Ein Lied der Vernunft. Schach: Die Welt in 64 Feldern

Ein Lied der Vernunft. Schach: Die Welt in 64 Feldern 

Diese Schau zur Geschichte des Schachspiels präsentiert zum einen die schönsten Schachfiguren vom Mittelalter bis zur Gegenwart sowie Bücher und Handschriften, die die historische Entwicklung des Schachspiels im kulturellen und sozialen Umfeld verdeutlichen, zum anderen zeichnet sie einen Tag im Leben eines berühmten Schachspielers, Akiba Rubinstein, nach. Unter den kostbaren Schachsets aus aller Welt, die ausgestellt sind, finden sich Arbeiten prominenter Künstler der klassischen Moderne, die selbst passionierte Schachspieler waren: Arbeiten von Marcel Duchamp, Max Ernst, Man Ray und Alexander Calder.

Unter allen Spielen nimmt das Schachspiel eine besondere Stellung ein. Kein anderes Spiel wird kulturell so hoch bewertet, war so oft Gegenstand von Reflexionen in Kunst, Wissenschaft und Politik. Schach schuf als Spiel der Vernunft ein gewaltiges kulturelles Umfeld - in Kunst und Kunsthandwerk, in Philosophie und Literatur, in Design und Film. Die europäische Geschichte des Schachspiels ist eng mit der Geschichte des Judentums verbunden: Der jüdische Sänger Masur al-Jehudi erlernte das Schachspiel von einem Perser, bedeutende jüdische Spieler, Gelehrte und Mäzene machten Schach zu dem, was es heute ist.

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Kunst in Wien/Lehrkanzel für Philosophie entstand, erschließt dem Besucher diese Bedeutung nicht nur durch die Schachfiguren, sie soll verdeutlichen, dass Schach soziale und religiöse Grenzen überwindet - der Glaube, das Geschlecht, die soziale Stellung, Nation und Sprache spielen in der direkten Auseinandersetzung am Schachbrett keine Rolle mehr. Vielmehr hat das Schachspiel eine eigene internationale Sprache entwickelt, die weltweit verstanden wird und keine kulturellen Schranken kennt; das Spiel kann daher als Metapher für Toleranz und Verständigung angesehen werden.

KuratorInnen: Ernst Strouhal, Eva Blimlinger