Manès Sperber. Die Analyse der Tyrannis
18. Jänner - 10. März 2006
Mit dieser Ausstellung wird ein bedeutender Autor gewürdigt, dessen Geburtstag sich am 12. Dezember 2005 zum 100. Mal jährte. Schoa und Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Marxismus, Anti-Stalinismus, die Auseinandersetzung mit dem Unterbewussten - die großen geistigen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts stehen im Mittelpunkt des seines Werks.
In seiner dreiteiligen Autobiografie „All das Vergangene“ und seinem opus magnum, der Romantrilogie „Wie eine Träne im Ozean“, legt er Rechenschaft ab über seinen Lebensweg zwischen den zuvor genannten Antipoden. Scharfsinnige Essays zur Psychologie des Zeitgeschehens prägen sein Werk. Als seine wichtigste Schrift bezeichnet Sperber die 1938 verfasste Studie „Zur Analyse der Tyrannis“, die Nationalsozialismus und Stalinismus gleichermaßen demaskiert. Im Kalten Krieg tritt Sperber vielfach als Mahner und moralisches Gewissen auf und gehört zu den bedeutendsten Intellektuellen europäischen Formats. Seine Analysen über den Kalten Krieg und für die Verteidigung der Demokratie sind legendär.
1905 im ostgalizischen, von chassidischer Tradition geprägten Stetl Zablotow (heute Ukraine) geboren, flüchtet die Familie Sperber 1916 vor dem Ersten Weltkrieg nach Wien. Hier schließt sich der jugendliche Sperber der zionistischen Jugendbewegung Haschomer Hazair an und wird schon in jungen Jahren zum Lieblingsschüler von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie. 1927 geht er nach Berlin und tritt der Kommunistischen Partei Deutschlands bei, was in der Folge zum Bruch mit Adler führt. Im März 1933 in Berlin verhaftet und bald darauf aus Deutschland ausgewiesen, flieht er über Prag, Wien und Süddalmatien nach Paris, wo er im Kreis des literarischen Widerstands um Anna Seghers und Egon Erwin Kisch aktiv wird. In Paris lernt er auch André Malraux kennen, der bis an sein Lebensende zu einem seiner engsten Vertrauten zählt. Den Bruch mit dem Kommunismus vollzieht Sperber 1937 kurz nach dem gleichen Schritt seines engen Freundes Arthur Koestler. Durch den Eintritt in die französische Fremdenlegion 1939 entgeht Sperber der Verhaftung als „feindlicher Ausländer“, 1942 gelingt die Flucht in die Schweiz. Nach dem Krieg gibt er im Auftrag von André Malraux in Mainz die Zeitschrift „Die Umschau“ heraus, bald finden sich beim Rundfunk und im Verlag Calmann-Lévy neue Betätigungsfelder. 1950 gehört Sperber zusammen mit Arthur Koestler zu den Mitinitiatoren des „Kongresses für kulturelle Freiheit“ in Berlin, der sich gegen totalitäres Denken wendet und in anderen Städten fortgesetzt wird. Mit zahlreichen Preisen geehrt, zieht es ihn immer wieder nach Wien, das ihm aus der Ferne geistige Heimat bleibt.
Die Ausstellung präsentiert Dokumente aus dem Nachlass (Österreichisches Literaturarchiv der ÖNB; Dan Sperber, Paris) und aus entsprechenden Sammlungen in Frankreich, Deutschland, Israel und Kroatien. Hinzu kommt ein audiovisueller Bereich, der nicht zuletzt auch eine vergangene TV-Ästhetik erstehen lässt.
In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Nationalbibliothek.
KuratorInnen: Marcus G. Patka, Mirjana Stancic
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Lorenzo Da Ponte. Aufbruch in die Neue Welt
22. März - 17. September 2006
Lorenzo Da Ponte hat gemeinsam mit Mozart Musikgeschichte geschrieben. Während Mozart in aller Munde ist, kehrt Da Pontes Gesamtwerk und seine unglaubliche Lebensgeschichte zwischen Venedig, Wien, London und New York erst langsam wieder ins kulturelle Bewusstsein zurück. Die Ausstellung ist als Beitrag dazu zu verstehen: Mit zahlreichen historischen Dokumenten, Objekten und Kunstwerken führt sie von Lorenzo Da Pontes Welt in seine Nachwelt.
