Die Sammlung Schlaff

1993 stiftete Martin Schlaff seine ca. 5000 Objekte umfassende Sammlung dem Jüdischen Museum Wien. Unter den Beständen des Museums nimmt diese Sammlung eine Sonderstellung ein. Sie umfasst Figurinen, Alltagsgegenstände, Postkarten, Archivalien und Bücher, die judenfeindliche Einstellungen widerspiegeln. Die Intention des Sammlers war es einerseits, die Objekte und Dokumente zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung zu stellen, andererseits wollte er sie auch ganz bewusst dem Markt und Käufern mit antisemitischer Gesinnung entziehen. Im Schaudepot des Jüdischen Museums Wien werden die dreidimensionalen Objekte aus der Sammlung Schlaff gezeigt. Mit einem einfachen Kunstgriff soll vermittelt werden, dass Bilder im Kopf entstehen und Stereotypen vom kulturellen Gedächtnis geprägt sind, das unser Welt- und Selbstbild bestimmt. Die Vitrinen sind mit Spiegeln ausgekleidet, und die Figuren kehren dem Besucher den Rücken zu. Somit kann er deren Gesichter nur gebrochen betrachten und ist auch mit seinem eigenen Spiegelbild konfrontiert. In einem Interview, das gemeinsam mit der Sammlung im Schaudepot des Jüdischen Museums Wien gezeigt wird, beschreibt Martin Schlaff sehr persönlich, was ihn dazu bewegt hat, diese Sammlung aufzubauen und weshalb sie – seiner Meinung nach – in das Jüdische Museum gehört.