Ausstellungen 2007

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Oskar Strnad. Architektur Theater Wohnen

28. März 2007 - 24. Juni 2007

Oskar Strnad war gemeinsam mit Josef Frank Begründer der „Wiener Schule“ der Architektur, die eine zwanglose, undogmatische Auffassung von Moderne vertrat. Sein Hauptinteresse galt dem Wohnen. Strnads Sehnsucht, so bekannte er, war es, „formlos zu formen“ und „nicht Kerker, sondern ‘offene Welten’” zu bauen.
Er realisierte u. a. die in der Ausstellung vorgestellte Villa des Schriftstellers Jakob Wassermann, ein Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung und mehrere Gemeindewohnbauten. Gezeigt werden neben Aquarellen und Keramiken auch Möbel von Strnad, u. a. für Hugo von Hofmannsthal, sowie Mousselinglas-Trinkgläserserien.
Den zweiten Schwerpunkt bilden Strnads Theaterarbeiten – so plante er mehrere epochale Theaterbauten für Max Reinhardt und stattete die Wiener Erstaufführungen von Ernst Kreneks „Jonny spielt auf” und Alban Bergs „Wozzeck” aus. Noch kurz vor seinem Tod entwarf Strnad die Settings zweier Filme mit Paula Wessely.
Fast drei Jahrzehnte nach der letzten Ausstellung zeigt das Jüdische Museum Wien nun die erste umfassende Personale zu diesem Ausnahmekönner.

Kuratorinnen: Iris Meder, Evi Fuks

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Salut für Jacov Lind. Anniversary Lounge 1-2007

13. April - 13. Mai 2007

Der große in Wien geborene und in London lebende Schriftsteller Jakov Lind wird 80. Aus diesem Anlass gibt es ein Fest und eine kleine Ausstellung mit dem bildnerischen Werk Jakov Linds im Jüdischen Museum Wien. Lind ist es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, nach Wien zu kommen, er wird von seiner Tochter Oona Napier-Lind vertreten. Stargäste dieser ersten „anniversary lounge“ im Jüdischen Museum sind Andrea Eckert, Kirsten Dene und Peter Turrini. Eckert wird aus Linds Prosa lesen, Dene und Turrini aus seinen Dialogen. Weitere Programmpunkte des Abends: Überreichung des Theodor Kramer Preises 2007 an Jakov Lind und ein kurzes filmisches Lind-Porträt von Georg Stefan Troller aus dem Jahr 1972, oderation: Werner Hanak & Gabriele Braunsberg-Kanner.
Schriftsteller, Schauspieler, Maler.
Besuchte das Zwi Perez Chajes-Gymnasium in Wien und war Mitglied der zionistischen Jugendorganisation “Barak” (Blitz). Seine Eltern emigrierten nach Palästina. Im Dezember 1938 mit einem Kinderflüchtlingstransport nach den Niederlanden. 1943 mit gefälschten niederländischen Papieren unter dem Namen Jan Gerrit Overbeek als Schiffsjunge auf einem Rheinschlepper in Deutschland; zuletzt in Dillenburg sogar als Kurier einer Abteilung des Reichsluftfahrtministeriums.
1945-50 in Palästina/Israel; diente in der israelischen Luftwaffe. Erste Veröffentlichung einer Erzählung („Das Tagebuch des Hanan Malinek“ in Fortsetzungen in „Aschmoret“). Neben und vor seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er auch als Fischer, Orangenpflücker, Bauarbeiter, Büroangestellter, Fotograf, Privatdetektiv, Presseagent, Zensor, Journalist, Übersetzer, Regieassistent und Filmemacher. 1950-54 wieder in Wien, um sich am Max-Reinhardt-Seminar zum Schauspieler ausbilden zu lassen. 1954 übersiedelte Jakov Lind nach London.
Seit Ende der 1960er Jahre schreibt er ausschließlich in englischer Sprache. 1965-75 wiederholt Gastprofessor für Creative Writing an US-amerikanischen Universitäten. Anfang der siebziger Jahre trat er als Aquarellmaler hervor. - Jakov Lind lebt in London, teilweise auch in New York und Deya (Mallorca/Spanien).

