15. Januar 2026
Schaufenster

Museums-Visionen

von Hannah Landsmann
Kleines Diorama mit dem Wort "KIDS" aus lila Modelliermasse, zwei Fotos im Hintergrund und einem kleinen gelben Kasten mit grüner Deko im Vordergrund.
© JMW
Ein Jüdisches Museum für Kinder, gestaltet von einem jungen Designer, 2025

Auf der Suche nach Ideen für ein Sommerprogramm für Kinder kamen wir schnell zu Pippi Langstrumpf und ihrem coolen Song vom kunterbunten Haus, dem Äffchen und dem Pferd. Pippi Langstrumpf feierte 2025 ihren 80. Geburtstag, Astrid Lindgrens wohl berühmteste Geschichte wurde 1945 publiziert. Ungeachtet dessen ist Pippi immer noch 9 Jahre alt, hat ihre Zöpfe behalten und macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt und wir gehen davon aus, dass sie jedenfalls möchte, dass den Kindern auch die Museumswelt gefällt. Aber wie sieht diese Museumswelt eigentlich aus?
 
Sind Museen überhaupt Orte für Kinder, auch wenn sie keine Dinos und technische Spielereien zum Ausprobieren bereithalten oder das Zoom Kindermuseum sind? Überall auf der Welt und in nahezu allen Museen gibt es heute Angebote und Programme für Kinder, allen Kurator:innen und Museumsleitungen ist klar, dass es das geben muss, auch wenn diese Kinderebene oft das Terrain der Kulturvermittler:innen ist, die sich, sobald die Ausstellung platziert ist, etwas einfallen lassen müssen, wie Inhalte und Themen altersgerecht präsentiert werden können. 
2016 wurde im National Museum Warschau die Ausstellung The „Anything goes“ Museum. Exhibition curated by children gezeigt, die ohne erwachsene Kurator;innen ausgekommen ist. Die Themen, die Objekte, die Architektur, die Texte und die Eröffnung lag in den Kinderhänden. 
 
So beeindruckt wir von dieser Idee sind, wir können es dem National Museum Warschau leider nicht nachmachen und haben daher in einem viel kleineren Rahmen etwas Ähnliches versucht, erstmals in Kooperation mit den Summer City Camps, die Kindern und Jugendlichen in den Sommerferien mit sportlichen und kreativen Angeboten die Ferienzeit verkürzen. Wir möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich bei den Kolleg:innen für die ausgezeichnete Kooperation in kreativen und administrativen Belangen bedanken. 
 
: Mehrere kleine, bunte Modellhäuser aus Pappe und Papier stehen auf einem weißen Tisch vor einer schwarzen Tafel mit handgeschriebenen Texten und Zeichnungen.
© JMW
Die Museumsräume von den jungen Designer:innen, 2025
 
Gerade weil man im Sommer womöglich lieber schwimmen geht, Ball spielt oder Eis isst, darf es im Museum auf keinen Fall langweilig sein, die Aktivitäten der Kinder müssen im Vordergrund stehen. Um das Jüdische Museum, das sich in einem Haus mit langer Geschichte und verschiedensten Eigentümer:innen und Mieter:innen befindet, genauer kennenzulernen, stand als allererstes ein Rundgang auf dem Programm, bei dem es mehr um die Architektur, das Licht, das Design, die Farben, die Fußböden und den Klang der eigenen Stimme ging als um historische Eckdaten. Beim Spazieren durch vier Etagen sieht man so einiges und wer neugierig genug ist, fragt nach, so dass die Kinder ohne weiteres historische Damen und Herren kennenlernen können oder in der Schausammlung im dritten Stock eine richtig große Menge an Gegenständen wahrnehmen, die bei jüdischen Feiertagen eine Rolle spielen oder die Tora-Rolle schmücken. Weil man auf Fragen antworten muss, kam auch Adam Opels Radrennmaschine „Victoria Blitz“, die sich längst wieder im Literaturmuseum Altaussee befindet, zu Wort oder wieder in die Dorotheergasse zurück, denn im Stiegenhaus ziert ein großes Foto mit einem solchen Fahrrad und Theodor Herzl die Wand. Theodor Herzl ist im Museum zwar öfter zu finden, aber ohne das Foto im Stiegenhaus wären er und die wirklich beeindruckende Victoria Blitz vielleicht gar nicht zur Sprache gekommen?
 
: Mehrere bunte, selbstgebastelte Modelle aus Pappe und Papier stehen auf einem Tisch, darunter ein Modell mit der Aufschrift 'Museum'.
© JMW
: Mehrere kleine, bunte Dioramen aus Pappschachteln mit verschiedenen Figuren und Dekorationen, auf einem Tisch vor einer schwarzen Tafel und weißen Textblättern.
© JMW
Was die Materialien für die neuen Museumswelten anbelangt, haben wir keine Mühen und Kosten gescheut. Unzählige stabile Schachteln kleineren und größeren Formats in tollen Farben, eine große Menge Papier unterschiedlichster Art, Knetmasse, Stoffe, Watte, Schaschlik-Stäbe, Pappbecher und vieles mehr wurde eingesetzt, um jene Museumswelt darzustellen, die den Vorstellungen der Kinder entspricht. Die jungen Designer:innen legten Wert auf Raum und Ruhe, auf Klarheit und Freiraum. Entgegen der massenhaften Platzierung von Objekten in einer großen Vitrine im dritten Stock wurde zum Beispiel ein einziger Tora-Zeiger in leuchtendem Rot aus Knetmasse in einem eigenen Raum präsentiert – weniger ist öfter mehr und verstärkt vielleicht sogar den Eindruck? Katzen schaden womöglich auch nicht wie auch ein Behältnis mit Wutbällen, falls die Lage aussichtlos würde. Dass man es in Museen auch mit Emotionen zu tun hat, liegt auf der Hand und durchaus ist nicht alles nett und bunt.

: Modell eines mehrstöckigen Puppenhauses aus Pappe mit bunten Details, Vorhängen und kleinen Figuren.
© JMW
Die Museumsräume von den jungen Designer:innen, 2025

Dass die jungen Designer:innen sich im Jüdischen Museum befinden, ist natürlich immer relevant, schließlich erzählen die Ausstellungen von jüdischer Kultur, Geschichte und Gegenwart, welche nun einmal Teil der Stadt sind, worauf man nicht minütlich hinweisen muss.

Dass man in jüdischen Museen richtig Spaß haben kann und lachen darf, wissen wir längst und werden auch weiterhin Kinder bitten, uns ihre Museumswelt zur Kenntnis zu bringen, schaden kann das bestimmt nicht.

: Mehrere bunte, handgefertigte Miniaturmodelle aus Papier und Karton, darunter ein Modell mit einem grünen Davidstern und ein Modell mit der Aufschrift 'Welcome'.
© JMW
Die Museumsräume von den jungen Designer:innen, 2025