Das jüdische Wien und Richard Wagner

2013 jährt sich der 200. Geburtstag Richard Wagners, einer der umstrittensten Persönlichkeiten des 19., 20. und 21. Jahrhunderts. Mit seiner Schrift „Das Judenthum in der Musik“ (1850 und 1869), seinen Opern und zahlreichen anderen einschlägigen Statements etablierte sich Wagner einerseits als eine der exponiertesten antisemitischen Leitfiguren innerhalb des deutschsprachigen Bürgertums. Andererseits gelang es ihm, mit seinem musikalischen Schaffen, der Idee des Gesamtkunstwerks und dem Geniekult, enormen Einfluss auf seine Zeit und die Nachwelt auszuüben.

Das Jüdische Museum Wien setzt sich in einer Ausstellung mit Schwerpunkt Wien mit dieser breiten, aber widersprüchlichen Wirkungsgeschichte auseinander. Wien war sehr früh ein Zentrum des Wagner-Kults. Gerade hier gab es besonders viele jüdische Wagnerianer, doch auch einer seiner besonders sarkastischen Kritiker, jüdische Feuilletonist Daniel Spitzer, lebte und publizierte in Wien. Wagners Werk inspirierte nichtjüdische Künstler und Intellektuelle ebenso wie deklarierte Antisemiten und – unter naiver Ausblendung bzw. Umdeutung der antisemitischen Botschaften – einflussreiche jüdische Intellektuelle wie Theodor Herzl oder Otto Weininger.

Ausgehend von dieser Liebe zum Komponisten, die sich bald als Falle herausstellen sollte, wird sowohl der moderne Antisemitismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als auch die Wirkung Wagners auf Kunst und Kultur der Wiener Jahrhundertwende und – weit darüber hinaus – auf Adolf Hitler und das NS-Regime thematisiert. Letzten Endes geht es aber auch um die Frage nach der heutigen Wagner-Rezeption – auch und vor allem in Israel.

Kuratorin: Andrea Winklbauer
Ausstellungsgestaltung: Bernhard Denkinger

Podcast zur Ausstellungseröffnung