Der Begriff „Widerstand“ wird heutzutage inflationär und in verschiedensten Kontexten verwendet. Traditionell verstand man darunter die organisierte, meist auf bewaffnetem Kampf basierende Opposition gegen Macht. Was macht also Widerstand aus? Und was ist jüdischer Widerstand?
Widerstand ist im Judentum und in der kollektiven jüdischen Erinnerung tief verankert. So wird z.B. zu Chanukka an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die Seleukiden im 2. Jh. v. d. Z. erinnert. Zu Purim steht der Widerstand Königin Esthers und die Rettung der persischen Jüdinnen/Juden im Mittelpunkt – eine Geschichte, die auch feministisch gedeutet wird. Zudem trug die Erinnerung an jüdische Kampforganisationen wie die Jewish Legion oder die Hagana sowie an den Warschauer Ghettoaufstand 1943 wesentlich zur israelischen Identitätskonstruktion bei.
Gleichzeitig sind zahlreiche Instanzen jüdischen Widerstands lange Zeit im Verborgenen geblieben, so z.B. der jüdische Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Erst in jüngster Vergangenheit wurde das lange vorherrschende Narrativ der „passiven Opfer“ durch die Erforschung der enormen Bandbreite jüdischen Widerstands gegen das NS-Regime widerlegt. Auch auf der Rolle von Jüdinnen liegt dabei ein spezieller Fokus.
Die Ausstellung „Widerstand!“ geht diesen und weiteren Beispielen jüdischen Widerstands nach und holt das Thema dabei auch in die Gegenwart. Denn gerade heute, in einer Zeit geprägt von gesellschaftlicher Polarisierung, ist die Auseinandersetzung mit Widerstand umso wichtiger.
Kurator: Tom Juncker
Ausstellungsgestaltung: Robert Rüf, Design, Wien
Ausstellungsgrafik: solo ohne – Studio für Gestaltung