Lorenzo Da Ponte kam 1749 im Ghetto der norditalienischen Stadt Ceneda als Emanuele Conegliano zur Welt. In seinem 15. Lebensjahr konvertierte er mit Vater und Brüdern zum Christentum, gut zehn Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Als er sich 1782 in Wien - einer Stadt im radikalen Aufbruch - niederließ, hatte er die kirchliche Karriere längst hinter sich gelassen. Im Josephinischen Wien - für viele aufgeklärte Intellektuelle damals eine „Stadt der Toleranz“ - wurde er von Kaiser Joseph II. als Librettist geschätzt und zum Dichter der Hoftheater ernannt. In seiner Wiener Zeit arbeitete Da Ponte an mehr als 20 Libretti, darunter mit Don Giovanni, Le Nozze di Figaro und Cosí fan tutte auch die zu den bekanntesten Opern Mozarts. Nach dem Tod Josephs II. wurde Da Ponte unter seinem Nachfolger Leopold II.von vielen Intrigen angefeindet und war schließlich gezwungen, Wien zu verlassen. Die Stationen nach Wien heißen Triest, London und ab 1805 die USA, wo er bis zu seinem Tod 1838 lebte. In diesem Land, das noch kein festes Opernhaus und keine italienische Kultur kannte, etablierte er sich als Delikatessen- und Buchhändler sowie als Italienischprofessor. Sein Versuch, der Oper in New York ein festes Haus zu geben, gelang zwar, endete aber dennoch im Bankrott.
Im europäischen 19. Jahrhundert geriet Da Ponte in Vergessenheit, Mozart hingegen legte an Popularität enorm zu: Auch viele jüdische Musiker und Musikwissenschaftler in Wien und Mitteleuropa machten sich um 1900 ein Bild von Mozart, und der Dirigent Hermann Levi übersetzte die Da Ponte-Mozart-Opern ins Deutsche. Der „arisierte Da Ponte“ und die „Mozart-Diaspora“ sind als wildbewegte Rezeptionsgeschichte des Poeten und seines Komponisten Teil der Ausstellung: Zu den „deutschen“ Mozartfeiern 1941 wurde Lorenzo Da Ponte retuschiert und blieb im „Dritten Reich“ dennoch, dank seines italienischen Namens, präsent - vielleicht als einziger Librettist jüdischer Herkunft. Gleichzeitig trugen vertriebene Musiker aus Mitteleuropa ihr authentisches wie differenziertes Mozart-Bild in die Welt hinaus. Viele von ihnen, etwa Bruno Walter, wichen nach New York aus - für die Emigranten eine „neue Stadt der Toleranz“.
In Zusammenarbeit mit dem Da Ponte Institut Wien und dem WIENER MOZARTJAHR 2006.
Kuratoren: Werner Hanak, Reinhard Eisendle, Herbert Lachmayer
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Stein auf Stein
14. Juni - 22. Oktober 2006
Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte auch das Ende der größten ideologisch begründeten Massenvernichtungen in der Geschichte der Menschheit: des Holocausts. Dieser bedeutete neben der systematischen Ermordung von sechs Millionen Juden auch den Bruch der Kontinuität der jüdischen Gemeinden samt ihrer weit reichenden intellektuellen, soziokulturellen und politischen Bedeutung für die gesamte Gesellschaft.
Dieser Bruch wurde im österreichischen Geschichtsbild bis heute nicht überwunden. Im Schulunterricht, im öffentlichen Gespräch und in Gedenkveranstaltungen bleibt die jüdische Historie meist auf die Jahre 1933 bis 1945 begrenzt. Was aber war davor, was ist danach? Stumme Zeugen des jahrhundertelangen regen jüdischen Lebens vor der Schoa und danach sind die Grabsteine auf zahlreichen israelitischen Friedhöfen Österreichs. Steine erzählen individuelle Schicksale, und nur ihre Gesamtheit kann ein Bild der wechselhaften Geschichte der Juden in Österreich vermitteln.
Fotograf Heinz Schmidt und Autor Andreas Feiertag werfen in ihrem Projekt „Stein auf Stein“ kunstvolle Schlaglichter auf diese Geschichte. In Bildern und Texten von Friedhöfen und ihren Toten skizzieren die beiden das Leben in jüdischen Gemeinden vom Neusiedlersee bis zum Bodensee vom 15. Jahrhundert bis heute. Sie zeichnen an Hand Schicksale einzelner Personen unterschiedlichster Herkunft, die auf diesen Friedhöfen begraben sind, die Entwicklung der jüdischen Gemeinden nach und vermitteln dabei über die Ebene der persönliche Schicksale weit hinausreichende Zusammenhänge mit der jüdischen Geschichte Österreichs im Wandel der Zeiten.
Kuratoren: Andreas Feiertag, Gerhard Milchram
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
Das Erste. Das erste Jüdische Museum 1895 - 1938
1. Juli - 17. September 2006
Im vergangenen Jahr hat das Museum eigens für Präsentationen im Ausland eine Ausstellung aus den eigenen Beständen zusammen-gestellt, die sich mit dem ersten Jüdischen Museum in Wien, das 1938 von den Nazis geschlossen wurde, auseinandersetzt. Diese Ausstellung wird nach einer Tournee durch sechs Städte Ungarns nun auch in Wien gezeigt. Das Museum will damit auch der Wiener Bevölke-rung und Besuchern der Stadt einen wichtigen Teil aus der Geschichte des Museums nahe bringen.
Zur Geschichte:
Im Jahre 1990 wurde das Jüdische Museum Wien neu oder eigentlich wieder begründet. Fast hundert Jahre vorher, 1895, wurde das welt¬weit erste Jüdische Museum in Wien als kleines Vereinsmuseum von prominenten Mitgliedern der großen, rund 180.000 Personen zählenden Israelitischen Kultusgemeinde errichtet. Dieses Museum wechselte oft den Standort, war nur wenige Stunden an Wochenenden geöffnet, wenig besucht und kaum bekannt. Die Mitarbeiter trugen aber eine immense, teilweise höchst qualitäts-volle Sammlung zusammen, die sie unter damaligen musealen Gesichts-punkten inventarisierten und auch anschaulich präsentierten. Im März 1938 bereitete der Nazi-Terror der Einrichtung ein Ende, die Mitarbeiter mussten fliehen, die Sammlungen wurden auf andere Museen verteilt und gingen teilweise verloren. Aber auf geradezu wunderbare, bis heute nicht gänzlich geklärte Art und Weise, überdauerte ein großer Teil der Objekte die NS-Zeit. Mit der Eröffnung des Jüdischen Museums im Palais Eskeles im Jahre 1993 wurde diese beeindruckende Sammlung, ergänzt durch die Hinterlassenschaft vertriebener und ermordeter Wiener Juden, die Ritualgegenstände der zerstörten Gebetshäuser sowie zahlreiche Neuerwerbungen wie die Sammlung Max Berger wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und erinnert an eine große, zerstörte Gemeinde. Aus den 3500 Objekten, die dem Museum von der Kultusgemeinde als Dauerleihgabe übergebenen wurden, wurden einige ausgewählt und zu dieser Ausstellung über das erste Jüdische Museum zusammengestellt, die nicht nur eine Präsentation rarer materieller Zeugnisse jüdischer Alltags- und Festtagskultur, sondern auch eine Sichtbarmachung der aktiven Bewahrung und Überlieferung dieser Kultur darstellt.
Kuratorin: Felicitas Heimann-Jelinek
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
phantastisches. Jüdisches in frühen Meisterwerken von Arik Brauer, Ernst Fuchs und Friedensreich Hundertwasser
11. Oktober 2006 - 14. Jänner 2007 (verlängert bis 22. April 2007)
Das Museum präsentiert erstmals das Frühwerk dieser drei österreichischen Ausnahmekünstler der Nachkriegszeit zusammen mit ihrem biografischen Hintergrund. Alle drei wurden zwischen 1928 und 1930 in Wien geboren, alle drei erlebten die Zeit des Nationalsozialismus wegen ihrer jüdischen Herkunft unter widrigsten Bedingungen von Ächtung und Verfolgung. Dies findet auch in den frühen Arbeiten aller drei seinen Niederschlag, wo sich die Auseinandersetzung mit der jüdischen Identität ebenso wieder findet wie die Verarbeitung der Schoa. Die Ausstellung vereint rund 60 herausragende Bilder. Dokumente zum Überleben von Arik Brauer und Friedensreich Hundertwasser im NS-Wien sowie zur Emigration des Vaters von Ernst Fuchs nach Shanghai werfen Schlaglichter auf die biographischen Hintergründe.
Der biographische Hintergrund der Malerei aller drei Künstler wird im Zuge der ersten zusammenfassenden Präsentation der frühen Arbeiten erstmals in einem größeren Zusammenhang dargestellt: Die Jugendjahre in Wien, die Rezeption des Nationalsozialismus und der Durchbruch in der Nachkriegszeit. Der Durchbruch gelang allen drei Künstlern in den 60er Jahren, als sie als Vertreter österreichischer Nachkriegsmalerei international reüssierten. Arik Brauer und Ernst Fuchs sind zwei Zentralfiguren der Kunstströmung, die sich als „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ etablierte. Sie entwickelte sich aus der allgemeinen Rezeption des Surrealismus in den ersten Nachkriegsjahren mit den Hauptvertretern Ernst Fuchs, Arik Brauer, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Rudolf Hausner. Als gegenstandsbezogene Malerei steht die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ mit ihren altmeisterlichen Arbeitstechniken und inhaltlichen Absichten in diametralem Gegensatz zur avantgardistischen Kunst, die nicht nur abstrahierend, sondern abstrakt sein wollte.
Die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ erlangte parallel zu anderen Entwicklungen und Ausdrucksweisen der spezifisch österreichischen Nachkriegskunst besonders in der Zeitspanne zwischen 1955 und 1970 große Bedeutung. Es war keine Gruppierung, die eine gemeinsame Programmatik anstrebte, doch trotz der stark individuell ausgeprägten Charaktere, Arbeitsweisen und Themen ist allen Vertretern dieser Kunstrichtung maltechnisch eine bis zum Äußersten getriebene Perfektion gemeinsam. Friedensreich Hundertwasser ist kein Vertreter des „Phantastischen Realismus“ – er ging von Anfang an andere Wege, seine Vorstellungen von Malerei wurden von ihm konsequent weiter entwickelt und perfektioniert. Die Unterschiede zu Fuchs und Brauer werden auch in der Präsentation des Frühwerks sehr deutlich. Hundertwassers Malerei erschloss sich in den späten sechziger Jahren einem breiten Publikum und seit der Errichtung eines Wohnhauses nach seinen Entwürfen in den achtziger Jahren und eines eigenen Museums in Wien ist er weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt.
Kurator: Tobias G. Natter
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Jakob Rosenfeld. Ein jüdischer General in Maos Armee
17. Oktober 2006 - 14. Jänner 2007 im Museum Judenplatz:
Im Rahmen des „China-Jahres“ des Österreichischen Außenministeriums präsentiert das Jüdische Museum eine Ausstellung über eines der kuriosesten Schicksale eines österreichischen Juden im 20. Jahrhundert - den Arzt Jakob Rosenfeld. Er diente von 1941 bis 1949 in der Armee des chinesischen Revolutionsführers Mao Tse Dong und brachte es dort bis zum General einer Sanitätsbrigade und zum Gesundheitsminister. Danach in Österreich nicht mehr heimisch geworden, starb er 1952 in Israel. Die Objekte stammen aus der Sammlung von Professor Gerd Kaminski, der die Ausstellung zusammen mit Hauskurator Marcus G. Patka erstellte.
Kuratoren: Marcus G. Patka, Gerd Kaminski
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
Exil in Schanghai
15. Oktober - 12. November 2006 im Auditorium des Jüdischen Museums
Als Ergänzung zu der Ausstellung “Jakob Rosenfeld. Ein jüdischer General in Maos Armee” zeigt das Jüdische Museum in seinem Auditorium in der Dorotheergasse von 15. Oktober bis 12. November 2006 eine Ausstellung über das jüdische Exil in Schanghai während des Zweiten Weltkriegs, wo an die 5000 Österreicher die Schoa überlebt haben. Diese Ausstellung ist in Schanghai produziert worden und wird von der Chinesischen Botschaft zur Verfügung gestellt.
