20. Mai 2020

Élie-Anatole Pavil and Charles Ephrussi

by Gabriele Kohlbauer-Fritz
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Ein junger russischer Künstler und sein Mäzen.
 
Als Privatgelehrter, Kunstsammler und Mäzen ging Charles Ephrussi in die französische Kulturgeschichte ein. So diente er als eines der Vorbilder für den Kunstliebhaber und Dandy „Monsieur Swann“ im berühmten Roman von Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Mit seinem Gespür für neue Entwicklungen erkannte Ephrussi sehr bald die Bedeutung der französischen Impressionisten. Er erteilte ihnen erste Aufträge im Freundes- und Familienkreis, organisierte Ausstellungen und kaufte ihre Werke. Viele der von ihm geförderten Künstler und Künstlerinnen wie Edgar Degas, Pierre Auguste Renoir, Claude Monet, Eduard Manet und Berthe Morisot sind heute weltberühmt.
 

Jean Patricot, Porträt Charles Ephrussi, Zeichnung © The Phillips Collection, Washington, D.C.
 
Eines der jungen von Charles Ephrussi entdeckten Talente war der 1873 in Odessa in Russland geborene Maler Élie-Anatole Pavil. Er hatte mit Ephrussi nicht nur die Geburtsstadt gemeinsam. Auch die Herkunft aus einer jüdischen Familie verband ihn mit seinem späteren Förderer. Élie-Anatole Pavil übersiedelte 1892 nach Paris, wo er an der Académie Julian Malerei studierte und wie der Kunstkritiker G. Kutna in einem Artikel über russisch-jüdische Künstler in der Zeitschrift „Ost und West“ feststellte: „eine ausgesprochene Begabung für impressionistische Malweise an den Tag legte“. Pariser Plätze und Straßen, die Ufer der Seine und das Pariser Kaffeehaus- und Nachtleben gehörten zu den beliebten Sujets im Oeuvre von Élie-Anatole Pavil. Auch der Park Monceau unweit der Stadtvilla von Charles Ephrussi in der Rue Monceau zählte zu den immer wiederkehrenden Motiven in Pavils Werk.
Als Élie Anatole Pavil mit Ausstellungen im Salon d’Automne, im Salon des Artists Francais und im Salon des Indépendants seinen künstlerischen Durchbruch erlebte, war sein früher Gönner Ephrussi bereits verstorben. Élie Anatole Pavil überlebte ihn um viele Jahre. Um 1935 übersiedelte er nach Marokko, was ihn vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten bewahrte. Er starb 1948 in seinem Exil.  
 
Titelbild: Élie-Anatole Pavil, Parc Monceau, matin d’automne © Ancienne collection Andrée Thiriot provenance directe de l’artiste. Collection Gallard