseberichten lange nicht so deutlich wird wie in ihren Fotografien. Sind ihre Texte von einer europäisch zentrierten Sicht einer betuchten großbürgerlichen Frau geprägt, so zeigen ihre Fotos eine aus heutiger Sicht faszinierende Welt, die inzwischen vom Massentourismus weitgehend verfälscht oder sogar zerstört wurde.
Die aus großbürgerlich-jüdischen Verhältnissen stammende Alice Schalek (1874 - 1956) konnte sich nicht zuletzt aufgrund ihrer Herkunft in für Frauen damals noch höchst ungewöhnlichen Berufen durchsetzten: Sie war Journalistin und Fotografin, Kriegsreporterin und Reiseberichterstatterin, Bergsteigerin, wissenschaftliche Vortragende, Schriftstellerin und sie erhielt die Chance, zwischen 1903 und 1935 mehrfach rund um die Welt zu reisen, wo sie an die 6000 Fotos schoss. Als das Jüdische Museum Wien seine Karl Kraus-Ausstellung vorbereitete und der Vorschlag einer erstmaligen Präsentation der Fotografien von Alice Schalek an die Verantwortlichen des Hauses herangetragen wurde, entschlossen sich diese spontan, die fotohistorisch interessanten Bilder zu präsentieren, was dank der Unterstützung des Bildarchivs der ÖNB ermöglicht werden konnte. Nach Wien werden die Fotos von Alice Schalek in Hamburg, im Haus der Illustrierten „Stern” vorgestellt (Juli 2000).
KuratorInnen: Elke Krasny, Christian Rapp, Nadia Rapp-Wimberger, Marcus G. Patka
Palais Eskeles
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Eden Zion Utopia. Zur Geschichte der Zukunft im Judentum
24. November 1999 - 20. Februar 2000
Eine Ausstellung zu einem Thema, das im Denken der Menschen eine zentrale Bedeutung hat - die Zukunft. Ängste, Hoffnungen, Visionen, Gedanken über Zeit und Vergänglichkeit rücken vor Zeitenwenden oder in Zeiten politischer Unsicherheit verstärkt in das Bewusstsein der Menschen. Die Strategien zur Bewältigung des Problems reichen von utopischem Gestaltungswillen bis zu Fatalismus. In diesem Spannungsfeld bewegen sich besonders Religionen und die Kunst. Die Ausstellung im Jüdischen Museum will zu allen diesen Aspekten mit historischen Objekten, Kunstwerken und audiovisuellen Medien die Besucherinnen und Besucher anregen, die menschlichen Zukunftsstrategien zu überdenken.
Was geschieht eigentlich, wenn wir hoffen, fürchten, prophezeien, wünschen, sehnsüchtig erwarten, planen oder umsetzen? Seit Anbeginn versuchten die Menschen, ihre Zukunft zu gestalten und entwickelten dabei die unterschiedlichsten Strategien: Sie erfanden Kalender, um sich im Kreislauf des Jahres und des Lebens zu orientieren. Sie machten sich Gedanken über ein Leben nach dem Tod. Propheten spezialisierten sich darauf, die Zukunft vorauszusagen. Und wieder andere entwarfen gesellschaftliche oder territoriale Konzepte für ein zukünftig besseres Leben. Der politische Zionismus und der religiöse Messianismus sind sicher die bekanntesten jüdischen Zukunftsentwürfe, aber keineswegs die einzigen. Mit George Segals Installation „Vertreibung aus dem Paradies“ beginnt die Ausstellung gleichsam am ersten Tag der menschlichen Zukunft. Sie „umrundet“ in weiterer Folge Avraham Ofeks Skulptur “The Bird of Choice” und vergleicht, wie Maler des 20. Jahrhunderts Propheten und andere Menschen, die mit der Zukunft in Kontakt stehen, auf die Leinwand gebannt haben. Weitere Themenräume widmen sich dem Kreislauf des Jahres und dem von Leben und Tod sowie dem Messianismus und den utopischen Judenstaat-Projekten. Dabei werden sowohl alltägliche Dinge als auch Kunstwerke vom Willen der Menschen, Zukunft zu gestalten, erzählen: der älteste Kalender in hebräischer Sprache ebenso wie ein zionistischer Werbefilm aus den dreißiger Jahren, Fotografien zur jüdisch-sowjetischen Utopie Birobidschan ebenso wie ein israelisches Landgewinnungsprojekt durch künstliche Inseln und vieles mehr.
Kurator: Werner Hanak
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Das Mosaik der Synagoge von Sepphoris
24. November 1999 - 20. Februar 2000
Eine „Ausstellung in der Ausstellung“, die zugleich auch herausragendstes Objekt der Ausstellung „Eden - Zion - Utopia“ ist, stellt das Mosaik der Synagoge von Sepphoris dar, das im Auditorium des Museums präsentiert wird.
Dieses Synagogenmosaik wurde 1993 von Archäologen der Hebrew University in Sepphoris (Galiläa) entdeckt. Es stammt aus dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Das Mosaik von Sepphoris weist einige interessante Variationen zu den bisher entdeckten Synagogenmosaiken auf. Die Archäologen fassten das Bildprogramm unter dem Titel „Versprechen und Erlösung“ zusammen. Das Mosaik der Synagoge von Sepphoris zählt zu jenen von Archäologen im 20. Jahrhundert entdeckten Bodenmosaiken und Wandmalereien spätantiker Synagogen, die einen „Schock“ unter den Religions- und Kunsthistorikern auslösten, denn bis zu diesen Funden hatte man angenommen, dass sich die Juden der Spätantike an das so genannte Bilderverbot gehalten hätten. Das Mosaik von Sepphoris ist den berühmten galiläischen Synagogenmosaiken von Beth Alpha und Hammat Tiberias in der Grundstruktur ähnlich. Sie zeigen Tempelgeräte, Tierkreiszeichen und sogar Figurendarstellungen wie die der Opferung Isaaks. Wien ist der einzige europäische Ort, an dem das Mosaik von Sepphoris zu sehen ist.
Nach Ausstellungsende wird es wieder am Fundort in Sepphoris, dem heutigen Zippori, eingelassen. Die Präsentation des Mosaikbodens organisierte das Israel Museum, Jerusalem in Zusammenarbeit mit der Hebrew University und der Israel Antiquities Authority.
Kurator: Werner Hanak
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien






