Abraham Adler. Oberkantor im Wiener Stadttempel
02. Februar - 08. Mai 2011
Abraham Adler (1916–2003) fungierte von 1975 bis 1993 als Oberkantor der jüdischen Gemeinde Wiens und damit als ihr Vorsänger und Vorbeter in der Synagoge. Geboren in Siebenbürger, genoss er eine fundierte musikalische und religiöse Ausbildung und kam von 1943 bis 1948 in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Seine Familie wurde in Auschwitz ermordet. 1950 diente Adler als Kantor in Haifa, 1955 übersiedelte er nach der Hochzeit mit der gebürtigen Wienerin Hilda Miller nach Melbourne. Im Zuge einer Weltreise gelangten sie 1974 nach Wien, wo Adler die Stellung als Oberkantor angeboten wurde. Neben der Ausübung dieses Amtes sammelte er kantorale und jiddische Musik, die er 1998 dem Phonogrammarchiv übergab. Sein persönlicher Nachlass ist im Jüdischen Museum Wien verwahrt. Daraus werden in dieser Kabinettausstellung im Haus der Musik sein Kantorengewand, eine Jahrzeittafel, wertvolle Bücher sowie Noten-Manuskripte und Memorabilia gezeigt. In einem Video sprechen Oberrabbiner Paul Eisenberg und der derzeitige Oberkantor Shmuel Barzilai über Abraham Adler, zahlreiche Musikbeispiele aus dessen Oeuvre sind zu hören.
Kurator: Marcus G. Patka
Das Jüdische Museum Wien zu Gast im Haus der Musik.
Haus der Musik
Seilerstätte 30
1010 Wien
Jude sein – Being Jewish. Vienna Jewish Identity Project. Fotografien von Peter Rigaud
08. März 2011 - 19. Juni 2011
Wer ist Jude? Wie begründet sich individuelles Judentum? Wer hat sich immer schon als Jude gefühlt? Wer hat sein Judentum später entdeckt und wie? Diesen Fragen geht die Ausstellung „Jude sein“ nach. Der Wiener Fotograf Peter Rigaud schuf eine Porträtserie von Wiener Juden und Jüdinnen, die sich der Frage nach ihrer jüdischen Identität stellen.
Neben den Porträts halten auch die kurzen Selbstbeschreibungen die Positionen der Fotografierten fest und bieten ein breites Spektrum der verschiedenen sozialen, religiösen und weltanschaulichen Aspekte der Identität quer durch die Generationen. Jedes der Modelle wurde gebeten, eine weitere Person zu benennen, die ihrerseits porträtiert wurde und diese Wahl begründen. So entstanden Hinweise von Juden über Juden und von Juden über sich – in Form der Bilder und in überaus liebevollen Texten.
Die Frage danach was Jüdische Identität, also „Jude zu sein“ ausmacht, stellen sich viele Juden. So einfach die Frage klingt, so schwierig ist es, darauf eine Antwort zu finden, und so unterschiedlich ist die Art und Weise, wie sich die Betroffenen dem Thema „Jüdische Identität“ annähern.
Während für die einen vor allem die Religion mit all Ihren Ritualen, Feiertagen und Bräuchen das Jüdische ausmacht, können die anderen mit religiösen Inhalten wenig anfangen und definieren ihre jüdische Identität etwa über Kindheitserinnerungen, ein Lebensgefühl oder bestimmte Werthaltungen. Die jüdische Religion schreibt vor: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder wer zum jüdischen Glauben übergetreten ist. Ein Austritt aus dem Judentum ist nicht möglich.
Kuratorin: Gabriele Kohlbauer-Fritz
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
Präsentation „Zu-gänge zum Jüdischen Museum Wien“
15. - 19. Juni 2011
Innenarchitektur-StudentInnen der New Design University St. Pölten konnten auf Einladung der Direktorin Dr. Danielle Spera mit kreativen Vorschlägen zur Neugestaltung der Eingangssituation des Museums in der Dorotheergasse 11 Beiträge liefern. Frei von den Zwängen der tatsächlichen Planung (Budget, Denkmalschutz, etc.) sollten ungewöhnliche, weil fiktive Zugänge zum Thema Erschließung und Raumorganisation in Form eines Semesterprojekts entwickelt werden. Verantwortliche BetreuerIn der Studierenden des 3. Jahrgangs für Innenarchitektur & 3D-Gestaltung von Seiten der New Design University St. Pölten waren Univ.-Prof. (NDU) Christine Schwaiger und Architekt Mag. arch. Christian Prasser. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen ein breites Spektrum an kreativen Ideen und werden im Museum Judenplatz ausgestellt.
Koordination: Andrea Winklbauer
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
Achtung! Fertig!! Los!!! Jüdischer Sport. Maccabi-Games
06. Juli 2011 - 23. Oktober 2011
Anlässlich der 13. Europäischen Makkabispiele, welche von 5. bis 13. Juli 2011 in Wien stattgefunden haben, setzt sich das Jüdische Museum Wien bis Oktober 2011 im Rahmen einer Ausstellung mit dem Thema Sport auseinander.
Die jüdische Sportbewegung entstand um 1900 aus der Forderung nach Heranbildung einer neuen Jugend, die als Pioniere nach Eretz Israel gehen sollte. Besonders Kraftsportarten wie Ringen und Boxen, aber auch Schwimmen und Laufen waren unter Juden sehr beliebt. Die österreichische Mannschaft gewann 1935 überlegen die 2. Makkabi Spiele in Tel Aviv. Ab 1950 wird diese „jüdische Olympiade“ mit Profi- und Amateursportlern aus aller Welt im Vierjahresrhythmus veranstaltet. In Wien finden – erstmals auf deutschsprachigem Boden – vom 5. bis 13. Juli 2011 die inzwischen 13. Europäischen Makkabispiele statt, dazu präsentiert das Museum Judenplatz eine Sportausstellung.
Diese zeigt anhand von Videofilmen und Interviews sowie Fotos und Memorabilia die Geschichte der Makkabi-Spiele, der Olympischen Spiele 1936 und 1972 sowie etliche aktive Wiener Sportler. Hinzu kommen die Fußball-Väter des österreichischen „Wunderteams“ um Hugo Meisl. Ein Kuriosum bildet „Eisenkönig“ Siegmund Breitbart, der als Varietékünstler zum Inbegriff des „Muskeljuden“ wurde und in Europa und in den USA für Furore sorgte.
Kurator: Marcus G. Patka
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
Zenita Komad. Spirituality is not Shopping
09. November 2011 - 04. März 2012
Die österreichische Künstlerin Zenita Komad befasst sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Spiritualität. Stets geht es um den Zusammenhang zwischen kulturell-historischen Kontexten und der je eigenen existentiell-personalen Grundhaltung des Individuums. Mit dem Titel ihrer Ausstellung im Museum Judenplatz hält sie sich viele Interpretationsmöglichkeiten offen: „Spirituality is not Shopping“ stammt aus einer ihrer Zeichnungen. Zugleich bezieht sich Zenita Komad mit der Verwendung von Zahlen, Wörtern und Bildern auf kulturhistorische Motive von weiter gefasster Bedeutung: Die Zahl 64 etwa enthält 8 mal die Zahl 8, die als arabische Ziffer dargestellt in liegender Form mit dem Symbol für Unendlichkeit zusammen fällt und in vielen religiösen und spirituellen Zusammenhängen eine Rolle spielt. Ein Film von Rebekka Hagg für die Ausstellung besteht aus 64 Porträtaufnahmen von je acht Frauen und Männern, die jeweils einen Satz aus einem poetischen Text sprechen. 121 Zeichnungen, die Zenita Komad generell als bildliche – und manchmal auch wörtliche – Niederschriften von Denkprozessen versteht, sind im Museum Judenplatz zu sehen. In einer Installation im Hauptraum verwendet Zenita Komad – wie schon zuvor etwa für die Schachoper 2005 in der Kunsthalle wien oder „When Heaven Kisses Earth“ 2008 – erneut die Systematik des Spiels. Unter Beteiligung von Rebekka Hagg, Thomas Amann und Markus Mittringer entwickelte sie ein spielbares Orakel für mehrere Teilnehmer, das die einzelnen Teile der Ausstellung zu einem Kosmos verlinkt und verdichtet: die Zeichnungen, die Installation und den Film.
Kuratorin: Andrea Winklbauer
Museum Judenplatz
Judenplatz 8
1010 Wien
BIGGER THAN LIFE. 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung
19. Oktober 2011 - 1. Mai 2012
Hollywood: ein Orangenhain, der die Welt veränderte. Alles begann mit einer Gruppe junger mittel- und osteuropäischer Juden. Als Wirtschaftsflüchtlinge erreichten sie Ende des 19. Jahrhunderts den überfüllten Hafen New Yorks, zwei Jahrzehnte später erfanden sie Hollywood: die Stars, das Happy End und die Bilder zum amerikanischen Traum. Unter ihnen Adolph Zukor (Paramount) und William Fox aus Ungarn, die Warner Brothers aus Polen, Louis B. Mayer aus Weißrussland (MGM) und Carl Laemmle (Universal) aus Süddeutschland.
BIGGER THAN LIFE ist eine Ausstellung über eine der wichtigsten Kulturgeschichten des 20. Jahrhunderts und führt die BesucherInnen hinter die Kulissen und Klischees der Mythenmaschine: Von Osteuropa an die Westküste, von der Synagoge der Hollywood-Gründer zu ihrem berühmten Country-Club, vom Stummfilm über den Tonfilm bis nach New Hollywood, von der versteckten jüdischen Identität zum jüdischen „Coming Out“ von Woody Allen oder Barbra Streisand.
Zu sehen sind Ausschnitte wesentlicher Filme, riesige, nie gezeigte Filmplakate im amerikanischen Großformat und überraschende Original-Exponate aus Europa, New York und Los Angeles: Von einer silbernen Zigarrenbox des Paramount-Gründers und Kettenrauchers Adolph Zukor über einen Sessel aus Rick’s Café aus dem Film Casablanca bis hin zu Kostüm- und Architekturentwürfen für Vom Winde verweht.
Und der Baseballschläger des “Bärenjuden”, eine jüdische Angriffswaffe aus Quentin Tarantinos Inglourious Basterds deutet schließlich an, dass der Blick auf die jüdische Identitäten in Hollywoods Filmen im ständigen Wandel begriffen ist.
Kurator: Werner Hanak-Lettner
Jüdisches Museum Wien
Dorotheergasse 11
1010 Wien