Tatsache ist: mein Vater war bis in den Kern Österreicher. Dass er in Polen geboren und Jude war, machte ihn nur um einiges mehr zum Österreicher. Österreich und besonders Wien waren nicht nur ein Land und eine Stadt, sondern eine Philosophie, die den unterschiedlichsten Leuten gegenseitige Toleranz auferlegte
Wien konnte auch ohne seine Juden auskommen. … Wien ist eine tote Stadt voll von feisten Skeletten.
Wien blieb die einzige Stadt, wo man mich leben ließ; ob freiwillig oder nicht, lebte ich in dieser schalldichten Gummizelle einer Verrücktenanstalt.

(Jakov Lind über das Wien seines Vaters, in: „Selbstporträt“, erster Teil seiner Autobiographie, die er seinem Sohn Simon gewidmet hat.)

Kurator: Werner Hanak-Lettner

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Hommage an Paul Goldman. Fotografische Arbeiten 1943 bis 1965

15. Mai - 19. August 2007

Das Foto von David Ben Gurion beim Kopfstand am Strand von Herzliyah genießt in Israel geradezu Kultstatus. Überraschend wenig bekannt dagegen ist Paul Goldman, der Schöpfer dieser - und manch anderer - Ikone der Gründerjahre des Staates Israel. David Rubinger, selbst ein bedeutender Pressefotograf, machte sich auf die Suche nach dem fotografischen Nachlass seines älteren Kollegen. Auf dem Dachboden der Tochter Paul Goldmans wurde er fündig. Dank seiner Initiative und dem ideellen und finanziellen Engagement des Sammlers Spencer M. Patrich konnte der wertvolle Bestand von rund 40.000 Negativen archivalisch gesichert und durch einen Katalog und eine Ausstellungsserie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Museum Judenplatz präsentiert Goldmans Œuvre nun erstmals in Europa.
Paul Goldmann, Jahrgang 1900 und wie sein berühmter Freund und Kollege Robert Capa in Budapest geboren, emigrierte 1940 unter schwierigsten Umständen nach Palästina. Zusammen mit seiner jungen Frau zunächst als “illegaler” Einwanderer interniert, meldete er sich zur Britischen Armee, in deren Dienst er zweimal verwundet wurde. Nach seiner Entlassung begann er sich seinen Lebensunterhalt als Pressefotograf zu verdienen. In den Jahren bis 1965 entstand – meist im Auftrag internationaler Presseagenturen – ein umfangreiches Zeitpanorama.
Goldmans Bildthemen sind die große Politik und ihre Akteure, der Kampf um die Unabhängigkeit, aber auch die Aufbauarbeit und das Alltagsleben im britischen Mandatsgebiet Palästina und ab 1948 dem Staat Israel. Seine einfühlsame Beobachtungsgabe und die mit großem Können gestaltete Themenvielfalt machen Paul Goldmann, der beinahe unbeachtet 1986 in Israel starb, zu einem der bedeutendsten Pressefotografen seiner Zeit.
Das Jüdische Museum Wien dankt Spencer M. Patrich, dessen großzügige Unterstützung diese Ausstellung ermöglicht hat.