An die 30.000 Juden flüchten zwischen 1933 und 1940 aus Europa nach Schanghai, weil es weltweit der einzige Hafen ist, für den kein Einreisevisum benötigt wird. Im zuvor sehr heruntergekommenen Stadtteil Hongkew entsteht so etwas wie ein „Little Vienna“, da hier 4000 bis 5000 Österreicher leben. Hier kann man im Restaurant „Fiaker“ und anderen Gaststätten ein Gulasch bekommen und es gibt sogar Operettenaufführungen in deutscher Sprache. Die meisten europäischen Juden verlassen China nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Seit etwa zwei Jahrzehnten erinnert sich auch die Stadt Schanghai wieder an das jüdische Element ihrer Geschichte. So gibt es dort zur Zeit einen österreichischen Zivildiener, der einem chinesischen Historiker bei der Auswertung der Dokumente behilflich ist. Im Zuge dieser Arbeit hat die Stadt Schanghai eine Tafelausstellung erarbeitet, die auf der ersten Station ihrer Europa-Tournee im Jüdischen Museum Wien zu sehen ist.
Kurator: Marcus G. Patka
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien
Felix Salten. Schriftsteller - Journalist - Exilant
6. Dezember 2006 - 18. März 2007
Felix Salten (1869 - 1945), der Autor von „Bambi“, ist einer der weltweit erfolgreichsten österreichischen Schriftsteller. Als Theater- und Filmkritiker der „Neuen Freien Presse“ wie als Drehbuchautor, Kabarettunternehmer, Operettenlibrettist, Reiseschriftsteller, Mentor junger AutorInnen des Zsolnay-Verlags, Kinderbuchautor, Präsident des österreichischen PEN-Clubs, Kunstkritiker und Übersetzer gestaltete Salten die Kultur seiner Zeit entscheidend mit. Wie kein anderer bewegt sich Salten entlang der sich eben formierenden Grenzlinie zwischen Hoch- und Populärkultur. Nicht zuletzt in seinem Porträt des christlich-sozialen Bürgermeisters Karl Lueger erwies er sich auch als scharfsichtiger politischer Kritiker des Populismus und des Antisemitismus, wenngleich er als PEN-Präsident 1933 für seine kompromissbereite Haltung gegenüber den nationalistischen Schriftstellern Kritik auf sich zog. 1939 wurde Salten ins Schweizer Exil gezwungen. Lebenslange Freundschaften mit Arthur Schnitzler und anderen Persönlichkeiten, die ihre Wurzeln im „Jungen Wien“ hatten, und eine ebensolche Feindschaft mit Karl Kraus prägten seine künstlerische und intellektuelle Biografie. Mit Schnitzler teilte er sich einige Zeit den Verdacht, anonymer Autor des pornografischen Romans „Josefine Mutzenbacher“ zu sein, des einzigen deutschsprachigen Klassikers (Urs Widmer) dieses Genres - bis ihm die Urheberschaft allein zugeschrieben wurde. Saltens weit gestreute Tätigkeit sowie die anhaltende Popularität einzelner seiner Werke (mitunter ohne Wissen um den Autor) stehen in erstaunlichem Gegensatz zur geringen öffentlichen Kenntnis seines Lebens. Dies überrascht um so mehr, als Leben und Gesamtwerk Felix Saltens sich auf besondere und exemplarische Weise mit den großen Themen der österreichischen und jüdischen Geschichte verknüpfen, d.h. mit der Frage der jüdischen Identität zwischen liberaler Assimilation, kultureller Modernisierung und dem Zionismus. Die Ausstellung wird als biografisch orientierte Schau „Salten, sein Werk & seine Zeit” präsentiert und in Längsschnitten Themenkreise wie Erotik, urbane Kultur, Zionismus, Physiognomie als Erkenntnis etc. behandeln. Illustriert wird die Dokumentation durch Privatfotografien, Standbildern aus Salten-Verfilmungen, Briefe Saltens an Hofmannsthal, Schnitzler sowie Gemälde, Kostüme, Plakate etc.
Kuratoren: Siegfried Mattl, Werner Schwarz, Gerhard Milchram
Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien






