Fr. 21.01.2022

Jüdisches Museum Wien erhält restituiertes Meisterwerk der Wiener Romantik als Schenkung

Dem Jüdischen Museum Wien wurde die restituierte Zeichnung Bildnis eines vornehmen Herren als Schenkung übergeben. Das Blatt befand sich seit 1939 im Besitz der ALBERTINA und wurde 2013 zur Restitution empfohlen. Die im Jahr 2020 ausfindig gemachte Erbin wünschte den Verbleib der Zeichnung in Wien und schenkte sie in Folge dem Jüdischen Museum Wien.
 
Dem Jüdischen Museum Wien wurde die restituierte Zeichnung Bildnis eines vornehmen Herren als Schenkung übergeben. Das Blatt befand sich seit 1939 im Besitz der ALBERTINA und wurde 2013 zur Restitution empfohlen. Die im Jahr 2020 ausfindig gemachte Erbin wünschte den Verbleib der Zeichnung in Wien und schenkte sie in Folge dem Jüdischen Museum Wien.
 
Der ausführende Künstler und die dargestellte Person konnten bislang nicht ermittelt werden. Spätere Notizen, die teils erst bei der Inventarisierung auf der Rückseite des Blattes durch Mitarbeiter*innen der ALBERTINA hinzugefügt wurden, deuten es als Bildnis eines Wiener Bürgermeisters Leopold Rössler und vermuten die Autorschaft Ferdinand Georg Waldmüllers. Doch ist eine in dieser Funktion amtierende Person nicht bekannt.
Modische Details deuten auf eine Entstehung in den frühen 1820er Jahren. Stilistisch gehört das einfühlsame Bleistiftbildnis in den Kreis des 1808 in Wien gegründeten Lukasbundes, ein Zusammenschluss von Kunststudenten, die aus Enttäuschung dem akademischen Lehrbetrieb entsagten. Die Zeichnung steht insbesondere der hochkultivierten Porträtkunst eines Julius Schnorr von Carolsfeld (1794–1872) nahe, einem der Wegbereiter der Wiener Romantik.
 
Restitutionsfall Adella Feuer
Adella Feuer (née Taubmann) wurde 1903 in Aachen geboren und heiratete 1927 Max Feuer in Wien. Die Ehe blieb kinderlos und wurde 1934 geschieden. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich bereitete Adella Feuer, die als Jüdin durch nationalsozialistische Verfolgung gefährdet war, ihre Flucht vor und suchte bei der Zentralstelle für Denkmalschutz um Genehmigung für die Ausfuhr ihrer Kunstgegenstände an. Die Ausfuhrgenehmigung für die Bleistiftzeichnung wurde jedoch nicht erteilt und daher entschied sie sich offenbar dazu, diese – belegt durch die von ihr unterzeichnete Quittung vom 15. März 1939 – an die ALBERTINA zu verkaufen.
Adella Feuer flüchtete aus Wien, wurde aber in Italien verhaftet und 1944 nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte und emigrierte 1947 in die USA, wo sie den Geburtsnamen ihrer Mutter annahm und sich fortan Ada Imberman nannte. Sie verstarb 1979 in Miami Beach, Florida.
 
Im Zuge der proaktiven Provenienzforschung seitens der Kommission für Provenienzforschung konnte das einst von Adella Feuer verkaufte Blatt aufgefunden und dem Kunstrückgabebeirat zur Kenntnis gebracht werden. Dieser empfahl im März 2013 die Rückgabe der Zeichnung aus der ALBERTINA.
 
Nach der Empfehlung des Kunstrückgabebeirats wurde die Israelitische Kultusgemeinde Wien (IKG) beauftragt, die Erb*innen der zur Restitution empfohlenen Zeichnung festzustellen. Die IKG konnte im Zuge der Recherchen den Neffen und die Nichte von Adella Feuer, als Erb*innen ausfindig machen. Der Neffe verzichtete auf seinen Anteil und Nichte Sylvia Taubman wurde zur Alleinerbin. Ihr Wunsch war es, dass die Grafik in Wien verbleibt und dem Jüdischen Museum Wien als Schenkung übergeben wird.
 
Direktorin Danielle Spera: „Das Jüdische Museum Wien ist sehr dankbar für diese Schenkung. Mit der Bleistiftzeichnung können wir an Adella Feuer und die Familie Taubman erinnern, indem wir ihr Schicksal an unsere Besucher*innen vermitteln und das Bewusstsein für die Dringlichkeit von Restitutionen schärfen.“
 
„Seit dem Erlass des Kunstrückgabegesetzes im Dezember 1998 hat der Kunstrückgabebeirat in 46 Fällen Rückgabebeschlüsse zu fast 4.000 Objekten aus der ALBERTINA gefasst. Die ALBERTINA ist seit Jahrzehnten eine verlässliche Partnerin, wenn es darum geht, geraubte Kunst zu restituieren und aktive Provenienzforschung zu betreiben. Werke, die unrechtmäßig in unsere Sammlung gelangt sind, sollen und wollen wir nicht besitzen. Manchmal betrifft dies Werke im Wert von vielen Millionen Euro, manchmal von geringfügigem, aber hohem symbolischen oder persönlichem Wert. Gerechtigkeit sollte nie in Geld aufgewogen werden. Und sie kennt auch keinen zeitlichen Rahmen: die ALBERTINA wird weiterhin darauf bedacht sein, Werke, wo es notwendig ist, ihren rechtmäßigen Erben zu retournieren“, so Generaldirektor der ALBERTINA Klaus Albrecht Schröder.


Pressetext


Generaldirektor der ALBERTINA Klaus Albrecht Schröder und Direktorin des JMW Danielle Spera
© Ouriel Morgensztern
Bleistiftzeichnung, Wien, 1820er
© Ouriel Morgensztern

 

 
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