Kuratoren: Gerhard Milchram, Reinhard Geir

Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien

Beste aller Frauen. Weibliche Dimensionen des Judentums

16. Mai - 14. Oktober 2007

In der Ausstellung wird die Rolle der jüdischen Frau im religiösen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Kontext reflektiert. Dabei wird unter anderem gezeigt, wie der weibliche bzw. der männliche Blick oft zu völlig unterschiedlichen Wahrnehmungen von Geschichtsbildern führt. Ein zentrales Objekt und zugleich auch Namensgeber der Ausstellung ist der Toravorhang (Parochet), den Zwi Hirsch Todesco im Jahr 1833 anlässlich der Vermählung seiner Tochter Nina dem Wiener Stadttempel gestiftet hat. In der Widmungsinschrift bedenkt er neben seinen Schwiegereltern und seinem Schwager im Besonderen seine Frau Fanny, der er in einer Standardformel als „Bester aller Frauen” huldigt.
Ein aktuelles Thema ist das Bestreben von orthodoxen und nichtorthodoxen Frauen, eine Neudefinition ihrer Aufgaben im religiösen Bereich zu erwirken. 1936 wurde in Deutschland mit Regina Jonas erstmals eine Frau zur Rabbinerin ernannt. Seither haben vor allem liberale und konservative Gemeinden in den USA Frauen als Rabbinerinnen akzeptiert. Engagierte HistorikerInnen haben jedoch herausgefunden, dass es im Laufe der Geschichte immer wieder Frauen gegeben hat, die die Grenzen der von den Männern vorgegebenen weiblichen Sphäre übertreten haben. Was wäre die Geschichte des Chassidismus ohne die Jungfrau von Ludomir, die als weibliche „Zaddek” eine Anhängerschaft um sich scharte und im Ruf einer großen Gelehrten stand? Oder wer weiß, dass das Anlegen von Tefillin nicht eine feministische Mode im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert darstellt, sondern dass es im Laufe der Geschichte immer wieder Frauen gab, die Tefillin trugen, so zum Beispiel Brune aus Mainz im 14. Jahrhundert. Das Anliegen der Ausstellung ist, den Blick auf bisher verborgene Frauengeschichte zu lenken.

Kuratorinnen: Gabriele Kohlbauer-Fritz, Wiebe Krohn

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Lucie & Paul Peter Porges. Anniversary Lounge 2-2007

27. Juni - 26. August 2007

Ein Gala-Happening zum 80. Geburtstag in Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien
Mit Michael Heltau, dem Klangforum Wien, einer Modenschau und dem Cartoon-Zyklus Paul Peter Porges: “From Dollfuss to Bush“ (1927-2007)
Seit der Ausstellung “Style and Humor” im Jüdischen Museum Wien im Jahr 2000 sind die beiden New Yorker aus Wien den Menschen in ihrer Geburtsstadt wieder ein Begriff. In diesem Jahr werden Lucie Porges, Modedesignerin, und Paul Peter Porges, Cartoonist, 80 Jahre jung. Das ist natürlich ein Grund, ihnen die zweite Anniversary Lounge 2007 zu widmen. Zu dem Happening haben sich unter anderem das Wiener Klangforum und Michael Heltau angesagt. Petra Bacher erarbeitet eine Modenschau aus der Collection von Lucie Porges.
Über Lucie & Paul Peter Porges
Lucie und Paul Peter Porges kamen in den Jahren 1926/27 im Sanatorium Lucina in Wien-Favoriten zur Welt gekommen. Mit zwölf Jahren flüchteten sie aus Österreich. 1945, nach einer mehrjährigen Verfolgungsjagd durch Europa, lernten sie sich auf der Kunstakademie in Genf kennen. Nach dem Krieg begann Paul Peter Porges in den frühen 50er Jahren in New York für die Saturday Evening Post zu zeichnen und avancierte dort bald zum meistgedruckten Künstler. Einige Jahre später schaffte er die Aufnahme in den Olymp der amerikanischen Cartoonisten, in den New Yorker. Als einziger der dort vertretenen Künstler erlaubte sich Porges einen Spagat, der es ihm ermöglichte, sowohl seinem sophisticated mind zu frönen als auch seine kindliche Liebe zum Zeichnen auszuleben. Neben dem intellektuellen New Yorker belieferte er auch über 25 Jahre lang das jugendliche Mad Magazine, das auf der ganzen Welt mehrere Generationen von Teenagern begleitet hat.
Lucie Porges lernte die Haute Couture bei mehreren Pariser Couturiers in den Nachkriegsjahren. 1951 fing sie an, bei Pauline Trigère, New Yorks einzigem französischen Modehaus zu entwerfen. „Trigère ist eine Wegbereiterin in der Modebranche, die europäisches Flair und europäische Kunstfertigkeit auf den New Yorker Markt gebracht hat,” (Lifestyles). Lucie Porges avancierte bei Trigère zum Artist in Residence. Sie war die Zeichnerin und Entwerferin.

Kurator: Werner Hanak-Lettner

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Ordnung muss sein. Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien

4. Juli - 21. Oktober 2007

Im Jahr 2000 machten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien einen Aufsehen erregenden Fund. In einem der IKG gehörenden Zinshaus stießen sie in einer leerstehenden Wohnung auf dutzende Karteiladen, einen vom Boden bis an die Decke reichenden Stapel großformatiger Bücher und 800 Umzugskartons, vollgefüllt mit Akten und Dokumenten aus dem Bestand der Wiener Kultusgemeinde. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass rund 500.000 Seiten aus den Jahren der NS-Herrschaft in Österreich stammten. Sie waren vermischt mit jüngerem, aber auch mit älterem Material aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Ein vergessener Teil der Archivbestände der IKG Wien war wiedergefunden worden. In Kooperation mit der Anlaufstelle der IKG Wien für jüdische NS-Verfolgte und mit Unterstützung der Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem präsentiert das Jüdische Museum Wien im Sommer 2007 erstmals das Archiv der IKG Wien. Offiziell begründet wurde das Archiv 1816, wobei die ältesten verwahrten Dokumente bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Eine Professionalisierung in der Verwaltung und im wissenschaftlichen Umgang mit den Akten erfuhr das Archiv ab der Mitte des 19. Jahrhunderts.
In Umfang und Vollständigkeit einzigartig belegen die Bestände die 300jährige Geschichte einer jüdischen Gemeinde von ihrem Beginn bis zur Zeit nach dem Holocaust, dokumentieren die Gemeindeorganisation, ihre religiösen, edukativen, wissenschaftlichen, kulturellen und karitativen Einrichtungen und geben Auskunft über Funktionäre und Mitglieder. Anders als die aufgelösten Kultusgemeinden Deutschlands und des restlichen Österreich hat die IKG Wien während der NS-Zeit weiter bestanden, bis sie Ende Oktober 1942 von einem so genannten „Ältestenrat der Juden in Wien” ersetzt wurde. Ab Mai 1938 organisierte sie die Versorgung und Flucht zehntausender Jüdinnen und Juden, ab Februar 1941 war sie zwangsweise in die Deportation der verbliebenen jüdischen Bevölkerung eingebunden. Die Berichte, Briefe, Auswanderungs- und Finanzunterlagen, Deportationslisten, Karteien, Bücher, Fotografien, Pläne und Plakate aus der Zeit geben Aufschluss über die letzten Jahre der einst größten deutschsprachigen jüdischen Gemeinde in Europa unmittelbar vor dem und während des Holocaust. Nach 1945 und neuerlich seit der Wiederentdeckung der Archivbestände bildeten die in der NS-Zeit entstandenen Karteien und Akten die Grundlage für Auskünfte über das Schicksal von Vertriebenen und Ermordeten und dienten zur Unterstützung der Restitutions- und Entschädigungsansprüche von Überlebenden und Nachkommen der Opfer.
Mit der leihweisen Übergabe eines großen Teils der Archivbestände an die Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem kam es in den 1950er Jahren zu einer Zäsur. Heute, 50 Jahre später, bemüht sich die IKG Wien darum, durch die Mikroverfilmung der in Jerusalem lagernden Bestände sowie durch die konservatorische Betreuung, Ordnung, Erschließung und Mikroverfilmung der in Wien verbliebenen Bestände, die in einem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) zusammengeführt und öffentlich zugänglich gemacht werden sollen, ihr eigenes institutionelles Gedächtnis wiederzugewinnen und darüber hinaus Österreich einen Teil seiner Geschichte wiederzugeben.
Die Ausstellung zeigt nicht nur wesentliche Aspekte der Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde anhand historischer Dokumente, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage des Archivs als Gedächtnisort sowie mit dem Problem der Systematisierung und Ordnung von historischen Informationen.

KuratorInnen: Felicitas Heimann-Jelinek, Lothar Hölbling, Gerhard Milchram, Christa Prokisch, Ingo Zechner

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Leon Askin. Anniversary Lounge 3-2007

6. September 2007 - 21. Oktober 2007

Am 18. September 2007 wäre der große österreichische Schauspieler und Regisseur Leon Askin 100 geworden, das Jüdische Museum nimmt dieses Jubiläum zum Anlass für eine kleine Fotoausstellung. Die Porträt-Installation „Leon Askin - 99/100” ist im Auditorium des Jüdischen Museums zu sehen.

Kurator: Werner Hanak-Lettner

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Aleph Beth. Judaica Kid´s Box

6. Dezember 2007 - 17. Februar 2008 (verlängert bis 30. Juni 2008)

Das vom österreichisch-israelischen Künstler Oz Almog initiiertes und konzipiertes Kunstprojekt setzt sich mit dem hebräischen Alphabet, der jüdischen Religion und jüdischen Traditionen auseinander. Hauptzielgruppe sind dabei Kinder und Jugendliche, doch auch Erwachsene sollen sich durch die Art des Zugangs gleichermaßen angesprochen fühlen. Ausstellungsort ist das Kinderatelier des Museums, das seit der Eröffnung des Hauses einer der Fixpunkte der Vermittlungsarbeit ist. Tragendes Element der Präsentation sind zum einen Bilder, Fotos, Gegenstände und ein Video, die von verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen gestaltet wurden, zum Anderen publiziert der Künstler Oz Almog so genannte „Pixie Books“, die die einzelnen Themenkreise in der Tradition dieser beliebten Kinderbücher aufarbeiten.
Eine kindgerechte Präsentation der jüdischen Begriffe und Symbolik soll einen unorthodoxen Zugang zur komplexen Bedeutung der hebräischen Buchstaben bieten. Denn in den Chiffren des ALEPH BETH ist die Philosophie einer Jahrtausende alten Kultur enthalten, deren Elemente man auch heute noch überall antrifft. Trotzdem wissen die wenigsten über die Bedeutung von Begriffen und Namen bescheid. Das Projekt ALEPH BETH wagt sich an das Unterfangen, eine große, traditionsreiche Kultur an einigen Enden anzupacken und einen ersten Einblick zu ermöglichen. Es wendet sich an Kinder – aber nicht nur an sie – und bietet verschiedene Einstiegsebenen, von spielerisch-heiter bis anspruchsvoll. Es ist ein künstlerisches, kein wissenschaftliches Projekt und es bewegt sich von Thema zu Thema auf dem assoziativen, emotionalen Weg mit der Absicht, ein Interesse zu wecken, das später vertieft werden kann.
Die ALEPH BETH. JUDAICA KID’S BOX bietet vielfältige Informationen aus der Bibel, dem Talmud, der jüdischen Folklore, dem Alltagsleben von Juden überall auf der Welt und im heutigen Israel an. Das Projekt ist ein lebendiger Organismus, der wie auch sein Gegenstand auf Erweiterung angelegt ist. Die „Kid`s Box“ enthält Bilder, Fotos, Gegenstände und ein Video, die zur Auseinandersetzung mit dem überlieferten Wissen des Judentums animieren.
„Wozu trägt man eine Kippa?; „Hat Gott wirklich 72 Namen?“; „Was steht in der Mesusa?“; „Warum essen wir koscher?“ Diese und viele andere Fragen stellt und beantwortet diese Ausstellung, die Denkanstöße liefern und Möglichkeiten zur Annäherung an jüdische Traditionen bieten will.
Ein tragendes Element sind so genannte Pixi-Bücher, in denen die ausgestellten Inhalte verewigt sind:. In der Ausstellung werden für jedes Thema eigene Pixi-Bücher produziert, die man auch im Museumsshop erwerben kann. Sie sollen den Zugriff erleichtern und laden gleichzeitig dazu ein, auszuwählen, wie und in welcher Reihenfolge man sich dem großen Angebot nähert: Von der systematischen Auflistung der Begriffe, über die Interpretationen der Künstler und Künstlerinnen bis hin zum Spiel mit den Buchstaben. Alle Pixie-Bücher wurden mit Rücksicht auf die unterschiedlichen Themenkreise und die einzelnen Künstler und Künstlerinnen von Oz Almog gestaltet. Das „Buch der Begriffe“ zum Beispiel ordnet strikt nach dem hebräischen Alphabet – das ist wichtig, weil das „Alephbeth“ die Grundlage für das ganze Ordnungssystem eines Weltbildes ist. Das Projekt ALEPH BETH. JUDAICA KID’S BOX ist der erste Schritt in einer Reihe, in der verschiedene Künstler, jüdische und nicht-jüdische, zu diesen Themen zusammenarbeiten.

Kurator: Oz Almog

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
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Notizen zu einer Küste. Anniversary Lounge 4-2007

31. Oktober 2007 - 6. Jänner 2008

Gleichsam als Auftakt zur 60-Jahr-Feier der Staatsgründung von Israel im kommenden Jahr wird die Ausstellung NOTIZEN ZU EINERSTE von Ruth Anderwald + Leonhard Grond gezeigt. Die Künstler haben mit einer Unterwasserkamera aus den Wellen heraus die bebaute Mittelmeerküste von Israel fotografiert. Das gleichnamige Künstlerbuch, das im Oktober bei Skarabaeus erscheinen wird, ist nicht nur Fotoband sondern beinhaltet auch die erste Anthologie neuer hebräischer Lyrik in deutscher Sprache. Am 30. Oktober wird aus diesem Anlass die Ausstellungseröffnung und eine Buchpräsentation mit Lesungen und Diskussionen israelischer und österreichischer LyrikerInnen und KunsttheoretikerInnen stattfinden. Auch die KUNSTHALLE wien wird sich in einer Kooperation beteiligen: Unter dem Titel “Playing with Solitude” wird ein Videoprogramm zeitgenössischer israelischer und palästinensischer Videokunst, zusammengestellt von Tal Yahas, Haifa Museum of Art, in der “ursula blickle videolounge” als „video des monats” bis 30. November 2007 gezeigt.
Aus Anlass des sechzigjährigen Bestehens des Staates Israel weist dieses bemerkenswerte Kooperations-Projekt auf die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen von Israel und der Realität im Land hin und stellt Stimmen in den Mittelpunkt, die im üblichen Nahostdiskurs nicht zu Wort kommen.

Kurator: Werner Hanak-Lettner

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
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Wilhelm Reich. Sex! Pol! Energy!

16. November 2007 - 2. März 2008

Für seine Feinde war er ein geistiger Irrläufer, für seine Anhänger ein genialer wissenschaftlicher Neuerer. Als Vater der „sexuellen Revolution” genoss er bei den 68ern Kultstatus. Kaum ein Forscher und Denker polarisiert wie Wilhelm Reich, 1897 in Galizien geboren, 1957 in einem amerikanischen Gefängnis gestorben.
In den 1920er Jahren stieg Reich rasch zum schillernden Jungstar der Wiener Psychoanalyse auf. Seine Arbeiten zur „Funktion des Orgasmus” und zur „Charakteranalyse” machten Furore. Er versuchte eine Synthese aus Marxismus und Psychoanalyse, die er mit der „Sexpol”, einer sexualpolitischen Plattform, verwirklichen wollte. Dem brillanten Querdenker schlug bald erbitterter Widerstand entgegen, der in Ausschlüssen aus der Sozialdemokratischen Partei und aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung gipfelte. Auch die KPD ging auf Distanz. Nach 1933 zunächst im dänischen und norwegischen Exil, seit Kriegsbeginn in den USA, erweiterte Reich sein Arbeitsgebiet um biologische, physikalische und kosmologische Fragestellungen. In zunehmender wissenschaftlicher und auch menschlicher Isolation entwickelte er die Theorie einer bislang unbekannten Energieform - dem Orgon - auf deren Grundlage er seine körperorientierte Vegetotherapie der 1930er Jahre zur Orgontherapie ausbaute.
Das Jüdische Museum Wien präsentiert die erste umfassende Ausstellung zu Leben und Werk Wilhelm Reichs. Dank einer Kooperation mit dem Wilhelm Reich Infant Trust in Rangeley, Maine, können bislang nur im dortigen Museum zugängliche Originalobjekte gezeigt werden, zusammen mit bis heuer gesperrten Teilen des Nachlasses.

Kuratorin: Birgit Johler

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
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Gottteufeläther. Oz Almog + Wilhelm Reich: Ausfluss der Hölle

16. November 2007 - 2. März 2008

EINE REISE MIT HERRN REICH UND OZ ALMOG DURCH DIE KREISE DERLLE”, nennt der österreichisch israelische Künstler seine Kunstinstallation, die parallel zur Reich-Dokumentation in der Seitengalerie im 2. Stock des Museums gezeigt wird. Wilhelm Reich begann in den späten 30er Jahren in seiner Forschung über die körpereigene Energie (Orgon) mit biophysikalischen Experimenten. Hier geriet der bis dahin fachlich weitgehend anerkannte klinische Psychotherapeut auf seiner Suche nach einer umfassenden Theorie über die menschlichen Seele/Körper-Funktionen in die Regionen der esoterischen Grenzwissenschaften. Phänomene, die heute Elektrosmog genannt werden, lieferten dem exzentrischen Forscher Indizien für das Vorhandensein des so genannten „Orgons”, dessen wissenschaftlicher Nachweis jedoch bis heute nicht erbracht werden konnte. Die Anerkennung in der wissen-schaftlichen Welt blieb Reich in seiner Kategorien über-schreitenden Arbeit versagt. Mehr Glaube und Inspiration, als strenge Methodik trieben Reich in immer skurrilere Höhenflüge, die schließlich im “Cloudbuster”, einer Art Energieumwandler und Wettermaschine gipfelten. Reichs Erben bilden heute eine fanatische, oft esoterisch inspirierte Fangemeinde. Sogenannte Weiterentwicklungen von Reichs Konzepten ermöglichen heute sogar den Erwerb von Orgon-Pferdedecken per Internet-Versand. Hier gerät der Phantast Wilhelm Reich posthum ins Visier des Konzeptkünstlers Oz Almog. Er wendet sich mit seiner subjektiven und drastischen Präsentation an die Betroffenheit, die Reichs Konstrukte und Konzepte bei Menschen auslösen können - das Phänomen Reich als Getriebener, beseelt von seinen Überzeugungen, unbeirrt gegen den wissenschaftlichen mainstream schwimmend. Oz Almog nimmt Wilhelm Reich als seinen Vergil an, der ihn durch die Höllenkreise führt. Der „Phantomforscher” Reich wird in dieser eigenwilligen künstlerischen Konfrontation mittels einprägsamer visueller Darstellungen gleichermaßen interpretiert, glorifiziert und attackiert. Wilhelm Reich als Kultfigur, als Ikone, als Schöpfer eines pseudowissenschaftlichen Disneyland steht hier in einem künstlerisch-psychedelischen Scheinwerfer-licht, das seine Person, sein Wesen und seine Ambitionen in einer neuen, ungewöhnlichen Weise zeigt.
(Text: Erich Metz)

Kurator: Oz Almog

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien

Josef Frank. Architekt und Outsider

22. November 2007 - 20. Jänner 2008

Josef Frank war einer der wichtigsten Architekten und Designer seiner Zeit. In Baden 1885 geboren, ging Frank nach Wien, um bei Carl König an der Technischen Hochschule Architektur zu studieren. Josef Frank ließ bald das traditionell orientierte Werk seines Lehrers hinter sich und wurde zum Vertreter einer kritischen Moderne. Wie viele seiner Mitstreiter kam Frank aus dem assimilierten jüdischen Bürgertum. Um 1913 realisierte er seine ersten Einfamilienhäuser und 1925 gründete er mit Oskar Wlach das Einrichtungshaus „Haus und Garten”. 1930-1932 wurde unter Franks Leitung die Wiener Werkbundsiedlung errichtet.
Josef Frank emigrierte, getrieben vom ansteigenden antisemitischen Hass in Österreich, mit seiner schwedischen Ehefrau Anna 1933 nach Stockholm. Im Alter von fast fünfzig Jahren, wurde Frank von Estrid Erikson ein Designerposten bei Svenskt Tenn angeboten. Franks Zusammenarbeit mit Svenskt Tenn sollte eine lebenslange und für seinen Erfolg entscheidende werden. Als Norwegen und Dänemark besetzt wurden, verließen die Franks Europa um in den Vereinigten Staaten zu leben und zu arbeiten. Nach Ende des Krieges kehrten sie nach Schweden zurück.
Vierzig Jahre nach dem Tod von Josef Frank präsentiert das Jüdische Museum Wien in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Stockholm die Ausstellung „Josef Frank. arkitekt och outsider” mit herausragenden Beispielen seiner Arbeiten als Architekt und Designer, ergänzt durch Arbeiten aus seiner Wiener Zeit.

KuratorInnen: Jüdisches Museum Stockholm, Evi Fuks

Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien

Die Korngolds. Klischee, Kritik und Komposition

28. November 2007 - 18. Mai 2008

Kaum eine Familie spiegelt das Wiener Musikleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts besser wider als die der Korngolds. Der Vater Julius Korngold war einer der mächtigsten und gefürchtetsten Kritiker seiner Zeit. Er wurde von Theodor Herzl als Nachfolger von Eduard Hanslick als Musikkritiker für die damals wichtigste deutschsprachige Zeitung, die Neue Freie Presse, engagiert. Sein Sohn Erich Wolfgang hingegen war ein musikalisches Wunderkind, das oft mit Mozart verglichen wurde. Werke wie die Oper „Die Tote Stadt“ gehörten zu den meist aufgeführten Stücken seiner Zeit.
Mit der Vertreibung der jüdischen Komponisten, ab 1933 zunächst aus Deutschland, anschließend auch aus Österreich, fand sich Erich Wolfgang in Hollywood wieder. Anders als zahlreiche Schicksalsgenossen konnte er dort auf eine erfolgreiche Arbeit aufbauen u.a. mit Max Reinhardt, der ihn bereits 1934 für die Bearbeitung von Mendelssohns „A Midsummer Night’s Dream“ nach Hollywood kommen ließ. Erich Wolfgang Korngold schuf als Filmmusikkomponist das, was als „Hollywood Sound” Filmgeschichte machte. Ausgezeichnet mit zwei Oscars (u. a. für den legendären Film „The Adventures of Robin Hood“ mit Errol Flynn und Olivia de Havilland) gilt Korngold bis heute als einer der erfolgreichsten und wichtigsten Hollywoodkomponisten.
Die Ausstellung stellt vor dem Hintergrund der Vater-Sohn-Beziehung die wichtigsten Schaffensperioden von E. W. Korngold dar, seine Erfolge als Wunderkind, seine Triumphe als Komponist und weltweit auch als Operettenarrangeur, seine Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, seine Erfolge in Hollywood, aber auch der gescheiterte Versuch, nach dem Krieg in Wien wieder Fuß zu fassen.
Hörstationen mit Ausschnitten aus Korngolds Musik und Filmausschnitte beleuchten seine größten Erfolge und ermöglichen auch eine Annäherung an den privaten Korngold, an seine Familie und seine Freunde.

KuratorInnen: Michaela Feurstein-Prasser, Michael Haas

Palais Eskeles
Dorotheergasse 11
1010 Wien