Schwarze Juden, Weiße Juden? Über Hautfarben und Vorurteile
22.10.2025 – 26.04.2026

Schwarze Juden, Weiße Juden? Über Hautfarben und Vorurteile

Museum Dorotheergasse
Welche Hautfarben haben Jüdinnen und Juden – und welche werden ihnen zugeschrieben? Wie verorten sie sich selbst? Die Ausstellung „Schwarze Juden, Weiße Juden?“ geht diesen Fragen nach und zeigt historische und zeitgenössische Beispiele der Fremd- und Selbstwahrnehmung. Sie beleuchtet das Thema der jüdischen Identität im Spannungsverhältnis zwischen Eigendefinitionen, Antisemitismus und Rassismus.

Seit Jahrhunderten werden Menschen durch rassistische Weltanschauungen vor allem nach ihrer Hautfarbe bewertet. „Rassentheorien“, Kolonialismus, Antisemitismus und andere Überlegenheitsfantasien schufen eine Hierarchie der Menschen: eine Ordnung der Welt, die auf der Ordnung nach Hautfarben beruht. Im Fokus der Ausstellung stehen diese Stereotypisierungen und Ausgrenzungen, die Jews of Color weltweit – insbesondere in Europa, den USA und Israel – erfahren.

Heutige Diskurse verstehen Hautfarbe als historische und soziale Konstruktion und weniger als biologische Kategorie. Gerade die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts führte zur Verfestigung des Stereotyps von Juden als Weiße Kolonialherren, die eine „Nicht-Weiße“, indigene Bevölkerung unterdrücken. Dafür wird ausgeblendet, dass Jüdinnen und Juden – nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass ihre Geschichte von Migration, Vertreibung, und allen voran von der Schoa geprägt ist – auf allen Kontinenten präsent waren und sind.

Sind Jüdinnen und Juden nun aber Weiß, „Nicht-Weiß“ oder Schwarz? Die verschiedenen Antworten und ihre weitreichenden Folgen bekräftigen die Aktualität und Dringlichkeit dieser Ausstellung.
 
Kurator:innen: Tom Juncker, Daniela Pscheiden, Hannes Sulzenbacher, Vanessa Spanbauer
Gestaltung: Robert Rüf, Design, Wien
Grafik: Bueronardin, Wien

Sujet: Jason Bard Yarmosky, Portrait of a young man, 2018 © Privatsammlung, Europa


Artist Talks Special

Anlässlich des Black History Month 2026 startet unser Podcast „Geschichte(n) aus dem Museum“ mit einer besonderen, vertiefenden Episode ins neue Jahr. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „Schwarze Juden. Weiße Juden? Über Hautfarben und Vorurteile“, die sich mit Zuschreibungen, Sichtbarkeit und Vielfalt innerhalb jüdischer Lebensrealitäten auseinandersetzt.
Zu Beginn geben Direktorin Barbara Staudinger und Chefkurator Hannes Sulzenbacher Einblick in die Idee hinter der Ausstellung: Wie sind Vorstellungen von „jüdischem Aussehen“ historisch entstanden? Warum halten sich bestimmte Bilder und Stereotype so hartnäckig? Und welche Rolle kann ein Museum dabei spielen, vielfältige Perspektiven sichtbar zu machen?
Im Anschluss folgen zwei Artist Talks: Der US-amerikanische Künstler Aaron Silver spricht mit Kurator Tom Juncker über seine Arbeit „Black Lives Matter“ und über Kunst als Ausdruck von Haltung, Erinnerung und Solidarität. Danach gibt Ella Cooper Einblick in ihre künstlerische Praxis. Als schwarze Frau und Jüdin thematisiert sie in ihren Werken Mehrfachzugehörigkeit, Selbstwahrnehmung und gesellschaftliche Projektionen.
Diese längere Episode verbindet kuratorische Hintergründe mit persönlichen künstlerischen Stimmen – und lädt dazu ein, über Hautfarben, Vorurteile und Identität neu nachzudenken.